Ist imho Schrott ohne Vorteile die nicht auch andere Lösungen schon jetzt bieten können.
Die Amis werden sicherlich drauf anspringen, da dort Spiele-Computer (von den paar wenigen Freaks mit SLI und Quadcores abgesehen die es überall gibt) hier meist gerade mal als Bürorechner durchgehen würden, wenn die Crysis spielen wollten würden sie also eher zu OnLive greifen als ihren Rechner aufzurüsten.
Überhaupt ist Europa und insbesondere Deutschland die letzte Hochburg der Spiele-PCs, Konsolen sind immer weiter auf dem Vormarsch.
Deshalb wird, zumindest in den USA, dieser Dienst (oder Gaikai) sicher mit Kusshand aufgenommen.
Von dem Vorteil, dass er mit jedem PC, d.h. auch Netbooks funktionieren soll(te) oder halt mit einer Settopbox für den HD-Fernseher bleibt aber imho nach einiger Überlegung nicht mehr viel übrig.
Kosten:
Der Dienst wird monatlich 15$ kosten, dies ist allein die Gebühr für die Bereitstellung der Serverhardware und des Traffics, Spiele sind darin wahrscheinlich nicht enthalten.
Spiele wird man wohl entweder für seinen Account kaufen können oder mieten können, also z.b. für eine Woche oder gar pro Spielstunde bezahlen.
Ein gekauftes Spiel (die man sicherlich nur direkt via OnLive kaufen kann, also nicht eine Ladenversion günstig kaufen und dann bei OnLive registrieren - d.h. es gibt nur einen Anbieter ohne Konkurrenz in diesem System, die Preise werden also hoch sein) wird an den Account gebunden und kann nicht weiterverkauft werden, höchstens mit dem gesamten Account. Hier kann man nicht mal wie bei Steam einzelne Accounts für jedes Spiel erstellen, da jeder Account eine Monatsgebühr kostet, d.h. Spiele sind also im Gegensatz zu anderen Accountbasierten Systemen WIRKLICH unverkäuflich.
Bei gemieteten Spielen erhält man sowie nur ein temporäres Recht das Spiel zu nutzen.
Spiele werden sicher nicht deutlich günstiger.
Publisher mögen zwar keine Raubkopierer und Gebrauchtspieleverkäufer und dieses System verhindert beides effektiv - aber dass sie wenn diese beiden Umsatzverringerer ausgeschlossen sind wirklich die Preise senken ist imho unwahrscheinlich, sie werden sicher mehrfach betonen, dass die Entwicklung des Spiels ja trotzdem gezahlt werden müsse und der Prozentsatz der Raubkopierer den Umsatz in der Vergangenheit nie so sehr geschmälert hat, dass die Preise deshalb erhöht worden wären (natürlich erzählt man gerade das genaue Gegenteil, aber in Doppeldenk sind Rechteinhaber und ihre Verbände immer gut gewesen).
Die Publisher werden damit argumentieren, dass ein Spiel ein Spiel ist, egal wie es vertrieben wird und dass 8 Stunden Assassin's Creed 2 halt 50€ kosten, egal ob man nun an den Ubisoft-Account gebunden ist oder an den OnLive-Account.
Vielleicht wird es Bundles oder vergünstigte Abos geben bei denen man dann für 20€ im Monat unbegrenzt viele ältere Spiele spielen kann, aber ich denke der Hauptfokus wird auf dem Verkauf von normalen Spielen liegen - höchstwahrscheinlich zum normalen Preis der UVP, da ja auch keine Konkurrenz in diesem geschlossenen Markt existiert.
Rechtliches: Indizierte Spiele wird es wenn der Dienst in Deutschland startet nicht geben, während man Aliens vs. Predator aktuell noch aus dem Ausland importieren kann und dann mit einem deutschen Steam-Account verknüpft, wird ein Import mit OnLive ja nicht mehr möglich sein und man ist auf das angewiesen, was im OnLive-Marktplatz zu kaufen ist - indizierte Titel werden aus rechtlichen Gründen nicht dazu gehören.
Technische Belange:
OnLive bietet eine Auflösung von 1280x720, also die kleine HD-Auflösung und somit weniger als jeder 19"-TFT.
Ob die ganz normalen Atom-Netbooks das Video ruckelfrei entschlüsseln können ist noch etwas fragwürdig, aber zumindest jeder Bürorechner sollte das beherrschen.
Multiplayerlag wird imho weniger ein Problem sein, ich gehe mal stark davon aus, dass OnLive im eigenen Netz auch Multiplayerserver anbieten wird, alles andere wäre nicht sehr durchdacht.
Somit wäre der Serverlag in Spielen bei den LAN-üblichen 5ms.
Allerdings kommt etwas sehr viel schlimmeres - Inputlag.
Wie hier schon jemand anführte, Gamermäuse fragen den USB-Port 1000mal pro Sekunde ab, haben 5600 DPI und Spieler tun alles damit das Spiel direkt auf ihre Befehle reagiert.
Das ist mit OnLive alles zwecklos, denn jeder Mausklick, jede Tastatureingabe, jedes Umschauen wird 60-100ms Lag haben, vom Spieler zum OnLive-Server, dort im Spiel umgesetzt, das Bild wird dort komprimiert, zurück zum Spieler geschickt, dort entkomprimiert und angezeigt - wie die überhaupt ordentliche und wirklich gültige Frameraten erreichen wollen erschließt sich mir noch nicht ganz, für 30fps muss den Spieler immerhin alle 33ms ein neues Bild erreichen - und dieses sollte dazu auch noch die Eingaben des Spielers wiederspiegeln, was aufgrund des höheren Inputlags imho nicht möglich ist.
Anderer Punkt: Bildqualität und Auflösung:
Die Bildqualität wird sicher zu wünschen übrig lassen - womöglich wird von OnLive Antialiasung und AF genutzt - aber dafür werden Kompressionsartefakte durch den Videocodec das Bild wieder verschlechtern.
Die Auflösung ist so niedrig, dass zumindest in Europa auch ältere Rechner die meisten Spiele mit mittleren Details (viel höher wirds bei OnLive sicher auch nicht werden) zum Laufen kriegen sollten, spätestens aber dann wenn man die jährliche Gebühr für OnLive (immerhin 180$) mal in eine Grafikkarte investiert (die immer noch sehr gute Radeon 4870 bekommt man immerhin schon für ca 120€).
Und wenn man gar kein Interesse hat seinen PC aufzurüsten oder gar keinen (aufrüstbaren) PC besitzt - dann kommt man imho mit einer Xbox 360 anstelle OnLive immer noch besser weg, die Konsole kostet auch nur 180-240€, besitzt die selbe Auflösung wie OnLive, aber ohne das Bild zwischendurch möglichst platzsparend zu komprimieren^^
Inputlag ist nicht vorhanden und die Titel werden alle sicherlich auf gleichem Detailgrad laufen wie bei OnLive.
(Online spielen kostet bei der Xbox 360 jährlich ca 60€ - alternativ kann man auch eine PS3 für 300€ nehmen wo Onlinespielen nix kostet - die lässt sogar einige Titel in 1080p laufen (die Xbox auch, aber afaik bei deutlich weniger Titeln).
Spiele für Konsolen sind zwar bei Saturn und Media Markt teurer (meist 60 oder 70€) als die sicher der UVP (also 50 oder manchmal 60€) entsprechenden PC-Titel bei OnLive - aber im Gegensatz zu OnLive ist man ja nicht an einen Händler gebunden, sondern kann auch Titel günstig im Ausland bestellen (30-50€ inkl. Versand) - natürlich auch indizierte Titel.
Im Gegensatz zu OnLive kann man diese Titel dann auch weiterverkaufen, verleihen und so lange spielen bis irgendwann die Konsole defekt ist und es in 10 Jahren keine Ersatzgeräte mehr gibt - und nicht nur bis zu dem Tag an dem OnLive (verdientermaßen) pleite geht.