3/4 Icarus Illumina XL im Test : E-Book-Reader mit offenem Android und 8 Zoll

, 18 Kommentare

Darstellung variiert je nach Lese-App

Einen großen Einfluss auf die Textdarstellung nimmt die verwendete Lese-App, von der mit dem Adobe-Reader und dem FB2-Reader wie bereits erwähnt zwei Vertreter auf dem Illumina XL vorinstalliert sind. Während die Adobe-App keine kleineren Schriftgrößen zulässt, ist dies beim FB2-Reader zwar möglich, es gilt jedoch eine dafür geeignete aus den 29 vorinstallierten Schriftarten zu finden – oder selbst einen Font im TrueType-Format aufzuspielen. Eine kleinere Schriftart hat jedoch ein ungleichmäßiges Kerning zur Folge, womit der Text mit deutlich sichtbaren Lücken zwischen den Buchstaben dargestellt wird – hier fordert die geringe Auflösung ihren Tribut. Daher stellt der Icarus Illimuna XL trotz des größeren Displays nicht zwangsweise besser lesbaren Text als kleinere Geräte dar. Auch für Leser mit Sehschwäche, die auf eine größere Textdarstellung angewiesen sind und weniger Blättern wollen, eignet sich der Reader aufgrund des schlechten Kontrastverhältnisses nur bedingt.

Fehlende Invertierungstaste verursacht zusätzliche Ghosting-Probleme

Der schlechte Kontrast wirkt sich auch auf die Darstellung von Texten über zusätzlich installierte Lese-Apps aus, denn diese werden wie bereits vom kleinen Bruder bekannt teilweise blasser dargestellt. Dieser Umstand kann zwar durch einen Nacht-Modus, also einem dunklen Hintergrund bei heller Schrift, eingedämmt werden, so rückt aber mit dem auftretenden Ghosting ein weiteres Problem deutlich sichtbar in den Vordergrund. Das nicht vollständige Neutralisieren der Bildpunkte vorangegangener Seiten ist in dieser Stärke ebenfalls auf die nicht mehr aktuelle Darstellungstechnologie zurückzuführen, welches sich durch das Durchscheinen von Fragmenten der vorher angezeigten Seiten äußert. Auch das Invertieren mit jedem neuen Seitenaufruf schafft nur bedingt Abhilfe.

Bei den bereits installierten Leser-Applikationen wirken die Probleme in der Darstellung zwar erst bei hoher Beleuchtung wirklich störend, dennoch erweist sich hier die Konkurrenz als sichtbar weniger anfällig. Problematisch wird es jedoch vor allem bei der Verwendung externer Lese-Apps, denn die vorgegebenen Invertierungsintervalle werden von diesen nicht immer eingehalten. So führten im Test die verwendeten Programme Cool Reader und Moon+ Reader die vorgegebenen Neutralisierungen verlässlich durch, während die Kindle-App von Amazon diese grundlegend verweigerte. Dies macht sich vor allem bei Verwendung des Nachtmodus bemerkbar, bei dem der Text nach ein paar Seiten nur noch schwer lesbar ist. Spätestens dann wird der Nutzer die vom Illumina E653 bekannte Invertierungstaste vermissen. Zwar bietet der Reader die Möglichkeit in bestimmten Zeitintervallen die Seite grundlegend neu aufzubauen, dies behindert aber wiederum merklich den Lesefluss.

Invertierungsprobleme auf dem Icarus Illumina XL
Invertierungsprobleme auf dem Icarus Illumina XL

Installation von Fremd-Apps, aber ohne Play Store

Das Bespielen mit neuen Apps gestaltet sich auch beim neuen Reader von Icarus umständlich, denn nach wie vor lässt das System eine Unterstützung des Play Stores vermissen. Dies hat zur Folge, dass die Google-Apps auf dem Illumina XL weitgehend nicht funktionieren. Somit ist der Nutzer auf frei zugängige Quellen wie zum Beispiel F-Droid oder die Webpräsenzen der Entwickler angewiesen. Hier sind jedoch in den meisten Fällen lediglich die kostenlosen Varianten der Apps erhältlich, bei kostenpflichtiger Software wird es bedeutend schwerer. Somit wird die App-Auswahl im Grunde nicht von der Hardware, sondern schon über die potenziellen Quellen limitiert. Aber auch wenn die gewünschte App gefunden wurde, bedeutet dies noch lange nicht, dass diese sich auf dem Reader auch komfortabel bedienen lässt. Auf Displays mit elektrischer Tinte abgestimmte Applikationen sind nach wie vor Mangelware und die fehlende Invertierungstaste wird erneut zu einem Problem.

Icarus Illumina XL App-Übersicht
Icarus Illumina XL App-Übersicht
PowerAmp auf dem Icarus Illumina XL
PowerAmp auf dem Icarus Illumina XL

Andere Probleme in der Bedienung sind eher hausgemacht. So beinhaltet der Illumina XL einen Kopfhöreranschluss, über den sich Audiodateien wiedergeben lassen können. Jedoch haben die Entwickler vergessen, dem System eine Lautstärkeregelung zu spendieren. Beim kleineren Bruder E653 ist dies über die Blättertasten möglich, die beim Illumina XL, wie schon eingangs erwähnt, fehlen. Somit sind nur Player sinnvoll, die über eine eigene Regelung verfügen – was die Anzahl der möglichen Kandidaten dezimiert.

Einen weiteren Negativpunkt stellt die standardmäßige Aktivierung der Installation von Apps aus fremden Quellen dar, für die sich Icarus in Ermangelung des Play Stores entschieden hat. In den Systemeinstellungen findet sich zudem kein Eintrag, um diese nachträglich zu deaktivieren. Dies kann unter Umständen ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen.

Auf der nächsten Seite: Fazit