Storage: Nextcloud 12 skaliert besser mit Global Scale

Ferdinand Thommes 21 Kommentare
Storage: Nextcloud 12 skaliert besser mit Global Scale
Bild: Nextcloud GmbH

Nachdem bei Nextcloud 11 die Verbesserung der Sicherheit im Fokus stand, strebt Nextcloud 12 an vielen Stellen eine bessere Zusammenarbeit für kollaboratives Arbeiten an. Die herausragende Neuerung der aktuellen Ausgabe 12 ist allerdings die neue Architektur Global Scale, die die Skalierbarkeit massiv erhöhen soll.

Global Scale (GS) wurde unter Mitarbeit mehrerer europäischer Universitäten – darunter das dänische Universitätsnetzwerk DeiC – entwickelt und will durch massive Erhöhung der Skalierbarkeit bestehender und neuer Nextcloud-Instanzen die Kosteneffizienz mittlerer und großer privater Clouds wesentlich verbessern. Nach aktuellen Untersuchungen entfallen rund 60 bis 80 Prozent der Kosten großer selbstgehosteter Filesharing- und Synchronisationslösungen auf die zugrundeliegende Storage-Lösung.

Neunstellige Userzahlen

Mit Nextcloud 12 werden die ersten Teile der neuen Architektur ausgeliefert, die sich dieses Problems annehmen. Die weitere Implementierung soll über die nächsten Monate verteilt erfolgen. Damit sollen Nextcloud-Instanzen mit Millionen Usern anstatt Zehntausenden möglich sein. Bisher konnte die Grenze von mehreren Zehntausend nur mit Federation überschritten werden, wozu aber separate Anmeldungen an anderen Instanzen notwendig sind. GS will neunstellige User-Zahlen auf einer Instanz ermöglichen.

Eine weiterer Vorteil von GS soll die Senkung der Kosten sein. Hierbei spielen die Kosten für Storage eine übergeordnete Rolle, da sie im Bereich von Petabytes einen großen Anteil der Gesamtkosten ausmachen. Auch Datenbanken und Load Balancer verursachen in diesen Größenordnungen exponentiell höhere Kosten, da freie oder günstige Angebote hier nicht mehr verwendbar sind. GS verspricht signifikante Kostensenkung durch Verwendung regulärer Soft- und Hardware.

Kostenersparnis dank transparenter Architektur

Betreiber großer Nextcloud-Instanzen stehen aus verschiedenen Gründen des Öfteren vor dem Problem, bestimmte Daten an verschiedenen Orten vorhalten zu müssen. Mit der bisherigen Architektur standen dafür lediglich die Replikation der Daten oder multiple separate Instanzen zur Verfügung. GS will hier die zugrundeliegende Infrastruktur verstecken und dem Anwender eine transparente Architektur bieten.

Mehr Standard-Hardware

GS erreicht all dies durch Verwendung multipler Applikations-Server, die auf Standard-Hardware laufen und jeweils Storage, Datenbank und Cache lokal vorhalten. Diese werden als Nodes bezeichnet. Mit dem Global Site Selector authentifiziert sich der Anwender bei der Anmeldung mittels LDAP oder anderer Systeme und wird von einem Lookup-Server lokalisiert und eingebunden. Der Balancer hingegen läuft auf dedizierter Hardware und überwacht den Verbrauch von Storage, CPU, RAM und Netzwerkressourcen der einzelnen Nodes. Er kann zudem Nodes als online oder offline markieren und Anwenderkonten transparent auf andere Nodes migrieren, sollte dies erforderlich werden.

Einführung über mehrere Monate

Mit Nextcloud 12 werden erste Teile von GS eingeführt. Über Federated Activities erfährt der Anwender über das Teilen seiner Daten über mehrere Nodes. Ein Lookup-Server ist implementiert. Eine App für den Global Site Selector wird in den nächsten Tagen erscheinen. Der Balancer wird im Verlauf der nächsten Monaten entwickelt. Ein Whitepaper (PDF) erläutert die technischen Details der neuen Architektur.

Weitere Verbesserungen

Nextcloud 12 bietet darüber hinaus auch an anderen Stellen Weiterentwicklungen. So werden Push-Benachrichtigungen sowohl im Web-Interface als auch in den mobilen Apps eingeführt, um Anwender schneller über anstehende Einladungen zu Chats, über neue mit ihnen geteilte Daten und über Kommentare zu informieren. In Benutzung befindliche Apps werden künftig separat als Icons in der Kopfleiste angezeigt. Das neue Kontakte-Menü auf der rechten Seite erlaubt schnellen Zugriff auf Anrufe, Chats und E-Mails. In der Files-App kann der Anwender öffentliche Links per E-Mail an mehrere Empfänger versenden und dabei jeweils individuell Passwörter, Ablaufdaten und Schreibrechte vergeben. Neu sind zudem die App Store Bundles, die thematisch ähnliche Apps gruppieren.

Ebenfalls neu ist die App Circles. Die erlaubt Nutzern das Anlegen von Interessengruppen, die dann von anderen Apps verwendet werden können. So lassen sich nicht nur Daten in den öffentlichen, privaten oder versteckten Gruppen teilen, möglich ist auch das Teilen von öffentlichen Links auf Twitter, Facebook, Google+, Diaspora und anderen sozialen Netzen über die Circles-API.

AV-Chats aufgewertet

Die Möglichkeit zu Audio- und Video-Anrufen mit der App Spreed unter Verwendung von WebRTC wurde weiter verbessert. Die Zuverlässigkeit wurde erhöht und es ist nun einfacher, Einladungen zu verteilen. Screen-Sharing, also das Teilen des eigenen Bildschirms oder bestimmter Fenster mit anderen Teilnehmern, ist nun ebenfalls möglich. Dafür wird bei Chrome und bei Firefox unter Version 53 ein Plugin benötigt.