user_zero schrieb:
Du sprichst einen Punkt an, den ich übersprungen habe: Die Ausbildung der Informatiker für Systemintegration. Und die ist in Deutschland so veraltet und so schlecht, ich mag gar nicht drüber nachdenken.
Das ist an der Stelle komplizierter, weil die eigentliche Qualität der Ausbildung hängt weitgehend in dem Fall vom Ausbildungsbetrieb ab und wie gut da die Leute sind und da gab und gibt es immer gute und schlechte Betriebe.
Über die Qualität der Berufsschule - da hülle wir besser mal einen Mantel des Schweigens. Klar gibt es auch da auch sehr gute Lehrer, im großen und ganzen, ist es allerdings wirklich zum Teil stark veraltet und in manchen Fällen auch zu stark auf gewisse Anbieter zugeschnitten - ist ja auch die Handelskammer. Ich lege mich regelmäßig mit den IT-Lehrern der Berufsschule und geige den auch entsprechend meine Meinung, vor allem wenn sie mal wieder vollkommenen Schwachsinn unterrichten, der auch bereits vor 20 Jahren quasi schon nicht stimmte. Das Problem ist hier halt, wie viele bei der IHK in solche Posten rutschen.
user_zero schrieb:
Was spricht also in Deinen Augen gegen eine übergeordnete Instanz, die die Leitlinien auf Stand der Technik zusammenfasst und sogar aktiv vermittelt?
An dieser Stelle unterstellst du mir eine Aussage, die ich nicht getroffen habe, zudem solltest du dich bitte entscheiden, ob du nun ein White-Paper haben möchtest oder Leitlinien:
user_zero schrieb:
Warum erstellt das BSI nicht schon seit Jahren Whitepaper für die Admins kleiner und mittlerer Unternehmen, um mit Open Source ein sicheres Netzwerk hochzuziehen, was punktuell von außen erreichbar ist?
Das BSI veröffentlicht regelmäßig Leitlinien, in denen entsprechende Vorgaben zur Netzkwerksicherheit, Datensicherheit und Co gemacht werden und schreibt sogar verschiedene Schutztstufen vor - ich bekomme das Zeug regelmäßig und muss diese auch umsetzen - teilweise auch zum Leidwesen einiger Kollegen, die meinen, dass ein Gerät ja noch läuft und warum wir da was neues kaufen müssen.
Das
Ding hier bekomme ich quasi per Hauspost, dazu auch Hinweise vom Datenschutz und so weiter. Wie ich diese Vorgaben erfülle, wird allerdings eben mir überlassen, dass muss allerdings auch dokumentiert werden. Und je nach Schutzklasse muss ich das ganze sogar mit Tests und Co sogar nachweisen.
Das Problem hier ist nur wieder mal ein anderes - und auch das habe ich bereits versucht zu beschreiben und ich merke das immer wieder selbst auf der Arbeit, ich bekomme es aber auch bei quasi jedem mittelständischen Unternehmen und Co mit, die keinen IT-Hintergrund haben: Sicherheit kostet Geld und an der Stelle meine ich nicht mal Lizenzen, sondern nennen wir das Hauptproblem für viele Chefs - und die sind es auch die in der IHK sitzen oder über die Vereinigung des Mittelstandes und Co direkt auf die Politik einwirken: Unproduktives Personal. Ich hab all diese Diskussionen auf politischer Ebene sowie auch in Firmen miterlebt. IT kostet Geld, bringt jedoch kein Geld ein - halt die klassische Milchmädchenrechnung der meisten Chefs.
Die IHK-Ausbildung orientiert sich daran, was die Wirtschaft hier haben will: "Allround-IT-Hivis". Der IT-Systemintegrator soll Netzwerk-; Server-; System- und Useradministrator sein und ich mach diesen Vierling gerade bewusst so auf um das Problem zu veranschaulichen: Klar kann man alles auch in einer Person machen, hat nur den Nachteil, dass man hier an keiner Ecke wirklich "perfekt" werden kann. Dazu noch der Unterschied zwischen Planung und Betrieb. Man kann ein guter "Administrator" sein, jedoch bei der Planung es dennoch verkacken, weil man nicht strategisch genug denkt.
Die IT in vielen mittelständischen Unternehmen als auch in Behörden und Ämtern ist zudem zum Teil organisch gewachsen und Veränderungen kosteten Geld, dazu kann es auchb bedeuten, dass ggf. die Arbeit mal unterbrochen werden muss zur Änderung - Parallelstrukturen sind wieder Geld und so weiter.
Würde ich heute für uns das Netzwerk neu planen, dann würde ich auf ein Zero-Trust-Netzwerk umsteigen, ebenso auf ein Linux-System. Die Kolleginnen würden ein Hardwaretoken für die Anmeldung bekommen, haben sie den vergessen: Sperre, neuen austellen. Bei Anwendungen würde ich entsprechend des Anwendugnfall entscheiden, wie diese entwickelt wird. Für manche Sachen eignen sich "Browser-Anwendungen", für andere sind "klassische" Programme besser. Pauschal alles Browser-Anwendungen, am besten noch SPAs, da drehen sich mir die Zehennägel hoch, da die auch ihre Probleme haben können. Ich hab im Studium gelernt, dass man zwar alles mit allem machen kann - die schraube kann auch mit dem Hammer eingeschlagen werden oder mit dem Messer hinein gedreht, der Schraubenzieher ist aber halt besser.
Genauso würde ich heute alles auf Open-Source umstellen und das als Bedienung für Firmen machen, die wir beauftragen. Gibt nichts schlimmeres als von einer firma abhängig zu sein, die eher maue Qualität abliefert - erlebe ich aktuell, nur können wir nicht weg ... .
Und so gut das system nach diesen Umstellungen auch wäre: Mit welcher Zeit soll ich das umsetzen, wenn das Alltagsgeschäft voll reinschlägt. Da müssen dann teils schnelle Lösungen her und die sind dann das Pflaster, dass man aufklebt.