Into the Wild (2007)
Chris McCandless (gespielt von Emile Hirsch) ist ein junger Mann Anfang 20, der alle Möglichkeiten hat. Offensichtlich wohl behütet wächst er in einer Familie des gehobenen Mittelstands auf. Er macht einen exzellenten Abschluß an der Universität und seine Eltern wollen ihm nicht nur ein neues Auto kaufen, sie erklären sich auch noch bereit, eine mögliche Weiterbildung in Harvard zu finanzieren.
Chris hat aber andere Pläne. Denn das wohl behütete Zuhause ist nur eine Fassade, Konsumartikel wie Autos und das ganze Geld sind für ihn nur Ersatzbefriedigungen für ein unbefriedigtes Leben. Er flieht vor diesem Leben, zerstört Kreditkarten, Ausweise und Co., spendet und verbrennt sein Geld und macht sich mittellos auf den Weg durch die USA. Er will alleine sein und für sich erkennen, was wahres Glück im Leben bringt.
Für manche mag dieser Plot öde klingen, andere finden vielleicht ihre eigenen Gedanken wieder. So ist letzteren Zuschauern dieser Chris auch sympathisch, denn er will wie sie herausfinden, was der Sinn im eigenen Leben ist. Unterstützt wird der Film durch zahlreiche, sehr gut besetzte Nebenrollen. Da wäre zum einen William Hurt, der seinen Vater spielt. Leider bleibt er in dieser Rolle völlig unter seinen Möglichkeiten. Mehr Spielraum hat noch Marcia Gay Harden, die die Mutter verkörpert. Ihr sieht man gut an, dass sie nur eine Fassade lebt, hinter der die wahren Gefühle brodeln und nur darauf warten, einmal auszubrechen und frei zu sein. Neben Catherine Keener und Vince Vaughn ist noch die Performance von Kristen Stewart erwähnenswert. Als Bella hat sie in Twilight weltruhm erlangt, positiv aufgefallen ist sie mir aber erst in "Into the Wild". Denn die abgeklärte 16-jährige, die wie Chris auf der Suche nach Glück ist, spielt sie in allen Schattierungen der Emotionen absolut glaubwürdig.
Trotzdem funktioniert der Film für mich nicht komplett. Gut, das Thema ist interessant, die schauspielerischen Leistungen durchweg top und die Naturbilder beeindruckend. Aber "Into the Wild" scheitert ausgerechnet an seiner eigenen Philosophie. Denn einerseits flieht Chris vor der Verlogenheit einer Gesellschaft, die nur Ideale vorspielt und deshalb im Innern unglücklich ist. Andererseits belügt er sich selbst, da auch er blind einem Ideal folgt, das nicht ihm, sondern einem Teil der Gesellschaft entspringt.
Man muss sich eben vor Augen halten, dass Sean Penn hier die Tagebuchaufzeichnungen eines echten Chris McCandless und damit eine wahre Geschichte verfilmt hat. Und im Leben läuft eben nicht alles, wie in einem Hollywood-Drehbuch.
7,8/10