Augmented Reality: Entwicklung der HoloLens 3 soll auf der Kippe stehen

Nicolas La Rocco
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Augmented Reality: Entwicklung der HoloLens 3 soll auf der Kippe stehen
Bild: Microsoft

Für die Ende 2019 von Microsoft eingeführte AR-Brille HoloLens 2 dürfte es in absehbarer Zeit keinen direkten Nachfolger geben, nachdem Microsoft in einem aktuellen Bericht von Business Insider (Paywall) die Aufgabe der Arbeiten an einer HoloLens 3 nachgesagt wird. Ein neues Modell könnte aber mit Samsung entstehen.

Dem Bericht nach läuft das vor allem auf Unternehmenskunden fokussierte Geschäft mit der HoloLens (2) nicht so, wie Microsoft sich das vorgestellt hatte. Bereits vor Beginn der COVID-19-Pandemie soll Microsofts Chief Marketing Officer Chris Capossela das Produkt als nicht mehr als einen Rundungsfehler in den Geschäftsberichten des Konzerns bezeichnet haben. Das spricht dafür, dass es nur geringes Interesse an der AR-Brille gibt, mit der entsprechend wenig Umsatz generiert wird.

Microsoft war bei AR sehr früh dabei

Microsoft hatte mit der ersten HoloLens, die anno 2016 erstmals als Developer Edition auf den Markt kam, extrem früh auf das Pferd Augmented Reality gesetzt, sich dabei aber bewusst auf Geschäftskunden fokussiert. In jüngster Zeit ist vor allem Meta (ehemals Facebook) mit dem geplanten Aufbau eines Metaverse aufgefallen, wenngleich Meta sich eindeutig an Privatkunden richtet. Dass das Metaverse aber noch einige Jahre Entwicklungszeit benötigt und Meta bis dahin mit deutlichen Problemen zu kämpfen hat, verdeutlichen die jüngsten Quartalszahlen.

HoloLens 3 auf Eis gelegt

Innerhalb von Microsoft scheint man sich hingegen nicht einig zu sein, wie sich die Produktsparte künftig entwickeln soll. Business Insider zitiert drei namentlich nicht genannte Personen, die Einblicke in die Pläne Microsofts haben sollen. Alle drei Insider geben an, Microsoft habe die Pläne für das, was einmal die HoloLens 3 werden sollte, verworfen. Eine der drei Personen berichtet sogar, dies sei das Ende der Produktkategorie, wie man sie bisher kannte.

Darüber hinaus soll ein lukrativer Vertrag mit dem Pentagon dem Zeitplan hinterherhinken und mit Schwierigkeiten sowohl bei Qualität als auch Leistung behaftet sein. Weil es keine klare Linie im Konzern gebe, in welche Richtung HoloLens künftig entwickelt werden soll, hätten mehrere wichtige Personen das Unternehmen bereits verlassen. Unternehmenssprecher Frank Shaw versichert hingegen, HoloLens bleibe ein wichtiger Bestandteil für Microsofts Pläne in den Bereichen Mixed Reality und Metaverse.

Neue Mitarbeiter sollen Abgänge aufwiegen

Mehr als 20 Mitarbeiter im Team rund um HoloLens-Mitbegründer Alex Kipman sprachen gegenüber Business Insider von Ungereimtheiten im Team. Unklarheit herrsche zum Beispiel darüber, ob künftig alles auf die Hardware gesetzt oder eine Software-Plattform für das Metaverse aufgebaut werden solle. Darüber hinaus werde die Ausrichtung mehr auf Firmen- oder doch eher Privatkunden diskutiert. Rubén Caballero, Ex-Apple-Mitarbeiter und unter Kipman für das Geräte-Engineering verantwortlich, wolle weg vom Enterprise- und Militärmarkt und sich auf Privatanwender und das Metaverse fokussieren.

Im vergangenen Jahr sollen rund 25 Mitarbeiter aus der HoloLens-Sparte das Unternehmen verlassen haben, mindestens weitere 20 im Jahr davor. Laut Wall Street Journal soll sich die Anzahl der nicht mehr bei Microsoft an HoloLens arbeitenden Personen auf rund 100 belaufen, viele davon seien zu Meta abgewandert. Einem Microsoft-Sprecher zufolge sei das Team rund um HoloLens obgleich zahlreicher Abgänge gewachsen – beides schließt sich nicht gegenseitig aus.

Samsung-Partnerschaft wird intern kritisiert

Nicht kommentieren wollte Microsoft eine angebliche Partnerschaft mit Samsung. Details dazu stehen noch aus, doch sei die Kooperation Mitte des letzten Jahres eingegangen worden. Doch auch in diesem Bereich scheinen sich gewisse Gruppen im HoloLens-Team uneinig zu sein, ob dies der richtige Weg ist. Microsoft sei bislang zögerlich gewesen, die Display-Technologie des AR-Headsets an Dritte zu geben. Samsung argumentiere hingegen, dass es für die Massenproduktion eines neuen Headsets der richtige Partner sei und sich Microsoft auf die Software fokussieren solle. Die Zusammenarbeit sei auf interne Kritik gestoßen, Mitarbeiter hätten suggeriert, nur das absolute Minimum der Kooperation zu erfüllen. Ein Mitarbeiter habe die Samsung-Partnerschaft als „shit show“ bezeichnet.

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