Die Boomer sind weg und die Gen-X geht langsam in Rente. Vor 25 Jahren hat man bei uns im Datacenter die Server aufgebaut und genau überlegt, welchen Dienst man einrichten will, was ist verzichtbar, welche Single points of failure sind zu befürchten. Die technischen User wurden noch in die passwd eingetragen und die IP-Adressen in die hosts-Datei, die Platten waren zwar in separaten Boxen untergebracht, aber noch direkt per Glasfaser an die Server gesteckt, über Kreuz mit 2 Switches.
Dann folgte die Enshitification. Zentrales DNS, was prompt eine Woche nach Einführung eine Störung hatte und für einen langen, nächtlichen Noteinsatz sorgte. Die Platten wurden zum software defined storage und die damit verbundenen langen Latenzen bremsten die Datenbank aus. Lediglich an einen Ausfall vom LDAP kann ich mich nicht erinnern. Irgendwann versagte das Storagesystem, obwohl die Prod-systeme gespiegelt sind und wir verloren 2 Tage bis wir den Ausfall wieder aufgeholt hatten. Nach einem Desaster Recovery hinen unsere Platten an einem anderen Standort und die Performance der Datenbank sank auf 1/5 und verursachte stundenlange verzögerungen.
Dann kam die Seuche der Middleware. Bea-Weblogic. Ständige Updates im Framework, in Verantwortung des Middleware-Teams. Mindestens 3x ging dabei die LDAP-Authentifizierung in die Brüche. Heute haben wir Container, Openshift und Deploy-Pipelines, welche einen Fehler in der Nacht regelmäßig zu einem unlösbaren Problem machen, bis tagsüber der Entwickler erreichbar ist.
Bei der nachwachsenden Projektmanager-Generation scheint Agile auch in Vergessenheit zu geraten. Es werden jahrelange Wasserfallprojekte geplant, die niemand mehr überblicken und testen kann.
Genau so scheint es hier auch gelaufen zu sein, wenn eine kritische Infrastruktur im ganzen Land gleichzeitig ein Update erfährt.