Intels „Light Peak“ als „Thunderbolt“ offiziell vorgestellt

Parwez Farsan
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Zeitgleich mit der Vorstellung der aktuellen Version von Apples MacBook Pro, das als erstes Produkt „Thunderbolt“ unterstützt, hat Intel Informationen zu der ehemals als „Light Peak“ bekannten Technologie veröffentlicht. Sie vereint hochauflösende Bild- und Tonübertragung und schnellen Datentransfer in einem einzigen Anschluss.

Der „Thunderbolt“-Anschluss sieht aus wie ein Mini-DisplayPort-Stecker und ist zu diesem auch kompatibel, so dass vorhandene Monitore und Adapter auch weiterhin genutzt werden können. Für die Bild- und Tonübertragung mit Auflösungen oberhalb von Full HD und mit bis zu acht Tonkanälen wird folgerichtig das DisplayPort-Protokoll unterstützt, während für Datentransfers das PCI-Express-Protokoll genutzt wird. Der Vorteil von PCI-Express ist, dass es für praktisch alle anderen Protokolle, um mit USB und FireWire nur zwei zu nennen, Controller gibt, die auch PCI-Express verstehen. Entsprechend einfach wäre die Herstellung von Adaptern, Dockingstationen und anderen Geräten. Zudem haben moderne Betriebssysteme bereits Treiber für PCI-Express und DisplayPort an Bord, weshalb keine zusätzliche Treiberentwicklung nötig ist.

Thunderbolt-Technologie
Thunderbolt-Technologie

Bei „Thunderbolt“ handelt es sich aber nicht um eine entweder-oder-Angelegenheit, beide Protokolle können zur gleichen Zeit genutzt werden. „Thunderbolt“ fungiert dabei als Hot-Plug-fähiges Meta-Protokoll, das zum Transport der anderen beiden Protokolle dient. Gemeinsam steht ihnen in beide Richtungen (Full-Duplex) eine Bandbreite von derzeit bis zu 10 Gbit/s zur Verfügung, die dank geringem Overhead auch wirklich voll nutzbar sein soll. Dies wird bis zu einer Kabellänge von drei Metern über ein Kupferkabel realisiert, das daran angeschlossene Geräte bei Bedarf mit bis zu zehn Watt Leistung versorgen kann. Aber auch die Nutzung aktiver optischer Kabel ist mit dem gleichen Stecker möglich und erhöht die maximale Reichweite auf mehrere zehn Meter. Pro Verbindung können zwei parallele, Voll-Duplex-fähige Kanäle mit jeweils 10 Gbit/s übertragen werden.

„Light Peak“-Chip
„Light Peak“-Chip

Basis des Ganzen ist ein Controller von Intel. Dieser verfügt über jeweils über einen oder mehr Ports für „Thunderbolt“ und eingehende DisplayPort-Signale sowie ein PCI-Express-Interface. Fungiert er zum Beispiel als Host-Controller auf einem Mainboard, wird der „Thunderbolt“-Controller über PCI-Express an den Chipsatz des Mainboards angebunden. Je Nach Ausführung kann das DisplayPort-Signal von einer IGP-Lösung oder auch einer diskreten Grafikkarte kommen. Erkennt der Controller am anderen Ende der Verbindung ein normales DisplayPort-Gerät, überträgt er die Daten in einem Kompatibilitätsmodus. Bei „Thunderbolt“-Geräten übernimmt deren Controller das Routen von Daten- und Bild/Audio-Informationen und leitet nicht für ihn bestimmte Daten gegebenenfalls weiter.

Blockdiagramm eines Systems mit Thunderbolt-Controller
Blockdiagramm eines Systems mit Thunderbolt-Controller

Für Anwendungen im Audio/Video-Bereich beherrscht der Controller ein Protokoll zur Zeitsynchronisierung, mit dem sich bis zu sieben in einer „Daisy Chain“ hängende „Thunderbolt“-Geräte – dies ist auch das Maximum für hintereinander geschaltete Controller – bis auf acht Nanosekunden genau synchronisieren lassen. Hinsichtlich der Topologie ist das Protokoll jedoch flexibel und erlaubt beispielsweise auch sternförmige Anordnungen. Die Daten für ein bestimmtes Gerät können dabei über mehrere Controller geroutet werden und werden dann vom Zielcontroller wieder in die Ursprungssignale dekodiert.

Thunderbolt-Kabel
Thunderbolt-Kabel

Neben Apples neuen MacBook Pro wird es auch von diversen anderen Firmen Produkte mit „Thunderbolt“-Unterstützung geben. Namentlich genannt wurden Aja, Apogee, Avid, Blackmagic, LaCie, Promise und Western Digital. Von Sony und Nokia als Erstanbieter – wie im letzten Spätsommer noch publiziert – fehlt heute jede Spur.