Codec: Fraunhofer beerdigt MP3

Christian Lohmüller 283 Kommentare
Codec: Fraunhofer beerdigt MP3
Bild: Carolyn Williams | CC BY 2.0

Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) möchte das Dateiformat MP3 offiziell beerdigen. Ein Lizenzprogramm mit Technicolor wurde beendet. Fraunhofer IIS begründet den – eher symbolischen – Schritt damit, dass mit AAC seit Langem ein deutlich besseres Format zur Verfügung stehe.

Das Dateiformat MP3 würde diesen Juli seinen 22. Geburtstag feiern. Am 14. Juli 1995 wurde die Endung .mp3 für Dateien im MPEG Audio Layer III verabschiedet. Entwickelt wurde der Codec MP3, was für „MPEG Audio Layer III“ steht, vom IIS zwischen 1982 und 1992. Was ihn so attraktiv aber auch zur Bedrohung für die Musikindustrie machte: Unkomprimierte Audiodateien lassen sich mit MP3 ohne akustisch wahrnehmbaren Verlust um den Faktor 10 komprimieren.

Am 23. April 2017, zeitgleich mit dem Ablauf einiger MP3-Patente, hat Fraunhofer IIS nun das Lizenzprogramm mit Technicolor beendet. „Heutige Medien wie Streaming, Fernsehen oder Radio nutzen jedoch modernere ISO MPEG-Verfahren der AAC-Familie oder in Zukunft auch MPEG-H Audio“, schreibt das Institut. Diese böten erweiterte Einstellungsmöglichkeiten und eine bessere Audioqualität bei viel geringeren Bitraten im Vergleich zum MP3-Format. Apples iTunes Store beispielsweise nutze seit seiner Einführung im Jahr 2003 das überlegene AAC-Format.