Kommentar: OnePlus verliert den Reiz

Mahir Kulalic 113 Kommentare
Kommentar: OnePlus verliert den Reiz
Bild: OnePlus
Mahir Kulalic

Seit OnePlus im April 2014 den Smartphone-Markt betreten hat, ist die chinesische Firma bei technisch affiner Kundschaft und in der Modding-Szene beliebt. OnePlus erlaubt Custom-ROMs, bietet ein schlankes Android und die Preispolitik war zu Beginn sehr aggressiv. Doch mittlerweile hat der Hersteller seinen Reiz verloren.

(Gerade) OnePlus-Kunden wollen Updates

Erst kürzlich hat das Unternehmen nach langer Vertröstung und Wartezeit bekannt gegeben, dass das OnePlus 2 (Test) kein Update auf Android 7.0 Nougat erhalten wird. Auch das Mittelklasse-Smartphone OnePlus X wird nicht mehr unterstützt. Ärgerlich, in Anbetracht der Versuche und Kommunikation, nah an der Community zu sein.

Seit dem OnePlus 2 geschieht die Software-Entwicklung in Eigenregie. Das OnePlus One wird schon länger nicht mehr mit neuen OS-Versionen gepflegt. So gesehen waren zum Zeitpunkt der Ankündigung nur das OnePlus 3 und 3T als Zwischenschritt zum OnePlus 5 mit neuem Betriebssystem auf dem Markt. Auch für ein kleines Unternehmen wie OnePlus sollte ein Update für die vorletzte Generation grundsätzlich möglich sein. Zwar sind viele OnePlus-Kunden technisch versiert und können ein Custom-ROM aufspielen: Von diesem Standpunkt aus könnte OnePlus dann aber gleich auf Updates verzichten.

Das OnePlus 5 im Vergleich zur Konkurrenz

Das neue OnePlus 5 bringt trotz Verbesserungen in Relation zum gestiegenen Preis einige Fragezeichen. Anders als die Flaggschiffe der Konkurrenz ist das Modell nicht wasser- oder staubdicht, der Typ-C-Port ist nach USB 2.0 und nicht 3.0 spezifiziert, die Schnellladetechnik ist proprietär. Auch die Ränder sind im Vergleich zu LG G6 (Test) oder Samsung Galaxy S8 (Test) groß; das Design erinnert sehr stark an das iPhone 7 Plus. Natürlich ist das Meckern auf hohem Niveau, aber bisherige Tests aus den USA bemängeln das einfallslose Design und die relativ schlechte Dual-Kamera.

OnePlus 5 LG G6 Samsung Galaxy S8
Software:
(bei Erscheinen)
Android 7.1 Android 7.0
Display: 5,50 Zoll
1.080 × 1.920, 401 ppi
AMOLED, Gorilla Glass 5
5,70 Zoll
1.440 × 2.880, 565 ppi
IPS, HDR, Gorilla Glass 3
5,80 Zoll
1.440 × 2.960, 568 ppi
WQHD+ Super AMOLED, HDR, Gorilla Glass 5
Bedienung: Touch, Fingerabdrucksensor, Status-LED Touch, Fingerabdrucksensor, Iris-Scanner, Gesichtsscanner, Status-LED
SoC: Qualcomm Snapdragon 835
4 × Kryo 280, 2,45 GHz
4 × Kryo 280, 1,90 GHz
10 nm, 64-Bit
Qualcomm Snapdragon 821
2 × Kryo, 2,34 GHz
2 × Kryo, 2,19 GHz
14 nm, 64-Bit
Samsung Exynos 8895
4 × Exynos M2, 2,31 GHz
4 × Cortex-A53, 1,69 GHz
10 nm, 64-Bit
GPU: Adreno 540
710 MHz
Adreno 530
653 MHz
Mali-G71 MP20
546 MHz
RAM:
6.144 MB
LPDDR4X
Variante
8.192 MB
LPDDR4X
4.096 MB
LPDDR4
Speicher: 64 / 128 GB 32 GB (+microSD) 64 GB (+microSD)
Kamera: 16,0 MP, 2160p
Quad-LED, f/1,7, AF
13,0 MP, 2160p
Dual-LED, f/1,8, AF, OIS
12,0 MP, 2160p
LED, f/1,7, AF, OIS
Sekundär-Kamera: 20,0 MP, f/2,6, AF 13,0 MP, f/2,4, AF Nein
Frontkamera: 16,0 MP, 1080p
f/2,0
5,0 MP, 1080p
f/2,2
8,0 MP, 1440p
Display-Blitz, f/1,7, AF
Sekundär-Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced
↓600 ↑150 Mbit/s
Advanced Pro
↓1.000 ↑150 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct, Miracast
Bluetooth: 5.0 4.2 LE 5.0 LE
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
Weitere Standards: USB 2.0 Typ C, NFC USB 3.0 Typ C, NFC USB 3.1 Typ C, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM, Dual-SIM Nano-SIM
Akku: 3.300 mAh (12,35 Wh)
fest verbaut
3.300 mAh (12,50 Wh)
fest verbaut
3.000 mAh (11,55 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
Größe (B×H×T): 74,1 × 154,2 × 7,25 mm 71,9 × 148,9 × 7,90 mm 68,1 × 148,9 × 8,00 mm
Schutzart: IP68
Gewicht: 153 g 163 g 152 g
Preis: 499 € / 559 € ab 396 € ab 542 €

Qualität und Service sind zwei paar Schuh

Es ist nicht nur die Qualität der Smartphones, die an Attraktivität einbüßt, sondern auch die Entwicklung drum herum. Mit dem abgekündigten Update auf Android 7.0 für das OnePlus 2 hat der Hersteller es sich, wie auch einige Kommentare im ComputerBase-Forum zeigen, bei vielen Kunden und potentiellen Interessenten verscherzt. Auch die Preise sind nicht mehr (viel) niedriger als bei Topmodellen anderer Hersteller, wenngleich bei diesen beispielsweise die Inanspruchnahme des Services über den Händler oder Hersteller direkt deutlich leichter vonstatten geht.

OnePlus hat sich mit steigender Popularität und Bekanntheit weiter weg von seiner Community hin zum Mainstream orientiert und versucht jetzt einen Spagat als Mittelweg. Dafür fehlen trotz des Mutterkonzerns BBK, zu dem die Schwergewichte Oppo und Vivo zählen, schlicht die Ressourcen. OnePlus kann mit einigen Hundert Angestellten nicht mit den abertausenden von Mitarbeitern von Apple, Samsung oder LG mithalten. Darüber konnte man bei den vergleichsweise niedrigen Preisen noch hinwegsehen, aber auch hier entwickelt sich OnePlus mehr in Richtung der großen Namen und geht insgesamt betrachtet etwas zwischen den vielen kleinen und großen Herstellern unter.

OnePlus hat sich von seinen Wurzeln gelöst

Nichtsdestotrotz wird das OnePlus 5 mit Sicherheit ein Erfolg für den Hersteller, es soll das bisher am schnellsten verkaufte OnePlus sein. Nur das rebellische, gegen-den-Strom-artige Anderssein ist nicht mehr da. Insgesamt betrachtet spricht gerade noch der Preis für OnePlus, mit dem Rest zieht das Unternehmen derzeit nicht mehr an der Konkurrenz vorbei.

Hier zeigt sich eine Parallele zu Nexus 4 und 5, die dank ihrer niedrigen Preise sehr beliebt waren; die höherpreisigen Nachfolger hingegen verloren an Besonderheit. Auch wenn sich OnePlus nicht (mehr) ausdrücklich über den Preis definiert, so ist der große Reiz auch damit verflogen. Das neue Modell wirkt nicht mehr wie die Alternative zu allem, sondern ist nur ein günstigeres High-End-Smartphone.

Hinweis: Der Inhalt dieses Kommentars gibt die persönliche Meinung des Autors wieder. Diese Meinung wird nicht notwendigerweise von der gesamten Redaktion geteilt.