Intel Arc A380 im Test: Fazit

 7/7
Update Wolfgang Andermahr
465 Kommentare

Intel Arc 1.0: Enttäuschung mit Ansage

Seit 2021 schien absehbar, dass es Intels erste Gaming-Grafikkarten-Generation auf Basis von Xe („Alchemist“) schwer haben dürfte: Intels Ankündigung einer Ankündigung wurde wiederholt verschoben, mit handfesten Spezifikationen oder Leistungsdaten hielt sich der Konzern lange hinter dem Berg und die Markteinführung der Arc-Serie rückte immer weiter an die Next-Gen-Grafikkarten der großen Konkurrenten AMD und Nvidia heran.

Anfang 2022 kam es dann aber noch schlimmer als befürchtet: Offiziell gingen Ende März erst einmal nur die kleinen mobilen Varianten an den Start und ließen daraufhin weiter auf sich warten. Größere mobile GPUs und die Desktop-Ableger sollten kurz darauf sogar ganz offiziell erst in China auf den Markt kommen. Der Rest der Welt? Folgt voraussichtlich irgendwann im 2. Halbjahr.

Der Test zeigt: Ganz gleich, wie weh die Erkenntnis dem Hardware-Herz tut, hat Intels „Versteckspiel“ einen handfesten Grund und Spieler sollten, ja müssen derzeit noch einen großen Bogen um die Arc A380 machen. Das gilt auf Basis der Erfahrungen der Redaktion über die letzte Woche für alle Märkte, denn der Treiber ist immer derselbe.

Die Gunnir Arc A380 Photon 6G im Test
Die Gunnir Arc A380 Photon 6G im Test
Die Gunnir Arc A380 Photon 6G
Die Gunnir Arc A380 Photon 6G
Backplate der Gunnir Arc A380 Photon 6G
Backplate der Gunnir Arc A380 Photon 6G
Stromanschluss der Gunnir Arc A380 Photon 6G
Stromanschluss der Gunnir Arc A380 Photon 6G
Das PCB der Gunnir Arc A380 Photon 6G
Das PCB der Gunnir Arc A380 Photon 6G
Die Kühlerrückseite der Gunnir Arc A380 Photon 6G
Die Kühlerrückseite der Gunnir Arc A380 Photon 6G

Das ist schade, denn Alchemist ist kein durch und durch schlechter erster Wurf geworden, die Architektur hat auch ihre Stärken. An AMDs und Nvidias teils alte Modelle wie die GeForce GTX 1650 und die Radeon RX 6400 kommt die Arc A380 zwar nicht heran – weder bei der Performance noch bei der Energieeffizienz. Allerdings ist die Arc A380 keineswegs ein Totalausfall und die Video-Features mitsamt AV1 sind absolut erstklassig.

Der Treiber: Eine einzige Baustelle

Nur nutzt das absolut nichts, wenn man sich den derzeitigen Treiberstand von Alchemist anschaut. Dieser ist aktuell dermaßen schlecht, dass es schwer zu glauben ist, dass Intel die Qualität in den nächsten Monaten noch auf ein brauchbares Niveau heben können wird.

Beim Testen ist die Grafikkarte zigmal abgestürzt – nicht komplett, aber in Spielen und auf dem Windows-Desktop gab es gerne schwerwiegende Grafikfehler, die erst nach einem Neustart wieder verschwanden. Gelegentlich traten sie ohne Vorankündigung auf, meistens allerdings interessanterweise beim Beenden eines Games. Immerhin: Ist das Spiel erfolgreich gestartet, ist man meistens auf der sicheren Seite. Wenn es denn startet, denn einige wenige Titel verweigern es nach wie vor.

Die Gunnir Arc A380 Photon 6G im Test
Die Gunnir Arc A380 Photon 6G im Test

Das war aber noch nicht alles. So funktioniert das Treibermenü-Overlay (Intel, warum ein Overlay?) nicht richtig und blockiert gerne die gesamte Windows-Steuerung. Und während AMD- und Nvidia-GPUs von Resizable BAR profitieren können, aber auch ohne problemlos laufen, ist rBAR auf der Arc 380 ein Muss. Ohne fällt nicht nur die Performance spürbar schlechter aus, sondern das Frame-Pacing gerät völlig außer Kontrolle und viel mehr als ein unspielbares Haken bleibt selten übrig. Noch unschöner ist, dass Resizable BAR aktuell nur auf Intels eigener Plattform unterstützt wird. Wer ein System mit einem Ryzen-Prozessor von AMD besitzt, hat Pech gehabt: Darauf ist die Arc A380 derzeit schlicht nicht sinnvoll nutzbar.

Zudem hat die Arc A380 gern mit Rucklern in Spielen zu kämpfen, die zum Beispiel Fortnite trotz ausreichender FPS unspielbar machen. Es gibt noch einige andere Titel, die unter dem Problem leiden, The Witcher 3 läuft zum Beispiel auch nicht flüssig. Frame-Pacing ist allerdings generell noch eine ordentliche Baustelle im Alltag mit der Intel Arc A380, viele Games zeigen kleinere bis größere Probleme.

Gunnir Photon: Nervige Lüftersteuerung

Dass die Lüftersteuerung auf dem Custom-Design von Gunnir im Idle-Modus schlicht kaputt ist und nach jedem Neustart mit einer anderen Drehzahl agiert, ist da schon fast nur noch eine Randbemerkung – obwohl die Grafikkarte einen Fanstop-Modus besitzt, der aber erst nach dem Starten eines x-beliebigen Spiels funktioniert. Ebenso nervig ist, dass die Lüfter – ganz gleich ob im Leerlauf oder unter Last – andauernd ihren Drehzahlbereich ändern: Deutlich wahrnehmbar fällt und steigt die Drehzahl alle paar Sekunden um 300 U/min.

Es gibt auch Licht

Selbst abseits der Probleme bleibt zwar keine gute und auch keine komplett konkurrenzfähige Grafikkarte übrig, aber immerhin zeigt sich auch, dass da irgendwo versteckt hinter den aktuellen Herausforderungen ein gar nicht so schlechtes Stück Silizium schlummert. Radeon und GeForce sind im Einsteiger-Segment besser, sei es bei der Performance, der Energieeffizienz, der Stabilität oder der Zuverlässigkeit. Aber es lässt sich in vielen Titeln dann eben doch auch auf der A380 spielen, ohne dass Intel beim ersten Versuch um Meilen hinter der Konkurrenz liegt.

Das absolute Highlight ist wiederum das Encodieren von Videos im AV1-Codec, was bisher nur Arc beherrscht und im Test auch liefern kann. Und auch die Raytracing-Leistung macht beim ersten Kontakt einen brauchbaren Eindruck auf Arc (für die größeren Modelle wichtig), die Matrix-Einheiten könnten in Zukunft mit dem KI-Upsampling XeSS hilfreich sein.

Doch aktuell ist Arc eine große, unfertige Baustelle. Bis zur Markteinführung der 1. Generation Desktop-Grafikkarten in anderen Ländern muss Intel den Treiber noch massiv verbessern, andernfalls wird es selbst eine bessere 2. Generation schwer haben, auf Basis der Erfahrungen mit der 1. Generation Kunden zu gewinnen.

Wer abseits des Artikels auf ComputerBase mehr zu Intels Arc A380 mit weiteren Tests und Erfahrungen nachlesen möchte, dem sei ein Blick auf die Kollegen von igor'sLAB und Golem zu empfehlen. Die drei Redaktionen haben mit Hilfe aus der Community koordiniert drei Grafikkarten aus China importiert, um erste Eindrücke vor dem offiziellen Launch in Europa geben zu können – Muster wurden von Intel selbst nicht gestellt.

ComputerBase hat die Gunnir Arc A380 aus dem chinesischen Handel erworben und importiert. Eine Einflussnahme des Herstellers oder einer anderen Partei auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

Dieser Artikel war interessant, hilfreich oder beides? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung durch ComputerBase Pro und deaktivierte Werbeblocker. Mehr zum Thema Anzeigen auf ComputerBase.