Fake News: Facebook will nicht entscheiden, was falsch ist

Andreas Frischholz 34 Kommentare
Fake News: Facebook will nicht entscheiden, was falsch ist
Bild: Facebook

Der Vorwurf in der aktuellen Fake-News-Debatte lautet: Facebook mache zu wenig, um die Verbreitung von Falschmeldungen einzudämmen. Die Geschäftsführerin Sheryl Sandberg bestreitet das nun im Interview mit der Bild.

Das Kernproblem ist demnach allerdings: Facebook will Inhalte, die Nutzer teilen, selbst nicht bewerten. Das soziale Netzwerk versteht sich dabei als Plattform, die Artikel weder selber schreibt noch bearbeitet. „Wir wollen nicht entscheiden, was die Wahrheit ist. Und ich glaube, niemand will, dass wir das tun“, so Sandberg. Das entspricht dem Kurs, den Facebook-Chef Mark Zuckerberg bereits im November vorgegeben hat.

Deswegen setzt das Unternehmen auch auf externe Fact-Checker, um von den Nutzern gemeldete Fake News zu prüfen und – falls entsprechend eingestuft – mit einem Warnhinweis zu versehen. In Deutschland übernimmt das Rechercheportal Correctiv diese Aufgabe, wie am Wochenende angekündigt wurde. Facebook zielt bei den Maßnahmen vor allem auf kommerzielle Fake News – solche Nachrichten verbreiten Webseiten vor allem, um Klicks und damit Werbeeinnahmen zu erzielen. Solchen „Spamern“ will man aber künftig die Finanzierung kappen, indem diese etwa aus den Werbenetzwerken fliegen.

Alle Politiker und Parteien hatten Mittel der Trump-Kampagne

Ebenfalls abwehrend reagiert Sandberg im Interview mit der Bild auf den Vorwurf, dass Facebook den Ausgang von Wahlen beeinflussen kann. Vor allem der Kampagne von Donald Trump wird nachgesagt, gezielt Werbung über das soziale Netzwerk geschaltet zu haben. Sandberg erklärte nun, dass eine an Zielgruppen orientierte Werbung auf Facebook zwar möglich sei, diese Option stehe aber allen Politikern und Parteien offen.

Grundlage für eine solche Zielgruppen-Werbung wären die Demografie, der Wohnort, das Alter und die Interessen der Nutzer. Dabei werden die Daten allerdings anonymisiert verarbeitet. Rechte Parteien könnten laut Sandberg also nicht gezielt Botschaften an eine „fremdenfeindliche Zielgruppe“ verbreiten.

Der heikle Umgang mit Fake News

Wie heikel der Umgang mit den Fake News ist, erklären derweil nicht nur die Vertreter von Facebook. Wie das Medienmagazin Kress berichtet, sagte Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner auf der Münchner Internetkonferenz DLD, dass gefälschte Nachrichten ein altbekanntes Phänomen im Journalismus sind. Lügen oder falsche Fakten existierten schon vor der digitalen Ära.

Daher könne er auch den „Buzz“ in der aktuellen Fake-News-Debatte „nicht ganz verstehen“. Prinzipiell begrüßt Döpfner diese aber, denn durch die sozialen Netzwerke habe sich zumindest die Verbreitung von gefälschten Nachrichten verändert. Wichtig sei also, dass Unternehmen wie eben Facebook dafür auch in die Verantwortung genommen werden.