Intel Arc A380 im Test: Die zahlreichen (Treiber-)Probleme mit der Arc A380

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Update Wolfgang Andermahr
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Es ist nichts Ungewöhnliches, dass neue Grafikkarten mit Review-Treibern noch kleinere Probleme aufzeigen. Sie sind dann für gewöhnlich zum Release behoben. Selten gibt es Fälle mit wirklich ärgerlichen Treiberfehlern, die auch nach dem Launch noch für einige Wochen anhalten. AMDs erster RDNA-Treiber für die Radeon RX 5700 XT ist solch einer gewesen. Doch selbst dies ist absolut kein Vergleich zum aktuellen Status von Intels Arc-Grafikkarten. Das ist ein Niveau, das der Redakteur so in 17 Jahren Berufserfahrung noch nicht erlebt hat. Nicht einmal im Ansatz.

Das Spielen mit Intels Arc A380 ist sogar mit dem neuesten Treiber wie das Leben mitten auf einem Minenfeld – volltrunken Topfschlagen spielend wohlgemerkt. Anders lassen sich die vergangenen Arbeitstage mit der Arc A380 nicht beschreiben. Da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Im aktuellen Zustand ist es völlig unverständlich, wie ein großes und seriöses Unternehmen wie Intel solch ein Produkt auch nur an einen einzelnen Kunden verkaufen kann. Die Arc A380 ist derzeit nicht im Betastadium. Viel mehr als ein „kommt frisch aus dem Labor“ ist es nicht. Das ist natürlich Blödsinn, für einen Kunden ohne Entwicklerhintergrund muss es aber so erscheinen.

Die folgenden Erfahrungen beziehen sich alle auf den am 6. Juli erschienenen Treiber 30.0.101.1743. Er wird von Intel zum Testen empfohlen.

Die 2D-Lüftersteuerung ist völlig kaputt

Es geht schon bei der Lüftersteuerung los, die abseits von Volllast eigentlich macht, was sie will. Immerhin: Beim Spielen schaut das Verhalten normal aus – so halbwegs zumindest. Mit zu hohen Temperaturen gibt es auf jeden Fall kein Problem, dafür aber mit dem Zero-Fan-Modus, den die Grafikkarte hat, der nach dem Starten des PCs aber schlicht nicht funktioniert. Stattdessen dreht der Lüfter auch bei Nulllast weiter, und zwar nach jedem Neustart mit einer anderen Drehzahl. Mal mit 700 Umdrehungen pro Minute, mal mit 1.500 Umdrehungen und mal mit einem Wert irgendwo dazwischen.

Das Problem lässt sich dann immer „lösen“, indem ein Spiel gestartet wird. Denn danach funktioniert der Zero-Fan-Modus plötzlich und der Lüfter steht, wie es sein soll, still. Unlösbar ist dagegen der Umstand, dass der Ventilator zu keiner Zeit eine konstante Drehzahl halten kann. Es ist (leider) gar nicht so selten, dass Lüfterdrehzahlen unter Last bei Grafikkarten immer mal etwas schwanken, meistens im Bereich von 100 Umdrehungen und weniger. Der Lüfter der Gunnir Arc A380 Photon 6G übertrumpft das locker und schwankt im Betrieb dann mal gleich um knapp 300 Umdrehungen pro Minute. Beim Spielen liegen abwechselnd zwischen 1.530 und 1.800 Umdrehungen an. Andauernd wird die Drehzahl gewechselt, was sich problemlos hören lässt.

Funktioniert im Idle der Zero-Fan-Modus mal wieder nicht, passiert übrigens dasselbe, nur nicht ganz so extrem. Ob es sich hierbei nun um ein Treiberproblem oder einen Bug in der Firmware handelt, ist unklar, spielt aber auch keine Rolle. Alleine das ganze Lüfterverhalten darf es so bei einer Grafikkarte im Verkauf nicht geben.

Die Intel Arc A380 leidet aktuell unter vielen Bugs
Die Intel Arc A380 leidet aktuell unter vielen Bugs

Intel Arc ohne rBAR ist schlicht unspielbar

Doch das war erst der Anfang. Ebenso kurios ist das Verhalten der Grafikkarte mit Resizable BAR – beziehungsweise vielmehr ohne. Die Kurzfassung: Arc ohne rBAR ist aktuell völlig unbrauchbar. Man muss es gar nicht erst versuchen. Für gewöhnlich bringt das Feature auf modernen AMD- und Nvidia-Grafikkarten je nach Spiel ein paar Prozent mehr Performance. Vor allem Radeons profitieren ordentlich, dort kann das Plus auch mal 20 Prozent betragen, im Schnitt sind es aber deutlich weniger.

Die Arc A380 profitiert dagegen um 27 Prozent von rBAR. Im Durchschnitt wohlgemerkt. In einzelnen Spielen können es auch schon mal 84 Prozent sein. Und nein, das ist kein Schreibfehler oder Witz. Ohne Resizable BAR hakt darüber hinaus fast jedes Spiel auf Intels neuer GPU, in manchen Titel „nur“ gelegentlich, in anderen dagegen eigentlich immer. Schlussendlich ist beides unspielbar und die deutlich reduzierten Durchschnitts-FPS sind das kleinste Problem.

Und damit ist die Arc A380 auf allen Ryzen-Systemen schlicht unbrauchbar. Denn Intels Grafiktreiber unterstützt Resizable BAR noch nicht auf AMDs Plattform, nur Intel-CPUs und -Mainboard können damit umgehen. Wer sich eine Arc A380 für einen Ryzen-Prozessor kauft, holt sich damit eigentlich ein nicht funktionierendes Produkt ins Haus. Wenn die neuen Grafikkarten außerhalb Chinas erscheinen, will Intel rBAR auch auf AMD-CPUs unterstützen. Doch sicherlich gibt es in China ebenso den ein oder anderen Ryzen-Spieler. Der kann den Beschleuniger aktuell eigentlich nur zurückgeben.

Arc und AMD-CPUs bleiben aktuell damit außen vor

Noch abstruser ist, dass es Spiele gibt, die mit angeschaltetem rBAR auf der Arc A380 einfach nicht starten wollen. Das von ComputerBase genutzte Shadow Warrior 3 ist solch ein Fall, das noch nicht mal ins Hauptmenü kommt und dann sang- und klanglos abstürzt. Ohne rBAR gibt es dagegen keine Probleme, abseits eben von den ordentlichen Hakern. Aber nicht nur das eine Game ist davon betroffen, denn die Redaktion weiß auch von anderen Titeln, die genauso reagieren.

Abstürze und Grafikfehler gab es im Test massenhaft

Apropos Abstürze: Davon hat es beim Testen der Arc A380 so einige gegeben. Genau genommen waren es zwar nur selten richtige Abstürze, aber Situationen, wo das System neu gestartet werden musste, wenn es weitergehen sollte. Alleine am ersten Tag des Tests war dies sicherlich 15 Mal der Fall. Ja, dies war ein Extremszenario. Denn dort wurde vieles ausprobiert, das im normalen Alltag nicht gemacht wird. Aber da es sich nicht um Übertaktung oder Ähnliches, sondern nur um andauernde Änderungen der Einstellungen gehandelt hat, darf dies dennoch nicht passieren. Auf GeForce- und Radeon-Systemen hätte dasselbe keinen einzigen Absturz produziert, geschweige denn 15.

Vor allem wenn rBAR abgeschaltet wird, stürzt das System gefühlt im Sekundentakt ab oder erzeugt diverse Grafikfehler, die beim Testen zwar irgendwie belustigend sind, als Besitzer solch einer Grafikkarte allerdings zwangsweise in einer Frustorgie enden. Da flimmert es an allen Ecken, bunte Balken wandern durchs Bild und es treten Stroboskop-Effekte auf, die auch bei direkter Sonneneinstrahlung das eigene Gesicht in eine Discokugel verwandeln. Ist das Spiel erfolgreich gestartet, ist man meistens auf der sicheren Seite. Die „kritische Phase“ ist jedoch das Beenden des Games und die Rückkehr auf den Windows-Desktop. Dann geht es oft los.

Die Fehler treten aber leider nicht nur bei dem ohnehin unnutzbaren Zustand mit abgeschaltetem rBAR auf, sondern auch mit. Immerhin deutlich weniger oft, von Zeit zu Zeit aber irgendwann dann doch. Dann sollte man jedoch nicht in Panik verfallen, auf Arc ist das aktuell schlicht normal.

Der neue Overlay-only-Treiber kann den gesamten Bildschirm blockieren

Auch in die Kategorie „irgendwie lustig“ gehört das neue Treibermenü, das Intel für Arc neu entwickelt hat. Die Orientierung ist hier zwar nicht ganz einfach, optisch sieht es aber schick aus. Doch aus irgendeinem Grund stellt Intel das Menü als Overlay dar. Also nicht im Spiel selbst – dort macht es zum Beispiel AMD genauso, was auch Sinn ergibt –, sondern auf dem ganzen Windows-Desktop. Das ist gewöhnungsbedürftig, schlussendlich allerdings kein Problem – wenn das Overlay denn richtig funktionieren würde. Tut es aber nicht.

Lässt man beim Spielen die Finger vom Overlay, gibt es keine Probleme. Das kann sich dann ändern, wenn es währenddessen aufgerufen wird. Sei es das Treibermenü selbst oder die wirklich gelungene separate Darstellung des aktuellen Grafikkarten-Status mit Temperaturen, Taktraten und mehr: Beides funktioniert in Games nicht immer, egal wie oft man dann auf den Shortcut hämmert.

Der Intel-Treiber versucht es zwar, so weit die gute Nachricht, doch endet dieser Versuch gelegentlich darin, dass das Overlay unsichtbar ist und damit schlicht die gesamte Steuerung blockiert, wenn es auf den Windows-Desktop zurückgeht. Kein Fenster kann mehr verschoben, kein Icon mehr angeklickt werden. Optisch schaut alles aus wie immer, doch nichts passiert mehr, da das Overlay vermutlich über dem gesamten Desktop liegt – nur ohne dass es sichtbar wäre. Auch der Task-Manager lässt sich so ohne Weiteres nicht mehr bedienen, nach etwas Herumgefuchtel darin ist es dann aber doch irgendwie möglich, den Prozess vom neuen Arc-Menü zu schließen, was den Desktop dann wieder bedienbar macht. Immerhin eine gute Nachricht gibt es: Intel arbeitet an einer zweiten Version von Arc Control, die das Treibermenü nicht mehr als Overlay, sondern wie gewohnt als normales Windows-Programm darstellt. Wann diese Version fertig wird, ist noch unklar. Allzu lange soll es aber nicht mehr dauern.

Und ein paar Kleinigkeiten gibt es auch noch

In die Kategorie „Kleinigkeit“ fällt dagegen, dass das Menü manchmal nicht mehr starten will. Das gibt es so auch bei anderen Herstellern, ist schlussendlich aber dennoch der 100. Tropfen auf den heißen Stein, der bei Arc bis hierhin aber schon längst eingefroren ist. Oder dass sich das Menü lautstark in einer Art Fullscreen-Overlay meldet, wenn keine Arc-Grafikkarte mehr eingebaut ist, der Treiber aber nicht vorher manuell deinstalliert wurde. Das ist ein Sonderfall, doch eben einer, den AMD und Nvidia besser hinbekommen.

Zu den großen Problemen gesellen sich dann auch noch kleinere. Die sind nicht weiter tragisch, geschweige denn problematisch, kommen aber eben obendrauf. So ist es ziemlich unglücklich, dass F1 22 zum Beispiel mit dem High-Preset sofort abstürzt – obwohl der neueste Treiber offiziell für das Rennspiel optimiert worden ist. Man muss zwar nur eine einzelne Option deaktivieren, damit das Spiel stabil läuft, doch was soll daran sonderlich optimiert sein, wenn ein zudem theoretisch gut nutzbares Grafik-Preset sofort das Spiel abstürzen lässt?

Ein anderer Fall ist Metro: Exodus PC Enhanced Edition. Wer dort die Raytracing-Details ändert, hat gerne mal die Task-Leiste im Bild. Apropos Details ändern: Das schmeckt der Arc A380 in einigen Spielen nicht so gut. Dort ist es ratsam, nach dem Ändern das Game neu zu starten, andernfalls fällt die Performance zu schlecht aus.

Und das war es dann nun endlich mal mit den Bugs und Problemen auf der Intel Arc A380, mehr ist beim Test nicht aufgefallen. Es ist davon auszugehen, dass es noch viele weitere Schwierigkeiten gibt, die unentdeckt geblieben sind. Auch ohne sie ist klar, dass Intels Treiberteam noch eine große Aufgabe vor sich hat, bis Arc in brauchbarer Form auf die Mehrheit der Spieler losgelassen werden sollte – und eigentlich erst darf.

Ein kleines Fragezeichen bleibt

ComputerBase hat mit Intel über die zahlreichen Probleme gesprochen. Während manche auch dem Chiphersteller bekannt gewesen sind, blieben andere ein wenig rätselhaft. Das merkwürdige Lüfterverhalten und die zahlreichen Abstürze konnte Intel so zum Beispiel nicht bestätigen, allerdings ist nicht davon auszugehen, dass die Grafikkarte einen Defekt aufweist. Stattdessen ist es wahrscheinlicher, dass irgendeine Hardware-, BIOS/Firmware- oder Software-Inkompatibilität sie hervorruft.

Die Redaktion wird versuchen, in den nächsten Wochen unter anderem mit einem zweiten Exemplar der Arc A380 etwas Klarheit in die Situation zu bringen. Aber auch wenn es sich tatsächlich nur um irgendeine Inkompatibilität handelt, steht fest, das es sie eben auf der Intel-GPU gegeben hat, mit den AMD- und Nvidia-Ablegern auf dem ansonsten identischen System aber nicht. Und damit ist es nicht unwahrscheinlich, dass eine andere Komponenten-Kombination weitere, nochmals unterschiedliche Probleme hervorrufen kann.

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