wern001 schrieb:
Das Problem ist die Suchtanfälligkeit der Leute, die halt unterschiedlich hoch ist.
Aus diesem Grund hängen leute stundenlang in irgendwelchen Games rum oder verzocken ihr Geld in Spielhallen.
Also das Suchtpotenzial von Short-Video-Formaten bzw -Apps mit Spielhallen gleichzusetzen ist schon ein Hammer.

In dem einen Fall gehts sicherlich um ein hohes Suchtpotenzial durch Dopamin-Einflüsse, allerdings oft in Verbindung mit Gier nach Geld bzw. Vermögen oder Verzweiflung/verzweifelter Hoffnung aus Geldnot.
In den anderen beispielhaft genannten Fällen geht es einfach um eine Freizeitbeschäftigung mittels eines modernen Mediums, das den Leuten tatsächlich sogar gefällt und wo es daher sogar zur Mehrnutzung bzw. zum Mehrkonsum kommt. Und dann sogar noch das Beispiel, dass manche Leute stundenlang in Games rumhängen. Wie schlimm.

Das ist genau diese Logik, die ich vorhin kritisiert habe und weshalb ich die Diskussion um Apps für Short-Video-Formate für ideologisch aufgeladen halte...
Ich halte auch so manche Freizeitbeschäftigungen für Bullshit und den Sinn und Zweck stellenweise für zweifelhaft (mal abgesehen davon, dass Sinn und Zweck nicht immer vonnöten sind...). Aber ich dichte nicht in alles direkt ein Suchtpotenzial hinein, um Anti-Maßnahmen zu rechtfertigen.
EDIT: Natürlich entgehen auch mir die offensichtlichen Auswirkungen auf zwischenmenschliche Interaktionen nicht... Allerdings sieht man so relativ einfach und schnell, wem man wirklich wichtig ist und auf wen man im Ernstfall zählen kann. Früher durfte man das dann im Ernstfall oft schmerzlich herausfinden. Jeder dürfte mal die Bekanntschaft mit Leuten gemacht haben, die sich mit dutzenden Freunden gerühmt haben, die dann aber doof aus der Wäsche geschaut haben, wenn man Hilfe gebraucht hat und dann von den dutzenden Freunden 95% abgewunken haben.
Wenn man wem wirklich wichtig ist, wird dann auch das Smartphone nicht übermäßig einsam genutzt, wenn man gemeinsam Zeit verbringt.
dev.random schrieb:
In einem einstündigen Video lassen sich aber komplexere Inhalte vermitteln.
Und wenn ich zum Zeitpunkt X, bspw. nach dem Feierabend oder in der Pause, einfach keine Lust auf ein einstündiges Video mit komplexen Inhalten habe?
dev.random schrieb:
In einem 10-sekündigen KI generiertem Ragebait Video mit exaggerierten Gesichtsausdrücken und horizontaler Teilung mit Subway Surfer Gameplay ist das schon schwierig.
Die Schwemme an KI-generierten Bullshit-Medien sind ein komplett anderes Problem... Da ist dann vorallem nicht das Short-Video-Autoplay-Format das Problem, sondern schlicht die Empfänglichkeit der Nutzer für sowas... Schlicht fehlende Medienkompetenz.
dev.random schrieb:
Den Loop könnte man z.B. unterbrechen in dem nach 25 Videos zurück zur Hauptseite geschickt wird und sich für einen neue Videosequenz entscheiden muss. Daneben gibt es noch andere Möglichkeiten, evtl. kurze 10-sekündige Downtimes bei der man einfach warten muss und kein Inhalt oder Webung dargestellt wird.
Damit geht man schlicht und ergreifend auch allen bewussten Nutzern auf den Sack/auf die Eier. Nicht umsonst versucht einen bspw. Facebook mit Werbeunterbrechungen zum Abschluss des Abos zu bringen...
dev.random schrieb:
Dazu niedrigschwellige Einstellungsmöglichkeiten bei Accounterstellung bei der man Errinnerungen bekommt die einem dazu raten die App abzustellen oder in denen man sich harte Zeitlimits setzen kann.
Zugegeben, das kann, gut umgesetzt, durchaus auch mal echt belustigend sein... Anno sag ich dazu nur. 😅 Richtig umgesetzt definitiv wirkungsvoller wie einfach nur so umgesetzt, dass man Nutzern maximal auf den Sack geht und diese dann Umwege suchen.
dev.random schrieb:
Es geht nicht um "Zeitverschwendung", sondern darum, dass dieses Medium absichtlich so designed wird, dass man nicht mehr davon los kommt.
Man kommt absolut bestens davon los. Die Nutzer, die WIRKLICH süchtig sind lassen sich schlicht nicht mit die Allgemeinheit betreffenden Mitteln aufhalten, ohne die Verhältnismäßigkeit über Bord zu werfen. Der Rest nutzt es halt als (Freizeit-)Beschäftigung der eigenen, persönlichen Wahl.
Und die Entscheidung darüber, wie ich freie Zeiten verbringe, sollte absolut die Entscheidung eines jeden selbst bleiben!
dev.random schrieb:
Was meinst du mit "vergleichbarem auf die Kette bekommt"? Digitale Souveränität ist wichtig, aber da sollte es um andere Dinge gehn, als um Kurzvideoplattformen die Menschen süchtig machen.
Glaubst du, dass es diese Diskussion so wirklich geben würde, wenn europäische Länder in dem Bereich eine nennenswerte wirtschaftliche Rolle spielen würden?