News Leistungsschutzrecht spaltet Gemüter

Andy

Tagträumer
Teammitglied
Registriert
Mai 2003
Beiträge
7.810
Die Bundesregierung hat das Leistungsschutzrecht für Presseverlage im dritten Anlauf durchgewunken und die Reaktionen fallen erwartungsgemäß aus. Während die Schar der Gegner lautstark protestiert, demonstrieren die Regierungsparteien ihre Zustimmung. Wirklich zufrieden wirken aber nur die Presseverleger.

Zur News: Leistungsschutzrecht spaltet Gemüter
 
Wenn es im Bundestag scheitert, wäre das ja vorerst wieder erledigt.

Ansonsten würde ich Google wirklich empfehlen, einfach alle deutschen Verlage aus jeglichen Suchmaschinen und News-Anzeigen auszuschließen. Dann hätten die ihren Willen und würden heulen...
 
Genau so ist das... Falls das Gesetz überhaupt durch die Instanzen kommt, wird es nicht lange Bestand haben. Haben die Verleger wirklich schon vergessen, was in Belgien passiert ist? Dort kamen die Kollegen nach ein paar Tagen ohne Google-Index auf Knieen angekrochen. Und hier machen sie gleich ein Gesetz draus, was nicht mal eben von heute auf morgen zurückgenommen werden kann.

Anstatt mal fortschrittlichere Methoden wie Paywalls anzugehen, wird das System von vorgestern zementiert, herzlichen Glückwunsch :>
 
Bleibt aber immer noch der Otto Normal User, der nichts ahnend einen Link auf Facebook oder seinem Blog postet und danach das große Problem hat.
 
Mit der Entscheidung der Bundesregierung hat das Leistungsschutzrecht jedoch nur die erste Hürde genommen.

Ja, das ist der erste Schritt zur Zensur des Internet . Es sind doch im Prinzip nur diese Verlage (1) die dem konservativen Spektrum zugeordnet sind und wenn diese die gesetzliche Veröffentlichungshoheit einer Meinung im Netz bekommen dann ist der Anfang zur Zensur gemacht.

(1) http://leistungsschutzrecht-stoppen.d-64.org/ siehe LEISTUNGSSCHUTZ-BLACKLIST
 
Dann sollen sie halt alles mit Passwörtern versehen dass man es sich nicht frei angucken kann, wo ist das Problem?

Man muss sich das nur mal in RL vorstellen: Ich les grad was inner Zeitung sag nem Kolegen "guckmal hier, les dir das mal durch!" und schon mach ich mich strafbar oder wie lol

Entweder man stellt Sachen öffentlich ins Internet dann kann sie jeder sehen oder man lässt es eben bleiben

Bleibt aber immer noch der Otto Normal User, der nichts ahnend einen Link auf Facebook oder seinem Blog postet und danach das große Problem hat.
Ich denke darauf wird abgezielt und sich so den ein oder anderen Euro noch dazu zu verdienen
 
Jetzt würde mich mal eine konkrete Vorgehensweise bei einer Link-Setzung interessieren.
Ich würde jetzt mal bevorzugen mal nur noch Seiteninterne Links hier als Post zu setzen.Dann sollte eigentlich nix mehr schief gehen.
 
Wie immer Augen zu und durch mit den Gesetzen ohne sich dessen bewusst zu sein was daraus wird!

Außerdem umfasst das Leistungsschutzrecht nicht nur vollständige Texte, sondern auch kleinste Ausschnitte, sogenannte Snippets, wie sie zum Beispiel von Suchmaschinen angezeigt werden.

Dann darf ich ja auf nix mehr nur hinweisen, es ist doch schließlich auch Werbung für die Seiten wenn ich einen Kurzen Absatz dort mit einfüge.

Völlig unverständlich wie man so etwas verabschieden kann???
 
Zuletzt bearbeitet:
Lasst sie ruhig, die Einsicht kommt noch. Es gitbt Leute, die lernen nur wenn es schon zu spät ist.
 
Die Rechtsunsicherheit ist tatsächlich ein Problem:
Die "Hürde", um in D als Verleger zu gelten, ist sehr niedrig. Google könnte sich also mit einem massiven Rechtsproblem konfrontiert sehen, wenn ständig Leute versuchen, ihre Inhalte mit Google abzurechnen. Die einzige effektive Methode für Google, dies zu verhindern, ist tatsächlich ein Delistening von so ziemlich allem, was im deutschsprachigen Internet publiziert wird und das anschließende Abschließen von Verträgen zwischen Google und den Publizisten. Sprich: Es wird erstmal alles rausgefiltert, was nicht explizit (durch Vertragsabschließung) aufgelistet wird.

Das dürfte allerdings für eine enorme Einschränkung der Meinungsvielfalt sorgen: Nicht jeder Kleinst-Blog wird einen Vertrag mit Google abschließen können, zumindest genießt das für Google keine Prioriät. Auch in Zukunft ist damit die Hürde, einen Blog zu starten, erheblich gestiegen.

Wozu führt das ganze? Im deutschsprachigen Internet sind nur noch die großen Verlage tatsächlich auffindbar. Wohlmöglich sogar, weil sie mit Google Verträge geschlossen haben, welche Google ein Verzicht auf Vergütung einräumen. Vielleicht war das von Anfang an der Plan: Die Medienlandschaft im Internet zu filtern und nur noch die Verlage auffindbar zu machen.
 
Ich finde die ganze Begründung hinter dem Leistungsschutzrecht höchst fragwürdig.

Nur weil Google mit seiner Dienstleistung unter anderem auf die Inhalte von Verlagen aufbaut (die diese frei zugänglich ins Netz gestellt haben) soll Google Geld an diese Verleger abdrücken?

Es ist doch überall der Fall, dass man auf der Arbeit anderer Leute und Unternehmen aufbaut. Die Tankstellen verkaufen Sprit, weil die Automobilindustrie Autos baut, Computerbase hätte nichts zu berichten, wenn es nicht Unternehmen gäbe, die immer neue Hard- und Software herstellen und nicht zuletzt die Redaktionen der Zeitungsverlage, die bei ihrer Arbeit auf alle möglichen Informationsquellen, unter anderem auch auf die Dienstleistungen von Google, zurückgreifen...

Würde man das Leistungsschutzrecht nicht nur als Extrawurst für die Verlage, sondern allgemein einführen, müssten letztlich jeder an jeden Geld bezahlten. Es wäre das reine Chaos. :freak:
 
Bogeyman schrieb:
Dann sollen sie halt alles mit Passwörtern versehen dass man es sich nicht frei angucken kann, wo ist das Problem?

Das wollen sie ja nicht! Es stinkt ihnen lediglich, dass Google legal mit ihrem Content Geld verdient, und sie nichts davon abbekommen. So wie es auch einen Hersteller stört, dass die Händler mit seinen Produkten Geld verdienen … oh, wait …

:freak:
 
Ja, ich finds großartig, so ein Unsinn -.-

Wie außer über Aggregatoren kommt man denn sonst an alle wichtigen Nachrichten? Klar, man kann jede Nachrichtenseite speichern und immer wieder draufgehen und sehen ob es etwas neues gibt, aber wieviel Zeit soll das denn in Anspruch nehmen? Und was hat der Kunde davon?

Bisweilen ist es doch verboten Content einfach zu klauen, bzw. zu kopieren. Artikel, die in großen Teilen kopiert sind und nicht ausreichend mit Quelle (in dem Fall der zitierte Artikel) belegt sind, sind doch heut schon abmahnwürdig, was ja auch in Ordnung ist. Wäre ja auch im privaten Bereich in Ordnung. Wenn jemand einen Text aus einem Zeitungsangebot vollständig kopiert und einen Link dazu setzt macht ja genau so viel Mist wie einer, der nur Teile des Textes kopiert und keinen Link setzt. Im Ersten Fall deswegen, weil niemand auf den Link klicken wird, wenn er den gesamten Text schon hat, und im zweiten Fall ist es schlicht ein Plagiat.

Die Bisherige Regelung macht doch Sinn. Auf vielen Onlineauftritten von Tageszeitungen und sowas wäre ich nie gegangen, hätte ich nicht bei Google gefunden, dass sich dort etwas befindet zu dem Thema das mich interessiert und ggf. ein paar wenige Zeilen, aus denen ich erkennen kann, ob der Artikel zu dem Thema auch in die Richtung geht, die ich zu lesen gedenke. Und Zack, bin ich auf der Seite und sehe sie mir vielleicht weiter an wenn mir der Artikel gefallen hat. Und wenn mir mehrere Artikel gefallen, besuche ich die Seite auch häufiger direkt.

Klingt vielleicht wie eine Verschwörungstheorie, aber es ist doch eine Zensur durch die Hintertür, nichts weiter. Oh doch, ein Frontalangriff auf die Diskussionsvielfalt und -kultur im Internet.

Erstmal werden Blogs mundtot gemacht. Sobald ein Werbebanner irgendwo im Spiel ist, kann es als gewerblich abgemaht werden. Das heißt ein Blogeintrag muss dann, wenn er sich auf eine Aussage in einem anderweitig erstellten journalistischen Beitrag bezieht in Zukunft wohl so aussehen:

"X hat Y gesagt: [Link auf den Originalartikel] Dritter Absatz 4. Satz. Schön finde ich die Interpretation dazu von [Link auf Stern.de] Vierter Absatz 3. Satz. Bla, meine Meinung, passt zu [link auf....]" und so weiter. Denn wenn ich nur den einen Satz zitiere, kann ich ja abgemahnt werden, oder ich muss als kleiner Blogger eine Lizenz kaufen und das wird kaum einer tun, der mit einem Werbebanner zumindest einen Teil seiner Serverkosten hereinzubekommen.

Man kann also in Zukunft über Zeitungsartikel online nicht mehr diskutieren, denn wer liest sich denn einen so aufgebauten Blogeintrag mit den dauernden Verlinkungen durch? Da vergeht einem doch jede Lust.

Und Zensur? Es gibt ja nur noch die präsentierte Meinung, und das Unterbinden von Diskussionen ist für mich schon Zensur. Besonders, da es bei vielen offiziellen Zeitungshomepages so ist, dass zum Einen nicht jeder Artikel kommentiert werden darf und zum Anderen sind viele Foren dort so eingestellt, dass jeder Beitrag vor der Veröffentlichung überprüft wird und somit Meinungsselektion betrieben wird.

Was macht mann dann? Abschalten. Aber ich bin trotzdem zuversichtlich, dass das Gesetz kommen wird und den Streisand-Effekt auslösen wird, so dass die Verlage sehr schnell merken, was sie an Google u.Ä. haben, und Prozesse gegen kleine Blogger werden auch durch etliche Foren und Portale gehen und sich ganz schnell rumsprechen und schon ist der Gewinn weg den man sich versprochen hat von diesem Gesetz.

Die Suppe wird schön heiß gekocht, aber am Ende werden sie festellen, dass sie total versalzen ist und schwupps ist sie weggekippt ;)
 
Was für Trottel. Die paar Ausschnitte der Seiten und sogar Kopien sorgen eher für bessere Verkäufe.
Bald werden sie merken dass sich Schriftwerk nicht verkaufen kann, wenn keiner etwas davon weiß.

An Googles Stelle würde ich jetzt eine unverschämt hohe Gebühr für jeden Eintrag verlangen, damit man sich die Filterung auch leisten kann.
 
Zuletzt bearbeitet:
Der worst case wäre folgender:

Aggregatoren und RSS-Feeds verschwinden vollständig vom deutschsprachigen Internet und deutsche User und Firmen werden vom Informationsfluss völlig abgeschnitten.
Ein Gericht verbietet Google die Löschung oder Abwertung von Verlagsseiten. Zahlreiche Blogs, Forenbetreiber und Wikipedia werden mit Klagewellen überzogen und ziehen sich komplett vom deutschen Markt zurück. Aus Angst vor europaweiten Klagen in der neuen EU werden deutsche Internetnutzer auch von ausländischen Newsseiten ausgesperrt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Askat86 schrieb:
Wenn es im Bundestag scheitert, wäre das ja vorerst wieder erledigt.

Der war gut.

Nein, damit ist es dann nicht getan, zu viel Geld ist schon an Lobbyisten und Politiker geflossen.
Das soll nicht umsonst gewesen sein.
Dann wird es entschärft und schön lachs formuliert, den Rest erledigen die Gerichte in Hamburg.
Zu aller erst braucht es einen neuen Namen.
 
Soweit ich gehört hab geht das Gesetz auch an den Bundesrat und dort hat Schwarz Gelb keine Mehrheit , man kann nur hoffen das die SPD bei ihrer Linie bleibt und es dort gekippt wird.
 
Naja irgendwie finde ich das zum Teil ganz gut... mein ok das Blogger dann einfach mal so drauf los verklagt werden, das kann man heute auch schon wenn man will... man bekommt nicht recht aber es ging ja darum das man die leute verklagen kann... beispiel impressum vergessen...

Aber wenn google jetzt wirklich die massenpresse die ja eh nur polemisch und interessengesteuert "Nachrichten" schreibt die ihnen in den Kram passen sperrt, dann gehen doch die Zeitungsverlage bankrot oder? Wäre doch super... würd mich drüber freuen...
 
Seh ich genauso wenn Google einfach deren Angebote rausnimmt machen auch die verläge wesentlich weniger Gewinn nur sollten möglichst alle suchmaschienen mitmachen.
 
Zurück
Oben