Apple Watch Series 2 im Test: Ohne iPhone selbstbewusst 2/2

Jan-Frederik Timm 127 Kommentare

Keine Angst vor Wasser

Die neue Apple Watch ist wasserdicht bis 5 bar Druck (5 atm nach ISO 22810:2010). Das entspricht den Druckverhältnissen in 50 Metern Wassertiefe. Wird die Uhr durch das Wasser bewegt, können vergleichbare Drücke schon in geringerer Tiefe auftreten, grundsätzlich gelten Uhren mit der Klassifizierung aber als wasserdicht beim Schwimmen und Tauchen ohne Ausrüstung in See und Schwimmbad. Neben der Series 2 erfüllen unter den Smartwatches aktuell nur die erste Generation der Pebble dieses Kriterium.

Zehn Mal Piepen gegen Wasser

Wer mit der Apple Watch ins Wasser geht, der kann über die Schnelleinstellungen den Bildschirm sperren. So sollen versehentliche Eingaben unter Wasser vermieden werden. Wieder an Land lässt sich der durch einen blauen Wassertropfen im Display gekennzeichnete Modus durch Drehen der Krone deaktivieren. Dabei wird über den integrierten Lautsprecher ein zehnfacher Signalton ausgegeben, der das restliche Wasser aus dessen Vertiefung pressen soll. Zu sehen ist das zwar nicht, in der Regel klingen die ersten Töne aber blechern und gedämpft – ohne vorheriges Untertauchen ist das nicht der Fall. Das Video veranschaulicht diesen Prozess.

Die Garantie deckt Wasserschäden ab

Anders als beim iPhone 7 (Plus), das nach IP67 gegen zeitweiliges Untertauchen in einem Meter Wassertiefe geschützt ist, deckt die Garantie der Apple Watch Wasserschäden ab, sofern sich der Anwender an die von Apple beschriebenen Nutzungsszenarien hält: Schwimmen und Tauchen ohne Ausrüstung im seichten Wasser.

Viel heller in der Sonne

Mit maximal 1.000 cd/m² ist das Display der neuen Apple Watch Series 2 das hellste, das Apple jemals ausgeliefert hat. Den Vorgänger und die Series 1 bewirbt Apple mit 450 cd/m². Im Alltag macht sich der Unterschied gegenüber dem Vorgänger umso stärker bemerkbar, je direkter der Bildschirm der Uhr Sonnenlicht ausgesetzt ist. Werden Series 1 und Series 2 direkt in die Sonne gehalten, bleibt nur die Anzeige der neuen Version beim kurzen Blick auf die Uhr erfassbar; bei Generation 1 heißt es hingegen genau hinsehen.

Das Display der Series 2 (rechts) leuchtet viel heller
Das Display der Series 2 (rechts) leuchtet viel heller

Bei der Nutzung der Uhr im Freien bedeutet das einen deutlichen Komfortgewinn, weil der flüchtige Blick zur Uhr immer von Erfolg gekrönt ist.

Laden jede (zweite) Nacht

Apple selbst gibt für Series 1 und 2 dieselbe Akkulaufzeit wie für die erste Generation an: 18 Stunden. Damit soll ein Tag überstanden werden können. Zwischen 38 und 42 mm macht Apple keinen Unterschied.

Bekannt ist bisher, dass die Kapazität in der kleinen Version gegenüber der original Apple Watch um 32 Prozent von 0,78 auf 1,03 Wattstunden gestiegen ist. Die Kapazität in der 42-mm-Version ist hingegen ebenso unbekannt wie die in der neuen Serie 1. Möglich, dass auch diese Version einen größeren Akku für den schnelleren Prozessor aufweist. Möglich, dass das ohne GPS nicht von Nöten war.

Serie Modell Kapazität
Apple Watch 38 mm 0,78 Wh (205 mAh)
Apple Watch 42 mm 0,94 Wh (250 mAh)
Apple Watch Series 1 38 mm noch unbekannt
Apple Watch Series 1 42 mm noch unbekannt
Apple Watch Series 2 38 mm 1,03 Wh (273 mAh)
Apple Watch Series 2 42 mm noch unbekannt

Vier Mal mehr Verbrauch durch GPS

Durch Nutzung des GPS in der Uhr wird deren Verbrauch fast vervierfacht. Dieselben 10,5 Kilometer Fahrradfahren schlugen im Test dann mit angezeigten acht Prozent anstelle von zwei bis drei Prozent Verbrauch zu Buche. Apple selbst gibt 5 an Stelle von 18 Stunden Nutzung mit aktiviertem GPS an, das passt zum Testergebnis.

45 bis 65 Prozent Tagesverbrauch im Test

Im Test wurde die Apple Watch Series 2 in 42 mm nach vollständigem Laden täglich rund 16 Stunden getragen. Die Restkapazität beim Ablegen am Abend schwankte zwischen 35 und 55 Prozent. An Tagen mit höherem Verbrauch wurde die Uhr im Gegensatz zu den anderen Tagen zum Aufzeichnen von zwei Radtouren mit jeweils einer halben Stunde Dauer über Runkeeper (eine Strecke GPS iPhone SE, eine Strecke GPS Apple Watch Series 2) genutzt. Ansonsten wurden pro Tag fünf bis zehn Nachrichten über Siri diktiert, mehrere maximal einminütige Telefonate über die Uhr geführt und sehr häufig auf die Uhr gesehen. Auch die in den Videos abgebildeten Tests fielen unter dieselben Akkuladungen.

Details zum Akkustand 61 Prozent nach fast 15 Stunden am Arm
Details zum Akkustand 61 Prozent nach fast 15 Stunden am Arm

Ein Tag ist auch bei exzessiver Nutzung drin

Kombiniert mit einem Verbrauch von 6 Prozent über Nacht bedeutet das: Wer es darauf anlegt und die Nutzung nativer Apps sowie von GPS vermeidet, die Apple Watch also vorrangig als Anzeige für Benachrichtigungen, kurze Telefonate und den Versand von Nachrichten nutzt, kann die Uhr knapp zwei Tage und eine Nacht ohne nachzuladen nutzen. Auf der anderen Seite zwingt die Nutzung von ein bis zwei Stunden Tracking per GPS oder der häufigere Einsatz nativer Apps die Apple Watch Series 2 in 42 mm mit neuem Akku nicht innerhalb eines Tages in die Knie.

Geladen wird weiterhin induktiv
Geladen wird weiterhin induktiv

Die Uhr nagt am iPhone

Dabei nicht außer Acht gelassen werden darf, wie sehr die ununterbrochen mit dem iPhone verbundene Uhr an dessen Laufzeit nagt: Das im Test verwendete iPhone SE kommt ohne gekoppelte Smartwatch in der Regel mit über 40 Prozent Restkapazität über den Tag, mit verbundene Uhr waren es 20 bis 30 Prozent weniger.

Fazit

Die Apple Watch Series 2 stellt im Alltag einen deutlichen Fortschritt dar. Schwachstellen des Vorgängers wie die zu geringe Leistung und das zu dunkle Display geht die Neuauflage konsequent an. Im Ergebnis ist das Display unter direkter Sonneneinstrahlung jetzt auch beim kurzen Blick auf die Uhr ablesbar, Apps laden rund doppelt so schnell und die Bedienung geht insgesamt sicht- und spürbar flüssiger von der Hand. Ganz ohne Hänger kommen aber auch Käufer der neuen Uhr nicht über den Tag: So flüssig die letzten x Wechsel vom Zifferblatt auf den Home Screen auch waren, der Wechsel x+1 stockt dann doch.

Mehr Möglichkeiten

Mehr Möglichkeiten bietet die Series 2 dem Anwender durch das integrierte GPS und das gegen Wasser besser abgedichtete Gehäuse. Die Kombination aus beiden Neuerungen erlaubt es Trägern erstmals, geschwommene Strecken zu protokollieren. Allerdings kostet auf der Uhr aktives GPS viel Energie: Knapp vier Mal so viel verbrauchte die Series 2 dann im Test. Das deckt sich mit der laut Apple von 18 auf 5 Stunden reduzierten Laufzeit in diesem Modus.

Die Akkulaufzeit schwankt zwischen knapp zwei Tagen bei sehr moderater und gut einem Tag bei stärkerer Nutzung nativer Apps und einer halben Stunde internem GPS. Das geht in Ordnung, ausgiebig nur über die Uhr Strecken nachzuverfolgen oder die Navigation laufen zu lassen leert den Akku aber schnell früher. Wer das ohne iPhone macht, ist aber schon überdurchschnittlich gut beim Laufen unterwegs.

In Sachen Geschwindigkeit könnte Apple durch Optimierungen an watchOS weitere Fortschritte erzielen, denn wenn eine Animation einmal läuft, sollte das Stocken beim nächsten Mal eher auf die Software denn auf die Hardware zurück zu führen sein. Ein Einfluss des Arbeitsspeichers ist allerdings nicht restlos auszuschließen. Dass die neue Uhr einen knappen Millimeter höher und fast 15 Prozent schwerer ist, fällt im Alltag nicht auf.

watchOS fehlen noch Funktionen

Eindeutige Versäumnis in watchOS 3 sind die bisher nicht für die Sprache Deutsch umgesetzte Möglichkeit Texte per Handschrifterkennung einzelner Buchstaben einzugeben und ein Verzicht auf die Möglichkeit zur Synchronisation von Podcasts. Die seit Jahren als separate App für iOS angebotene Funktion bleibt gerade unterwegs ohne iPhone eine oft vermisste Option.

Welche Version kaufen?

In Summe wiegen die Neuerungen der Series 2 so schwer, dass ComputerBase beim Neukauf grundsätzlich den Griff zur Neuauflage empfiehlt. Bei der Geschwindigkeit liegt die Apple Watch Series 1 zwar gleich auf, allein das deutlich hellere Display macht im Alltag aber einen großen Unterschied. Für bestimmte Interessensgruppen (Edelstahl, GPS, Wasserdicht) führt in Zukunft eh kein Weg daran vorbei. Die Series 2 ist eben eine typische 2. Generation von Apple.

Apple Watch Apple Watch Series 1 Apple Watch Series 2
Apple S2
OLED mit 1.000 cd/m²
Wasserdicht (5 atm)
GPS
Edelstahl / Edition
USB-Netzteil
Preis ab 229 Euro ab 319 Euro ab 419 Euro

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