KI und Cloud – kein Hype, sondern gezielte Effizienzhebel
Ich arbeite in einer psychiatrischen Klinik, wo wir sowohl klassische Infrastruktur als auch Cloud- und KI-gestützte Services einsetzen – und zwar bewusst, selektiv und mit messbarem Nutzen. Ein Beispiel:
Text-KI für Arztberichte: Automatisierte Strukturierung von Freitexten spart unseren Ärzten und Therapeuten mehrere Stunden pro Woche. Was früher mühsam zwischen Diktat, Sekretariat und Korrekturschleifen zirkulierte, wird heute durch Natural Language Processing (NLP) deutlich beschleunigt – mit menschlicher Endkontrolle, wohlgemerkt.
PowerAutomate + PowerShell: Wir automatisieren viele manuelle IT-Prozesse, z. B. bei der Benutzerverwaltung oder der Gerätebereitstellung via Intune – was früher 20 Minuten dauerte, ist heute ein Flow mit Approval in Teams.
Predictive Maintenance und Monitoring: Unsere Cloud-gestützten Systeme melden sich, wenn Storage knapp wird oder Hardware anomal reagiert. Wir können gezielter handeln, bevor kritische Ausfälle passieren – besonders relevant bei lebenswichtigen Systemen wie KIS, Notrufanlagen oder Medikamentenlogistik.
Diese Dinge sind nicht Selbstzweck, sondern direkte Entlastung für Fachkräfte, die ohnehin knapp sind.
Cloud ≠ Kontrollverlust, wenn sauber umgesetzt
Ja, der Cloud-Markt ist ein Oligopol – das ist bekannt. Aber ein sauber aufgesetztes hybrides Cloud-Modell mit klarer Governance kann den Vendor Lock-In massiv abmildern:
- Wir verwenden Bring Your Own Key (BYOK) und Double Key Encryption in M365 E5 – Microsoft kann ohne unseren zweiten Schlüssel nichts entschlüsseln.
- Unsere sensibelsten Daten (z. B. Patientendossiers) liegen lokal und nicht in der Cloud.
- Die Logs, Audits und Zugriffspfade sind transparent – oft sogar besser nachvollziehbar als in klassischer On-Prem-Umgebung, wo früher mal ein Praktikant ein Backup mit USB gemacht hat.
Schattenseiten ernst nehmen – aber nicht generalisieren
Natürlich gibt es massive Herausforderungen:
- Der KI-Einsatz ohne fachliche Einbettung ist gefährlich – ich sehe das oft bei Managemententscheidungen, die "KI" auf PowerPoint-Niveau verstanden haben.
- Die Latenz zwischen technologischem Fortschritt und rechtlicher/moralischer Reflexion ist real. Es braucht hier ethische Technikgestaltung, nicht nur „go fast and break things“.
- Und: Ja, der Patriot Act bleibt ein Problem – darum setzen wir zusätzlich auf europäische Anbieter, etwa in der Gesundheitsdatenanalyse (Swiss-based Clouds, DSGVO-zertifiziert).
Aber pauschal zu sagen, dass KI und Cloud nur Geldmacherei oder Kontrollverlust bedeuten, wird der Realität in kritischen Infrastrukturen nicht gerecht. Die Frage ist nicht ob, sondern wie man es implementiert
– transparent, verantwortungsvoll und nicht blind jedem Trend hinterherlaufend.