2/2 inFamous: First Light im Test : Superheldin in erzählerischer Zwangsjacke

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Flache Geschichte, starker Charakter

First Light bringt so zwar ein ausreichendes Fundament für eine große Bühne mit, scheitert aber daran, aus dieser Ausgangssituation Kapital zu schlagen. Zu dem Berg bereits bekannter Elemente gesellt sich so auch die Story mitsamt des generischen Missionsdesigns, dem Höhepunkte gerade zu Beginn versagt bleiben.

Die Erzählung bedient sich dabei so alter wie ausgelutschter Rachethematik und nimmt die Entführung von Abigails Bruder als Aufhänger. Nach eher zähem Anfang und arg vorhersehbaren Wendungen zieht das Geschehen erst gegen Ende merklich an, was der starken, abseits typischer Klischeepfade gestalteten Heldin sowie der emotionalen Inszenierung zu verdanken ist. Die gezeichneten Zwischensequenzen bleiben ohnehin ein Höhepunkt.

Die Arenen sind bestenfalls kurzzeitig unterhaltsam
Die Arenen sind bestenfalls kurzzeitig unterhaltsam

Die Geschehnisse in Curdun Cay, dem für Menschen mit Superkräften vorgesehenen Hochsicherheitsgefängnis, werden dagegen an den Rand gedrängt. Fetch erzählt ihre Geschichte zwar in Rückblenden während ihrer Haft, als Ort tritt das Gefängnis aber nur kurz in Erscheinung; hier sind lediglich die Challenge-Arenen angesiedelt, die während der Story als Testgelände für neue Fertigkeiten herhalten müssen. Ein freies Erkunden der Anlage ist nicht vorgesehen, ernsthaft beleuchtet wird entsprechend wenig. Das macht die Geschichte auch für Neueinsteiger verständlich, lässt jedoch enttäuschend viele Themen offen, darunter ihre Beziehung zu Brooke Augustine, der Trenchcoat-Antagonistin aus Second Son.

Keine Überraschungen: Alte Gegner
Keine Überraschungen: Alte Gegner

Obdachlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Punkszene, Suchtprobleme – als Charakter bietet Fetch viele Ansatzpunkte, um ernsthaft zu erzählen, um Spieler ernsthaft vor Dilemma zu stellen, um Milieus zu erkunden. Aber auch das Moralsystem fiel der Schere zum Opfer. Gut, Böse, Schwarz, Weiß, Grau? Scheißegal. Für ein Spiel, das von seinem Protagonisten leben muss, erdrückt es ihn bemerkenswert gründlich in generischer Beliebigkeit. Dafür hätte ohne Frage auch der blasse Feuer-Conduit Hank verheizt werden können, denn aus der kleineren Welt mit potentiell dichterer Geschichte mach Sucker Punch in Anbetracht der Vorlage erschreckend wenig. Am Ende der Story bleibt für Kenner des Hauptprogramms angesichts der vielen offenen Fragen und der beschnittenen Mechanik ein fader „zu wenig“-Geschmack zurück.

Die Neonkräfte machen noch immer eine Menge Spaß
Die Neonkräfte machen noch immer eine Menge Spaß

Dass das kleine Abenteuer nach rund vier Stunden mit einem 70-Prozent-Speicherstand beendet werden kann, ist deshalb nicht schade: First Light enthält für Besitzer von Second Son zuviel Bekanntes, als dass der anschließende Zeitvertreib zum Freischalten der Überkräfte durch Neongas-Sammeln und Arenen ohne wirklich wesentlich frische Inhalte noch großartig locken würde.

Fazit

Sucker Punch verschenkt mit First Light unnötig brachliegendes Potential: Trotz der interessanten Protagonistin haben die Entwickler nach dem „mehr vom Gleichen“-Rezept gekocht und durch die reduzierte Mechanik doch nicht das Gleiche geliefert. So kann der DLC nicht mit dem vielseitigeren und tiefschichtigeren Hauptprogramm Schritt halten. Am Ende verfestigt sich der Eindruck, dass mit Abigail Walker grundlos Möglichkeiten ausgeschlagen wurden, indem ein eigentlich großartiger Charakter in eine viel zu enge Geschichte gezwängt wurde – und folglich in der Zwangsjacke der Beliebigkeit erstickt.

Es bleibt Bedauern: Fetch hätte ohne Frage ein eigenes Spiel und eine echte Hauptrolle verdient. Es ist eine Schande, dass der Neon-Conduit als verkrüppelter Delsin Rowe enden muss, denn in dem zu konservativ geratenen Stand-Alone-DLC fehlt es an Zeit und Umfang, um den Charakter auch nur ansatzweise vernünftig ausloten zu können. Schade – mit mehreren Ausrufungszeichen.

Für absolute Fans von Second Son sind die 15 Euro für die virtuelle respektive 20 Euro für die Disk-Version eine Überlegung Wert, Neueinsteiger greifen besser gleich zum deutlich besseren Second Son. Der Rest verpasst wenig und hofft auf eine echte Hauptrolle für Fetch.

inFamous: First Light im Test

Jugendschutz

Derzeit ist inFamous: First Light ausschließlich über den PSN-Store erhältlich und wird beim Kauf fest an ein Benutzerkonto gebunden. Anfang September soll zudem eine Version auf Blu-Ray erscheinen. inFamous: Second Son wird zum Spielen nicht benötigt. In Sachen Jugendschutz gilt es zu erwähnen, dass das Spiel von der USK eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten hat.

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