Man sollte nicht so viel auf WoW herum hacken. Das Spiel hat acht Jahre auf dem Buckel. Seinerzeit war es genau das Produkt, auf das der Markt gewartet hat. In der Folge konnte Blizzard das Spiel nur noch an den Anforderungen des Massenmarktes anpassen. Viel schlimmer finde ich, dass in den letzten Jahren so viele Entwickler in Blizzard's Fahrwasser fahren wollte und WoW's Erfolgsrezept so häufig kopiert haben, ohne es zu erreichen. Eigentlich traurig, dass wir anno 2012 ein Spiel wie Guild Wars 2 brauchen, um dem Genre neue Impulse zu geben.
Und Guild Wars 2 ist m.E. nicht einmal so konsequent, wie es hätte sein können. Zumindest in den ersten Regionen bis etwa Level 25 wiederholen sich die Events zu schnell, und sich die Eventketten zu kurz. Und nebenbei ist die Spiewelt noch immer bis zum Rand mit Trash-Mobs angefüllt, die eigentlich nichts bringen, weil man (glücklicherweise) nur in den Events wirklich Fortschritte macht. Weiterhin verspricht ArenaNet, dass der Fokus des Spieles wieder auf dem Spielgeschehen ruhen soll, und nicht auf irgendwelchen Energiebalken im Interface. Dann aber muss ich doch wieder auf kleine Ziffern am unteren Bildschirmrand glotzen, um zu wissen, wann ich in der Reichweite für den gewünschten Skill bin. Schade, dass man es versäumt hat, ein Interface zu entwickeln, bei dem man wirklich die Augen dort lassen kann, wo sie hin gehören.
Dann könnte man auch überlegen, ob es nicht sinnvoll gewesen wäre, alle defensiven Aktionen über die Ausdauer hätte abwickeln können, oder ob man nicht auch gleich ganz auf feste Klassen (bei der Charaktererstellung) hätte verzichten können. Und die Stände sind zwar eine Wucht, aber bisher fehlen die Interaktions-Möglichkeiten in der Stadt (war da nicht mal was von Minigames an Kirmesständen usw.).
Versteht mich nicht falsch. Guild Wars 2 ist genial. Und neuartig. So neuartig, dass man sich schon wieder fragen kann, was noch fehlt, und wo die Entwicklung hin gehen könnte. Das ist ein bisschen so, als würde ein Spiel eine visuelle Qualität erreichen, bei der plötzlich Kleinigkeiten ins Auge stechen, die man in den vorherigen Generationen nicht wirklich wahr genommen hat, weil sie von anderen, viel größeren visuellen Mängel in den Hintergrund gerückt wurden. So ähnlich geht es mir bei Guild Wars 2, und auch wenn ich total begeistert von dem Spiel bin, freue und hoffe ich schon auf Spiele, die auf Guild Wars 2 folgen und die Fesseln der Spielmechanik endgültig sprengen werden.