Irgendwoher müssen die Kommunen auch das Geld haben, mit dem dann dringend benötigte Gebäudesanierungen finanziert werden (z.B. bei Schulen oder JA auch im Strassenbau hilft Geld weiter).
Wenn man den Städten hier also Abzocke vorwirft, dann sollte man nicht vergessen, WIE knapp vielerorts die Budgets sind. Und ein paar Millionen wegen Blitzern sind da auch nicht wirklich "viel Geld".
Klar ist es für die Autofahrer doof, wenn sie unberechtigt Bußgeldbescheide bekommen, obwohl sie nicht zu schnell waren - 20% Toleranz ist einfach mal krank und obendrein völlig unverständich. 20% ... das bedeutet, dass man bei Limit 60 auch mal bei nur 50km/h geblitzt wird ... oder bei 70 nicht (ich denke mal dass letzterer Fall SEHR selten sein wird). Bitte technisch nachbessern ... oder einen anderen Zulieferer suchen, der aktuelle scheint ja nichts zu taugen, wenn seine Geräte SO "zuverlässig" arbeiten.
Ich lade allerdings ein, mal die Perspektive derer einzunehmen, die mit diesem Geld dann arbeiten müssen.
Blitzer kosten Geld (4-8k allein wegen Eichung meine ich im Artikel gelesen zu haben).
In Bielefeld haben wir ein paar stationäre Blitzer, bei denen die lokale Bevölkerung natürlich sogar im Schlaf langsamer fahren würde ... ohne ortsfremde würde über diese Anlagen nie Geld hereinkommen und sie wären ein klares Verlustgeschäft für den Betreiber (in dem Fall die Stadt ... die eh hoch verschuldet ist).
Wenn man dieses Vorgehen skandalisieren möchte (wie es der Artikel tut), dann sollte man auch mal fragen, warum die städte zu diesem Finanzierungsmittel greifen. Klar, wollen sie erstmal Geld ... aber warum sind die Blitzer überhaupt eine wichtige Einnahmequelle geworden? Irgendwann war es einfach ein bedeutender Posten, die Stadtkämmerer haben die Haushalte darauf angepasst, und nun haben sie z.T. eben ein Finanzierungsmodell, das ohne Blitzer nicht mehr auskommt. Gleichzeitig haben Bund und Länder Aufgaben an die Kommunen übergeben, die ursprünglich zu einem größeren Teil aus Länder- oder Bundestöpfen bestritten wurden.
Die Kommunen sitzen in der Zwickmühle, wenn man z.B. Schulen nicht Renovieren kann (obwohl es dringend nötig wäre), weil zu wenig Leute geblitzt wurden.
Die Messtoleranz ist allerdings ein anderes Ding ... hier kann man sich nun entscheiden. Ist die durch die Gier der Kommunen zu erklären, oder ist es doch eher technische Unfähigkeit seitens der Hersteller ... natürlich ist son Ding billiger zu produzieren, wenn es das alles nicht ganz so genau nimmt.
Wenn das nach hinten losgeht, dann höchstens für die Kommunen ... denn von den Herstellern spricht in dem Artikel niemand ... es geht nur darum, ob und wie man sich gegen Bußgeldbescheide wehren kann, und das man das in den meisten Fällen so auch tun sollte.
Eine Rechtsanwältin, die behauptet, dass bis zu 50% der Bescheide angezweifelt werden können, die macht damit auch Werbung ... denn zu wem geht man wohl, wenn man einen Bescheid anzweifeln möchte?
Aber auch wenns tatsächlich nur 30% sind, ist das trozdem ein Unding.
Zu Blitzer-Apps und ähnlichem:
Mich regen diese Services schon auf, seit sie im Radio aufgetaucht sind (Blitzer-Radio). Was soll denn ein Bitzer bringen, bei dem JEDER genau weiß, wo auf der limitierten Strecke geblitzt wird ... auf diese Weise wird der Sinn dieser Anlagen komplett ad absurdum geführt. Denn die werden nicht deswegen aufgestellt, damit die Leute sich an genau dieser Stelle (mit Blitzer) ausnahmsweise mal ans Limit halten.
Die Grundidee war ursprünglich mal, dass die Blitzer dafür sorgen, dass der Autofahrer eben NICHT genau informiert ist, wo er zu schnell fahren kann (weil er sicherlich nicht erwischt wird) und wo nicht.
Das ganze Blitzerprogramm ist vom Verkehrssicherheitsstandpunkt kommplett sinnlos, WEIL es Blitzer-Apps, Blitzer-Radio und Blitzer-Hotlines gibt. Denn die sorgen dafür, das nur bei bekannten Blitzern nicht zu schnell gefahren wird ... dafür aber auf der restlichen Strecke umso mehr ... schließlich hat man durch die Blitzerzone ja Zeit verloren.
Ich finds OK und wichtig, dass solche Sachen illegal sind ... es müsste wohl nur etwas nachgebessert werden, damit man das nicht so supereasy aushebeln kann (auch für den Beifahrer sollten die Dinger illegal sein).