comfreak schrieb:
Auf meiner Arbeit (Uni) läuft NextCloud mit mehreren Tausend Anwendern sehr stabil. Aber da kümmern sich auch sicher sehr gute Admins drum. Aber mag sein, alle Systeme können Probleme machen.
NextCloud selbst ja, aber nicht die integrierten Office-Varianten, vor allem nicht bei kollaborativer Arbeit - und das ist nunmal
der Benchmark für moderne Lösungen im Produktiveinsatz. Dokumente zentral speichern und Daten sync'en ist 20. Jahrhundert.
Bei Nextcloud Office und OnlyOffice in der Onlinevariante zum kollaborativen Arbeiten hängt direkt die ganze Anwendung, wenn es mal ein längeres Dokument ist. Bei MS passiert das höchstens bei mehreren Hundert Seiten und bei Google Docs ist selbst ein 1000 Seiten Dokument in wenigen Sekunden offen und nichts hakt bei der Bearbeitung.
Am wichtigsten ist aber, wie gesagt, dass das kollaborative Arbeiten nahtlos funktioniert. Und da habe ich schon mehrfach bei OSS die Situation gehabt: Partner bearbeitet etwas "Dokument hat sich geändert, Sync verloren, bitte Seite neu laden". Teilweise sind sogar mal Änderungen verloren gegangen. Schon mehrfach stimmten Zeitstempel nicht...und ganz generell ist das Interface bzgl. Kommentare, Änderungen, ... einfach grauenhaft, das sieht in Office365 und vor allem bei Google Docs deutlich besser / nutzerfreundlicher aus.
Bei den proprietären Lösungen hatte ich keine der beschriebenen Probleme - jemals. Das zeugt schon von Stabilität auf einem ganz anderen Niveau.
comfreak schrieb:
Das ist ein wichtiger Punkt: Kauft man ein System ein, delegiert man die Verantwortung an diesen Lieferanten und schließt einen Service-Level Agreement ab, um sich den Support zu sichern.
Absolut - das ist sogar etwas, was ich selbst auch immer als Einstellung vertrete: Haftung, Support, ... will man gar nicht selbst an der Backe haben, sondern am besten immer outsourcen.
Bei der Regierung hingegen ist es imho umgekehrt. Solange ich im Zweifelsfall sogar noch wen verklagen kann, ist es mir sowas von egal ob der Programmcode einer meiner Applikationen irgendwo geleaked wurde...das sind maximal Geschäftsgeheimnisse. Wenn aber Gesundsheits- oder Finanzdaten von Bürgern oder noch viel schlimmer Verteidigungsdaten nicht sicher sind, dann ist das unverzeihbar.
Also SLA usw. usf. sehe ich absolut in den allermeisten use cases für Unternehmen, beim Staat selbst hingegen sehe ich das ehrlich gesagt nicht. Da sollte es Aufgrund der Natur der Sensibilität einfach eigenes Personal geben - oder halt lokale Unternehmen, mit entsprechenden Verpflichtungen.
comfreak schrieb:
Und mit NextCloud, Manjaro und SUSE kann Deutschland dabei gleich mehrfach profitieren (im wahrsten Sinne des Wortes). Und mit OpenDesk, EU-Office, LaSuite und Co kommen da echt einige ganz gute Projekte.
Das vage ich ehrlich gesagt zu bezweifeln. So wie ich Deutschland kenne, wird alles in Bürokratie ertrinken und darüberhinaus wird man auch (ist ja nur OpenSource, da gibt es ja keinen Lizenzzwang) weniger Finanzmittel dafür bereitstellen, als man vorher in Lizenzen versenkt hat.
Und dann kommt natürlich noch dazu: bis auf einige Ausnahmen, funktionieren OSS Lösungen einfach i.d.R. schlechter. Niemand verwendet Google Drive und Konsorten, weil jeder Google Fanboy ist, insbesondere wenn es kostenlose Alternativen gibt. Die großen Lösungen haben sich etabliert, weil sie gut funktionieren. Das muss - vor allem als Gesamtlösung - OSS erstmal hinbekommen...und ohne zentralen Stakeholder wird das eine immense Aufgabe.
Abgesehen davon mal so als Seitennotiz: wie verzweifelt die Lage ist, sieht man schon daran, dass selbst
wenn man es dann jetzt mal schafft eine gute Lösung beispielsweise um Nextcloud herum zu bauen...dann feiert sich Deutschland dafür im Jahr 2030 dies flächendeckend einzusetzen...was der Rest der Welt und insbesondere die USA schon vor 20 Jahren hatte. Wir sind so unglaublich weit hinten dran...