Die Diskussion hier ist ja schon wieder ganz schön heißgelaufen. Lese seit Tagen mit, und will nun doch mal meinen Senf dazugeben.
Ich war von den ersten Anfängen von DSL768 (irgendwann Ende der 90er, da war ich der erste ADSL Kunde bei mir im Ort :-)) bis März 2026 Kunde bei der Telekom. Jetzt bin ich zu easybell gewechselt, aber da Peering Problem war da nicht der Haupttreiber für. Ich wollte nur endlich auf SVDSL aufrüsten und nicht mehr zahlen als bisher für 100Mbit.
Der Grund bei der Telekom zu bleiben war immer der Gedanke, dass ich es im Falle einer Störung besser finde, wenn alles aus einer Hand kommt, also eben auch das Zugangsnetz, wo eigentlich 100% aller kundenindividuellen Störungen stattfinden. Ich hatte in der ganzen Zeit zwar nur selten Störungen, aber wenn sie auftraten, war es immer zu einem maximal ungünstigen Zeitpunkt (z.B mitten während des ersten Corona Lockdowns im April 2020). In diesen Fällen war ich mit dem Telekom Support auch immer sehr zufrieden. Ich habe auch 2,50 EUR extra für den "Entstörservice 8 Stunden" bezahlt, dadurch hat wurde ich wirklich bei einer Störungsmeldung um 22 Uhr abends 10 Minuten später zurückgerufen.
Ich kann nicht sagen, ob es bei 1und1, o2 oder wem auch immer genauso gut geklappt hätte, aber zumindest gab mir die Telekom den "Peace of mind" den ich ungern abgeben wollte.
Ich schildere das deswegen so ausführlich, weil ich damit zeigen will, dass für die Bewertung eines Internet-Anschlusses (wie für jedes andere Produkt auch) jeder Kunde individuelle Massstäbe anlegt. Es gibt kein "objektiv" gutes oder schlechtes Produkt, da die Bewertung unterschiedlicher Eigenschaften eines Produktes für jeden Nutzer individuell ist.
Das Thema "Telekom Peering" war mir in der Tat nicht bewusst, bevor hier im Forum Leute wie
@DLMttH es sich anscheinend zur Lebensaufgabe gemacht haben, aller Welt bei jeder mehr oder weniger passenden Gelegenheit davon zu erzählen. Ein Telekom Internetanschluss hat nun hier im Forum bei Internet Problemen den Stellenwert von G.Skill Aegis RAM bei abstürzenden PCs
Nachdem ich von den Problem wusste, habe ich natürlich das Thema auch für mich genauer beobachtet. Ich hatte oft auch eine einfache Möglichkeit zum Gegenchecken: Bei meinen Apple Geräten kann ich iCloud Private Relay aktivieren, dass eine ähnliche Wirkung wie ein VPN hat.
Ja, und ich habe durchaus Fälle gehabt, wo es einen massiven Unterschied gegeben hat (z.B. vereinzelt bei Downloads von Unity und von AMD/Xilinx). Aber bei meinem Nutzungsmustern waren ernsthafte Beeinträchtigungen eher selten, jedenfalls nicht ausreichend, um das vertraute Telekom Produkt aufzugeben. Ich habe z.B. eigentlich nie Probleme mit Steam, YouTube oder GitHub (nutze ich als Entwickler sehr häufig) gehabt.
Klar ist aber definitiv, dass die Probleme existieren. Wie schwer man davon betroffen ist, oder wie schwerwiegend man sie einschätzt, ist sicher individuell unterschiedlich.
Mittlerweile scheint sich das Problem ja hauptsächlich auf den Übergang zwischen Telekom und CloudFlare zu fokussieren. Das ist natürlich für einen normalen Nutzer, für den das Internet eine irgendwie funktionierende Backbox ist, nicht einzuordnen. Je nach Individuellen Nutzungsprofil ist ja ein gewisser Anteil an "cloudflared" Websites dabei.
Beispiel: geizhals.de geht über CloudFlare, Konkurrent idealo nicht.
Für den unbedarften Benutzer sieht es dann natürlich so aus, als sei es ein Problem mit geizhals.
Insofern ist es auch verständlich, dass viele Nutzer die Probleme nicht verifizieren können.
Ich muss allerdings von mir selber auch sagen, dass ich noch selber noch keine auffälligen Probleme auf geizhals.de bemerkt habe, was aber auch daran liegen kann, dass bei vielen Websites Dinge wie Rendering, third-party Werbebanner, usw. mehr Zeit verschlingen, als das laden des eigentlichen Content, zumal statische Assets, wie CSS und JavaScript Code beim zweiten Besuch der Site schon im Browser Cache liegen.
Web-Schecki schrieb:
Es spricht Bände, dass im Telekom-Hilft-Forum empfohlen wird, einfach einen kostenpflichten VPN zu nutzen, um die Probleme zu umgehen.
War das dort von einem offiziellen Team Mitglied oder einer der "Volunteers"? Das Telekom Hilft Forum ist ja in der Hinsicht eine toxische Schlangengrube. Da war mit Telekom Hilft hier bei Computerbase.de wesentlich lieber, und das sie nicht mehr hier vertreten sind, hat mir den Wechsel von der Telekom weg, leichter gemacht.
Web-Schecki schrieb:
Die Telekom verkauft also ein nicht marktübliches Produkt und gibt offen zu, dass es mit zusätzlichen Produkten zu einem marktüblichen Produkt aufgewertet werden kann.
Wie gesagt, ich wüsste gerne ob die Telekom das so selber sagt. Ich teile auch nicht die Einschätzung, dass Telekom Internet ein "nicht marktübliches Produkt" ist.
Es gibt natürlich auch leider keinen repräsentativen, irgendwie halbwegs definierten Benchmark, der die verfügbare Internet Leistung über eine breite Anzahl von Diensten und Nutzungszenarien misst.
netzbremse.de bezieht sich ja auch nur auf die Verbindung zwischen CloudFlare und dem eigenen Anschluss.
Das ist einerseits ok, weil CloudFlare durchaus sehr relevant ist, aber anderseits schlagen sich die Betreiber dieser Seite damit sehr auf die Seite eines globalen US-amerikanischen Players.
Ich habe auch die Stellungnahme von CloudFlare zu dem Thema gelesen:
https://blog.cloudflare.com/de-de/eu-network-usage-fees/
Und natürlich hat ein CDN ein große Interesse an freiem Peering mit Allem und Jedem, dann ein CDN verkauft globale Reichweite bis in die letzte Millchkanne des Internets. Gleichzeitig bilden die CDNs eine Art "Overlay" über die gewachsenen Tier1-3 Strukturen des Internets und sind damit den Tier1 Betreibern ein Dorn im Auge. Hier geht es also um knallharte Interessen von Big Playern wie der Deutschen Telekom und CloudFlare, die sie auf dem Rücken der Verbraucher austragen.
Das betreiben sie natürlich immer nur bis zu dem Punkt, wo sie sich nicht anfangen selber zu schaden. Denn wenn sich zahlende Kunden von CloudFlare beschweren, dass sie von Internet Endkunden aus Deutschland nicht mehr erreichbar sind, wird CloudFlare soweit nachjustieren. Ebenfalls wird die Telekom hier und da was tun.
Ich kann mir gut vorstellen, dass die netzbremse.de Debatte hier Einfluss hatte, vielleicht habe ich deswegen im Februar und März keine nennenswerten Auffälligkeiten an meinem Telekom Anschluss feststellen können.
Das ist alles nicht schön für den Endkunden, aber ich tue mich damit schwer, da einseitig Partei zu ergreifen.
Web-Schecki schrieb:
Cloudflare-Free-Inhalte haben aber häufig Probleme - klar, Cloudflare verdient hier nichts und muss trotzdem recht viel Geld dafür bezahlen. Das betrifft dann oft kleinere Hobbyseiten, die ihterseits kein Geld für ein Premium-Cloudflare-Produkt haben.
CloudFlare verdient indirekt auch mit dem Free Tier: Sie erhöhen damit ihre Relevanz und das verbessert ihre Marktposition bei zahlenden Kunden. Ab gesehen davon ist es ein sehr effektiver Upselling Kanal. Ich habe selber bei meinem Arbeitgeber erlebt, wie DevOps Teams mit dem Free Tier angefixt werden, damit schnell einen PoC erstellt haben und das Management dann davon überzeugt haben, dass man CloudFlare braucht.
areiland schrieb:
Die allermeisten Menschen in diesem Land sehen und spüren diese angeblich so schlimmen Beinträchtigungen gar nicht.
Wie ich oben beschrieben habe, können sie die Beinträchtigungen vermutlich meistens nicht einordnen. Wie "schlimm" sie sind, ist wieder eine andere Frage. Aber klar, man muss sich hier immer die Frage stellen, ob ein Problem, das man nicht als Problem wahrnimmt, überhaupt ein Problem ist. Und im Falle von schlechtem Internet Peering sind jetzt auch keine langfristigen Schäden zu erwarten (wie z.B. bei versteckten Problemen im Gesundheits- oder Finanzbereich), da ist also die Frage, warum sollte man Leute versuchen zu "bekehren" die zufrieden sind.
DLMttH schrieb:
Das alles ohne einen persönlichen Vorteil für euch, denn das Einzige, was ihr persönlich damit erreicht, Andere zur Telekom zu kriegen
Wenn Telekom Kunden ihre Entscheidung, Telekom Kunden zu sein und zu bleiben, mehr oder weniger vehement verteidigen, dann hat es damit zu tun, dass sie ihre kognitive Dissonanz auflösen wollen.
Das ist, je nach Persönlichkeit, ein sehr wichtiger "persönlicher Vorteil".
Du verteidigst Deine Entscheidungen ja auch recht vehement, das ist auch absolut ok. Nur musst Du respektieren, das auch ein Telekom Kunde die Entscheidung, diesen Provider zu wählen, verteidigt.