Es ist völlig normal, dass die Investoren jetzt mehr Druck machen – und dieser Druck wird weiter steigen. Ebenso normal ist es, dass ein kostenlos genutztes Produkt irgendwann Werbung schaltet. Die Tatsache, dass in den USA bereits zahlende Abonnenten von Werbung betroffen sind, deutet vielleicht darauf hin, wohin die Reise geht.
Ich persönlich bezahle für die Dienstleistungen, die ich nutze, oder entwickle selbst Lösungen, um nicht in Abhängigkeiten von Tech-Giganten zu geraten. Es ist nachvollziehbar, dass ein Großteil der Ressourcen für KI-Spielereien wie sinnlose Bildgenerierung verschwendet wird – diese Kosten müssen irgendwie wieder reingeholt werden.
Das Kernproblem: OpenAI hat kein Ökosystem
Sollte es ChatGPT noch in 10 Jahren geben, wird es vielleicht nur ein LLM-Chat unter vielen sein. Oder sie schaffen die Kurve und kreieren ein besonderes Produkt bzw. bauen ihr eigenes Ökosystem auf. Alle großen Tech-Unternehmen haben ihre eigenen Produkt-Ökosysteme:
- Apple: iPhones, Macs, iPads, Watches, AirPods
- Google: Android, vorinstallierte Apps, Play Store, Cloud, Browser, Office, Pixel
- Meta: Ray-Ban Smart Glasses, Quest VR, WhatsApp/Facebook-Netzwerk
- Microsoft: Windows, Office, Cloud, Xbox, Surface
- Amazon: Alexa, Echo, Ring, Fire TV, Cloud
Was hat OpenAI? Nur Kosten und kein physisches Produkt, das sie verkaufen können. Die Zahlen der zahlenden Enterprise-Kunden sind rückläufig, und der Kuchen muss jetzt verteilt werden. Anthropic überholt sogar OpenAI bei der Enterprise-LLM-Nutzung.
Es gibt keine Abhängigkeiten wie bei:
- Apple mit dem geschlossenen Ökosystem
- Google mit Fotos, Drive und Maps
- Meta mit 300 Freunden in Chats und Gruppen
- Microsoft mit Office und "ich kann mich nicht mehr umgewöhnen, OneDrive und Copilot machen es so einfach"
- Amazon mit dem Smart Home-Ökosystem
Was hat OpenAI? Eine ChatGPT-Website + API im Browser – jederzeit schließbar und austauschbar. Der Wechsel zu Gemini oder Claude ist problemlos möglich.
Entweder entwickelt sich ChatGPT zu einer kostenlosen LLM-Chat-Werbeplattform, die Daten abgreift und Marktanalysen macht, oder sie schaffen kurzfristig ein Produkt, das sie verkaufen können.
Ein weiteres Problem: Wenn ChatGPT endlich in die Gewinnzone rutscht, ist die Technik bereits veraltet. Dann müssen neue Server her – alte Schulden und veraltete Technik noch nicht einmal abbezahlt, und schon kommen neue Schulden dazu. Das ist ein endloses Finanzierungskarussell, und ich bezweifle, dass es mit Abschreibungen getan ist. Den möglichen Börsengang lasse ich dabei noch außen vor.
Es gibt eine große Marktverschiebung, und ich denke, die Werbung ist der Rettungsanker, den OpenAI jetzt auswirft.