Linux: Linus Torvalds zu den Chancen von Kdbus im Kernel

Update Ferdinand Thommes
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Linux: Linus Torvalds zu den Chancen von Kdbus im Kernel
Bild: francois schnell | CC BY 2.0

Auf der Kernel-Mailingliste hat Linus Torvalds auf die Frage eines Kernel-Entwicklers geantwortet, ob er Kdbus generell in den Kernel aufnehmen würde. Torvalds ist demnach gewillt, Kdbus durchzuwinken, wenn die kritisierten Schwachstellen beseitigt sind und der Code erneut eingereicht wird.

Erstmals reichte Kernel-Entwickler Greg Kroah-Hartman (GKH) den Code zu Kdbus nach über einem Jahr Entwicklung zusammen mit den Systemd-Entwicklern Kai Sievers und Daniel Mack im Oktober 2014 für Kernel 3.19 ein. Jedoch weder in 3.19 noch in den gerade erschienenen 4.1 wurde Kdbus bisher aufgenommen.

Verschiedene Entwickler diskutierten auf LKML Probleme der Implementierung des Userspace-Codes von Dbus sowie Sicherheitsaspekte. Viele Entwickler kritisierten dabei generell die Idee, Dbus in den Kernel zu verschieben.

Der renommierte Kernel-Entwickler Andy Lutomirski fragte jetzt bei Linus Torvalds auf der Liste an, ob er denn generell bereit sei, Kdbus aufzunehmen. Dieser antwortete mit „ja, aber“, übte dabei gleichzeitig auch Kritik. Generell sei ein Patch, wenn er von einem seiner Generäle und im Besonderen von GKH komme, ein Schwergewicht, da er diesem voll vertraue. Allerdings sei er enttäuscht von der Argumentation für den Merge. Er beurteilt das Argument der besseren Leistung als zu schwach, Kernelcode müsse mehr bieten als lediglich eine Leistungssteigerung.

In gewohnt blumiger Sprache watschte er die Entwickler von Dbus ab, indem er sagte, der Grund für die unterirdisch schlechte Leistung von Dbus sei „pure shit user space code“. Es gebe zwar auch andere Gründe für eine Aufnahme, das für ihn unmaßgebliche Leistungsargument schwäche aber den Fall allgemein etwas.

Lutomirski, der zu den Kritikern einer Aufnahme von Kdbus in den Kernel zählt, nahm diese Aussage trotzdem als ein klares „Ja“ und sagte zu, den Code einer erneuten Prüfung zu unterziehen, sobald jemand einen sauberen Satz Patches einreiche. Dies sollte möglichst nicht während des gerade geöffneten zweiwöchigen Zeitfensters für Einreichungen zu 4.2 geschehen. Somit stehen die Chancen für Kdbus nicht schlecht, allerdings wird eine Aufnahme vermutlich frühestens mit Kernel 4.3 erfolgen, der etwa im November zu erwarten ist.

Die Systemd-Entwickler hatten vor wenigen Tagen Systemd 221 veröffentlicht, das bereits für Kdbus vorbereitet ist und zusätzlich mit einer neuen API namens sdbus aufwartet, die Lennart Poettering in seinem Blog ausführlich erläutert. Die Integration der Kdbus-Schnittstelle jedoch stieß nicht überall auf Zustimmung, sondern wurde eher als Druckmittel in Richtung Kernel gesehen.

Update

Greg Kroah-Hartman wird den Code für Kdbus erst für Kernel 4.3 wieder einreichen, um bis dahin noch auf Feedback reagieren zu können Das schrieb er jetzt auf LKML. Wer Kdbus jetzt schon testen möchte, kann zu Fedora Rawhide greifen und dies mit dem Kernel-Parameter kdbus=1 starten