Kenne einen, der ist seit 23 Jahren Ingenieur. Und die Sache ist doch die: Über fehlende Ings jammern ist die eine Sache, sich die realen Lebensbedingungen in summa anschauen, die das Arbeiten als Ing. zur Folge hat, eine andere:
- mangelnde Anerkung/Wertschätzung durch andere Fachwissenschaften im eigenen Betrieb (Wiwi, Jura),
- vergleichsweise deutlich zu geringes Einkommen,
- oft mangelnde Aufstiegschancen (es sei denn, man arbeitete unter Ings. wie F. Piech, der ist die löbliche Ausnahme: so Leute bräuchten wir mehr)
Klar suchen alle Ingenieure, die ihnen die neuen Produkte machen, mit denen sie (die anderen) dann groß rauskommen können, sich ihre Boni verdienen: Wie üblich 27 Jahre alt der gesuchte Ing., 6-10 Jahre Berufserfahrung, Prädikatsexamen, mehrprachig, eigenverantwortlich handelnd und entscheidend, teamfähig und teamleitend durch nblq (natural born leadership-qualitys) multikuturell aufgewachsen und int. erfahren, verheiratet, 2 Kinder, bodenständig solide & bescheiden, kreativ aber nicht zu sehr (also rein auf Technisches beschränkt), gleichzeitig aber auch wieder so schwach, sich von seiner rein deutschen GF (ohne entsprechenden Backround, logo) "die Butter vom Brot nehmen zu lassen" - und das Ganze am liebsten für dauerhaft bis zur Rente nicht mehr als 2700 Euro brutto. "Und seine Patente und Erfindungen schenkt er alle aus Solidarität und Begeisterung für die Sache seiner Firma, verzichtet wo immer es geht auf Eigenes". Wie man eine eigene GmbH gründet: Das weiss kein wirklich guter Ing., das ist für Ings. ja auch zu hoch. (und soll so bleiben).
Ich meine: Jetzt über fehlende Ingenieure jammern - aber die letzten 15 Jahre als Arbeitgeber-Funktionär (z.B. Handwerkspräsidenten etc.) immer nur die Platte "von den zu hohen Lohnnebenkosten am Standort Deutschland" gespielt haben (auch, weil das ja so einfach war, ja): Also, wer will denn in so einer Wirtschaftslandschaft wirklich Ingenieur sein?
Klar suche alle Ings. für ihre Betriebe: Aber doch nur als die Kamele, auf denen die anderen zu ihren Vorteilen und Erfolgen reiten.
Hier, quasi das Gegenbeispiel:
http://www.faz.net/s/RubBEFA4EA6A59...FEBA5F002514074793~ATpl~Ecommon~Scontent.html
"Für Ernst Welteke hat sich der Gang vor Gericht gelohnt: Die Bundesbank muß die Ruhestandsbezüge ihres früheren Präsidenten auf fast 13.000 Euro im Monat erhöhen. Das Frankfurter Verwaltungsgericht gab einer Klage Weltekes, der die bisher gewährte Pension von rund 8400 Euro fast verdoppelt wissen wollte, teilweise statt. Die Kammer bestätigte hingegen die Auffassung des Hessischen Landtags, daß man dem langjährigen SPD-Abgeordneten, Fraktionschef und Minister keine zusätzliche „Altersentschädigung“ zahlen müsse.
Welteke war Ende April 2004 im Zuge der sogenannten Adlon-Affäre als Bundesbankpräsident zurückgetreten. Er hatte sich zum Jahreswechsel 2001/2002, als die Einführung des Euro in der Hauptstadt gefeiert wurde, die Übernachtung im Berliner Luxushotel von der Dresdner Bank zahlen lassen. Die Staatsanwaltschaft stellte später ein Verfahren wegen des Verdachts der Vorteilsnahme gegen eine Geldauflage von 25.000 Euro ein. ...
Die Personalabteilung der Bundesbank hatte Welteke nur 35,34 Prozent des letzten Einkommens von rund 24.000 Euro monatlich als Pension zugebilligt. Der Streit entzündete sich daran, ob ein Teil seiner 21 Jahre im Landtag als „ruhegehaltsfähige Dienstzeit“, wie es im Beamtengesetz heißt, einzubeziehen sei. ...
Aufstieg und Fall. Der gebürtige Korbacher Ernst Welteke holte nach einer Lehre zum Landmaschinenmechaniker das Abitur nach und studierte Volkswirtschaft. Von 1972 bis 1974 war er Referent des damaligen Ministerpräsidenten Albert Osswald. In den Landtag zog Welteke 1974 ein, von 1984 - mit einer Unterbrechung - bis 1991 war er Chef der SPD-Fraktion. Hans Eichel holte ihn 1991 als Wirtschaftsminister ins Kabinett, 1994 übernahm er das Finanzressort. Im April 1995 wurde Welteke Präsident der Landeszentralbank. Gefördert vom neuen Bundesfinanzminister Eichel, wurde er 1999 zum Bundesbankpräsidenten berufen."
So ist das doch in Deutschland: Den Typus "kleinbürgerlicher Landmaschinenmechaniker mit VWL-Upgrade und Parteibuch" gibt es landauf-landab überall mit an der Spitze.
Wer will denn dann 4 Stufen darunter in der Hierarchie Ingenieur sein - und bei klarem Verstande?
(und wie bekannt haben wir nichts dagegen, das Leute 10.000 Euro im Monat verdienen, oder als Software-Unternehmer innerhalb von 25 Jahren globalisiert 50 Milliarden Dollar Privatvermögen erwirtschaften)
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