3/3 Pebble Steel vs. Android Wear : Smartwatch-Platzhirsch gegen Titelaspirant

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Betriebssystem und App

Gegenüber den Mitstreitern, die als Betriebssystem auf Android Wear setzen, verwendet die Steel Pebble OS. Trotz der Namensgebung ist Pebble OS keine komplette Eigenentwicklung, das System basiert auf dem Open-Source-Betriebssystem FreeRTOS.

Beschränken sich Android-Wear-Wearables auf die Kopplung zu einem Android-Smartphone, geht Pebble einen Schritt weiter und bedenkt auch iOS-Nutzer. Zur Konfiguration der Uhr wird die Pebble-App benötigt, diese steht Android-Smartphones ab Version 4.0 als auch iOS-Geräten ab Version 6.0 im jeweiligen App- beziehungsweise Play-Store kostenlos zum Download bereit. Bei der ersten Anwendung wird der Nutzer zu einer Registrierung aufgefordert. Nach erfolgreicher Koppelung via Bluetooth mit dem Smartphone erscheint der Hauptbildschirm, von dem aus die komplette Verwaltung ausgeführt wird. Apps und Designs können heruntergeladen und eingestellt werden. Im Anschluss wird ausgewählt, welche Dateien ihren Weg auf die Smartwatch finden.

Pebble-App Registrierung
Pebble-App Registrierung
Pebble-App Kopplung zum Smartphone
Pebble-App Kopplung zum Smartphone
Pebble-App Hauptmenü
Pebble-App Hauptmenü

Aufgrund des offenen Betriebssystems, das im Pebble-Sektor bereits 12.000 Entwickler umfasst, zählt die Pebble-App derzeit mehr als 1.000 Apps (die Zahl der Apps für Android Wear beläuft sich derzeit auf 37). Die Vielfalt der Pebble-Apps stützt sich dabei auf insgesamt sechs Unterkategorien zu denen etwa Tools und Spiele gehören. Ebenfalls vielfältig vorhanden sind die so genannten „Watchfaces“. Diese Uhren-Skins, von denen bereits drei auf der Pebble Steel vorinstalliert sind, können vom Benutzer beliebig ausgetauscht werden. Eine starke Einschränkung ist die Tatsache, dass auf der Smartwatch nicht mehr als acht Apps oder Watchfaces gleichzeitig Platz finden. Mehr geben die 8 MB Flash-Speicher nicht her.

Der Funktionsumfang ist trotz der Vielzahl an Apps relativ eingeschränkt. Sowohl das gesamte System als auch die Pebble-App liegen nur in Englisch vor. Weitere Sprachen, wie sie bei Android Wear zum Repertoire gehören, werden zwar unter dem Themenbereich Tools bei den Pebbles-Apps aufgeführt, diese leiten den Nutzer jedoch nur in den eigentlichen App-Store respektive Play-Store weiter. Hier wird nun eine Drittanbieter-App zum Preis von 1,99 Euro angeboten.

Die Grundelemente der Smartwatch definieren sich durch eine überschaubare Anzahl an Funktionalitäten. Der Nutzer kann die Musikwiedergabe steuern, Nachrichten lesen oder den Wecker stellen. Je nach Watchface zeigt die Smartwatch neben der Uhrzeit auch das Datum, das Wetter, die Temperatur und den Akkustand an.

Pebble OS Übersicht
Pebble OS Übersicht

Die eigentliche Hauptaufgabe, sämtliche Smartphone-Benachrichtigungen an das Handgelenk zu verlagern, meistert die Pebble mühelos. Eingehende Meldungen wie etwa Kurznachrichten oder Telefonate werden mit Hilfe einer Vibration signalisiert. Gespräche können mittels Knopfdruck angenommen oder abgelehnt werden, dabei wird auf dem Display jeweils der Name beziehungsweise die Rufnummer des Gesprächsteilnehmers angezeigt. Nachrichten verbleiben in chronologischer Reihenfolge auf der Pebble und können jederzeit erneut aufgerufen werden. Ein manuelles Löschen der Kurznachrichten ist nicht möglich. Im Test wurden sämtliche Nachrichten bis hin zum letztmaligen Neustart gespeichert. Auch das händische Löschen der betreffenden Nachrichten auf dem Smartphone bleibt ohne Resultat, die Kurznachrichten verbleiben bis zum Neustart auf der Pebble-Smartwatch.

Fazit

Die Pebble Steel gefällt insbesondere im Hinblick auf das genuine Design. Im Vergleich mit der sportlichen Ästhetik einer Samsung Gear Live wirkt die Uhr allein schon durch die Materialwahl der Armbänder erwachsener. Auch die im Gegensatz zur Samsung Gear Live und LG G Watch höhere Akkulaufzeit von knapp fünf Tagen kristallisiert sich als klarer Pluspunkt heraus. Der Ladevorgang, welcher sich im Test der Gear Live mittels Micro-USB-Clip als recht fummelig und instabil herausstellte, ist bei der Pebbel Steel besser umgesetzt. Zudem bereichert die iOS-Kompatibilität das Gesamtpaket und erweitert folglich auch den Nutzerkreis der Pebble-Smartwatch.

Pebble Steel und Samsung Gear Live
Pebble Steel und Samsung Gear Live

Dennoch muss die Pebbel Steel einige Abzüge hinnehmen. Scharfkantige Tasten gehören bei einem 250 Euro teuren Produkt wahrlich nicht zum guten Ton – G Watch und Gear Live kosten 199 Euro. Auch der knapp bemessene Speicher, der ferner nur die Unterbringung von maximal acht Apps oder Watchfaces erlaubt, sowie die Display-Hintergrundbeleuchtung, die nicht in der Helligkeit regulierbar ist, trüben das Bild.

Android Wear als Betriebssystem zeigt sich an vielen Stellen schon heute intuitiver und ist von Haus aus mehrsprachig. Der mögliche Funktionsumfang ist größer, auch wenn er aktuell noch nicht im Ansatz ausgenutzt wird.

Die Samsung Gear Live bietet neben den sportlich angehauchten Funktionen wie Schrittzähler und Herzfrequenzmesser auch weitere Eigenschaften, die vor allem der Bedienung zugutekommen. Hier ist neben dem farbigen Touch-Display insbesondere die Sprachsteuerung zu erwähnen: Der Nutzer kann so Notizen und Erinnerungen verfassen, auf Kurznachrichten und E-Mails antworten oder sich mittels Google Maps zu einem Standort navigieren lassen. Alle diese Funktionen bietet die Uhr von Pebble nicht.

Aus dem Test geht die Pebbel Steel als die schönere Uhr hervor, die unter Android und iOS solide ihren Dienst verrichtet. Wird ein einfach gehaltener „Benachrichtigungsanzeiger“ für das Handgelenk gesucht, kann ohne Bedenken zur Pebble Steel gegriffen werden. Technische Finessen wie etwa Schrittzähler, Herzfrequenzmesser, Farbdisplay und eine intuitive Sprachbedienung werden jedoch nicht geboten. In diesen Punkten hat Google den Pionier am Markt eindeutig schon zum Start überholt.

Verfügbarkeit und Preis

Kunden aus Deutschland hatten anderthalb Jahre das Nachsehen, weil fehlende Importunterlagen wiederholt zu Schwierigkeiten mit dem deutschen Zoll führten und Pebble den Vertrieb daraufhin komplett eingestellt hatte. Seit dem deutschen Verkaufsstart am 4. Juli 2014, können beide Pebble-Smartwatches zu Preisen von 150 und 249 Euro exklusive Versand auf der Herstellerseite bestellt werden.

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