Free to Play: Warframe-Entwickler veröffentlichen Dropraten

Max Doll 35 Kommentare
Free to Play: Warframe-Entwickler veröffentlichen Dropraten
Bild: Digital Extremes

Parallel zu einem umfangreichen Inhaltsupdate haben die Entwickler der Free-to-Play-MMOs Warframe die Dropraten verschiedener Belohnungen offen gelegt. Welche Gegenstände mit welcher Chance und Qualität über welche Missionen winken, wird ab sofort laufend dokumentiert. Der Schritt zur Transparenz erforderte aber einen Anstoß.

Die nun zur Verfügung gestellte, sehr lange Liste mit Dropraten wird automatisch aus internen Daten generiert und mit jedem größeren Patch aktualisiert. Einschränkungen werden allerdings gesetzt: In Anbetracht der „Komplexität“ des Spiels gibt der Entwickler „keine Garantien“, man solle „nicht erwarten, dass die Daten umfassend sind“. Zudem behält sich das Unternehmen vor, neue Spielmechaniken in der Liste nur nach Gutdünken abzudecken. Dennoch erlauben die zur Verfügung gestellten Daten einen Einblick in die Gestaltung der Monetarisierung eines Free-to-Play-Spiels. Geld verdient Digital Extremes in diesem Fall durch den Verkauf von kosmetischen Gegenständen, aber auch der Ausrüstung, die Spieler alternativ im Spiel freischalten oder finden können.

This is automatically generated from our internal data but this data comes with no guarantees -- do not expect it to be comprehensive for how complex the game is. [...] We update often and new game systems may or may not be covered here.

Digital Extremes

Laut der Liste haben extrem seltene Gegenstände eine Dropchance von 1,7 Prozent, legendäre Gegenstände liegen bei 0,4 Prozent, über-legendäre Ausrüstung erreicht nur 0,09 Prozent - diese Seltenheitsstufe wird gegenwärtig aber überarbeitet. Das System soll laut Entwicklern eine Balance treffen: „Gratisspieler“ können alle Gegenstände freischalten, zahlende Spieler erhalten über die Premium-Währung Platinum früher Zugriff auf neue Ausrüstung. Platinum kann allerdings auch im Spiel gehandelt werden und muss nicht zwingend von jedem Spieler für Euros gekauft werden.

Fast freiwilliger Vorreiter

Mit diesem Schachzug nimmt Digital Extremes eine Vorreiterrolle ein, die in der offiziellen Ankündigung gleich mehrfach hervorgehoben wird. Ganz aus heiterem Himmel heraus ist die Entscheidung zugunsten von einem Mehr an Transparenz aber nicht gefallen: Vorausgegangen waren Abmahnungen gegen Data Miner und insbesondere gegen das Void_Glitch Repository, eine seit Jahren laufende Data-Mining-Operation, mit der Spieler selbst unter anderem Dropraten ermittelt haben.

Digital Extremes begründete den spontanen Wechsel von der Duldung des Projekts hin zu rechtlichen Schritten allerdings dem schadhaftem Einsatz der durch das Mining gewonnen Informationen. Das Unternehmen sprach von Bemühungen um Reverse Engineering und betrügerischen Absichten wie der Fälschung von Gegenständen, das Erstellen von unabhängigen 3rd-Party-Servern, dem Veröffentlichen Interna und noch nicht fertiggestellten Inhalte - Aktivitäten, die nicht von Nutzer Void_Glitch ausgingen. Ziel sei es, „mutwilliger und egoistischer Kompromittierung des Gamecodes zur persönlichen Bereicherung“ einen Riegel vorzuschieben, das Unternehmen lasse sich zudem die Entscheidung über die Veröffentlichung von Informationen nicht von „einzelnen Individuen“ diktieren.

We want to set a new standard of transparency with our community and give our players further insight into the processes in which they are assigned rewards.

Digital Extremes

In der Community stieß das Vorgehen nicht auf Begeisterung. Das Archiv von Void_Glitch wurde von Nutzern als wesentlich erachtet, um das Spiel zu verstehen, Fehler der Entwickler in Patchnotes aufzudecken und zu begreifen, wie und wo sich Gegenstände finden lassen. Exemplarisch und besonders häufig wird die Jagd nach Kubrows, einer Art Haustier, genannt. Die beste Version eines Kubrows ließ sich nicht in Eiern in der Spielwelt finden, sondern nur einer besonderen Variante eines für Platinum gekauften Eis. Hinweise auf diese Besonderheit gab es allerdings nicht. In Anbetracht mehrer ähnlicher Vorfälle, bei denen Dropraten neuer Gegenstände unmittelbar nach der Veröffentlichung weit niedriger lagen als offiziell kommuniziert, sehen Spieler das Data Mining als notwendige Kontrollinstanz – auch wenn sich Digital Extremes auf Bugs berief.

Die Angabe der Dropraten und Belohnungen für Missionen wurde in der Community als gangbarer Kompromiss als Kompensation für das Vorgehen gegen Data Mining erachtet. Dem Vorschlag ist Digital Extremes schnell gefolgt; das Studio hat in Anbetracht der sich anbahnenden massiven Verärgerung die Flucht nach Vorne angetreten und den Beweis geführt, dass es tatsächlich um die Integrität des Spiels und nicht um eine Vernebelungsaktion ging.

Das Ergebnis: Zufriedenheit

Die Reaktion auf diesen Schritt fällt erwartbar positiv aus und stillt das Bedürfnis vieler Spieler nach Informationen. Kritischere Stimmen merken allerdings an, dass die gemachten Einschränkungen dem Versprechen von Transparenz nicht gänzlich gerecht werden und der Entwickler nur einen antizipierten Trend zur Regulation des Marktes zuvorkommt: China hat bereits begonnen, die Beuteverteilung von Lootboxen per Gesetz zu fordern. Für Warframe hat die Regelung zwar keine Bedeutung, da der Titel auf Beuteboxen verzichtet, sie weist aber auf steigende staatliche Aufmerksamkeit für den Free-to-Play-Markt zumindest in einigen Ländern. Diese Entwicklung lässt weitere Vorschriften als wahrscheinlich erscheinen.