ThinkPad X1 Carbon G6: Der Laptop für Batman und Darth Vader im Hands-On

Nicolas La Rocco 91 Kommentare
ThinkPad X1 Carbon G6: Der Laptop für Batman und Darth Vader im Hands-On

Lenovo hat am Dienstag die sechste Generation des ThinkPad X1 Carbon vorgestellt. Das Notebook kommt mit neuen Intel-Prozessoren und einigen raffinierten Features, die es bei der fünften Generation noch nicht gab. Das ohnehin bereits schlichte Design ist jetzt noch stärker geschwärzt – Batman oder Darth Vader würden zugreifen.

Es muss ein interessantes Meeting gewesen sein, als sich Lenovos Entwickler überlegt haben, wie sie das bereits sehr gute ThinkPad X1 Carbon G5 noch weiter verbessern können. Irgendjemand muss die Idee gehabt haben, dass Lenovos ohnehin bereits sehr schwarzes Business-Laptop noch dunkler werden muss. Dabei herausgekommen ist das ThinkPad X1 Carbon G6, das jetzt sogar geschwärzte Lenovo-, ThinkPad- und X1-Carbon-Logos trägt. Für den dunklen Ritter Batman oder Sith Lord Darth Vader wäre dies die perfekte „Farbgestaltung“. Aber auch für Normalsterbliche, die einfach nur schlichte Laptops vorziehen, ist das neue ThinkPad X1 Carbon die richtige Wahl.

Ausgesprochen gut gelingt Lenovo erneut die Verarbeitung des Notebooks. Es sieht nicht nur gut aus, sondern hinterlässt auch einen robusten Eindruck, ohne dabei auf eine professionelle Eleganz zu verzichten. Selbst ein MacBook Pro in Space Grau transportiert diese Kombination nicht so gut wie es Lenovo gelingt. Das matte Finish des Gehäuses aus Kohlefaser-Verbundwerkstoff trägt den größten Teil dazu bei, es sind aber auch viele kleine Details, die „Business“ geradezu schreien, jedoch ohne daraus langweiliges „Büro“ zu machen.

Neues HDR-Display sieht sehr gut aus

Größte Neuerung ist ein High-End-Display mit HDR-Support und bis zu 500 cd/m² Helligkeit. Das Panel deckt den AdobeRGB-Farbraum zu 100 Prozent ab und sieht dank WQHD-Auflösung auf 14 Zoll fantastisch aus. Messgeräte werden später Zahlen sprechen lassen, vor Ort in Las Vegas punktet das neue Display jedoch schon einmal in gleich mehrfacher Hinsicht. Der früheren OLED-Option ist es in jedem Fall überlegen.

Am Gehäuse gibt es gleich mehrere wichtige Veränderungen gegenüber dem letzten Jahr. Auf der linken Seite sitzt jetzt eine Kombination aus Thunderbolt 3 und proprietärem Dock-Anschluss, der nativ für Ethernet ausgelegt ist. Lenovos neues ThinkPad Ultra Dock wird hier angeschlossen, und das soll auch in den kommenden Jahren noch klappen. Wie Lenovo im Gespräch mit ComputerBase erklärte, habe man mit dem neuen ThinkPad X1 Carbon zwar einen harten Schnitt für das Dock vollzogen, der neue Anschluss soll aber für mehrere Generationen beibehalten werden.

Neuer Dock-Anschluss
Neuer Dock-Anschluss

Eine andere Veränderung betrifft die Webcam, allerdings nicht bei jeder verfügbaren Ausstattungsvariante. Aber zunächst einmal von vorne: ThinkShutter nennt Lenovo eine neue Abdeckung der Kamera, die sich per Schieberegler vor die Linse schieben lässt. Ein roter Punkt signalisiert dann, dass die Kamera mechanisch verschlossen ist. ThinkShutter bietet Lenovo aber ausschließlich für die Standard-Webcam an. Wer sich für die IR-Kamera entscheidet, die Windows Hello unterstützt, kann ThinkShutter nicht mit dieser kombinieren. Glücklicherweise bietet Lenovo mit dem Fingerabdrucksensor eine weitere Möglichkeit der biometrischen Authentifizierung für Windows Hello.

ThinkShutter geschlossen
ThinkShutter geschlossen
ThinkShutter geöffnet
ThinkShutter geöffnet

Der Cardreader bleibt extrem nervig

Einen anderen Nachteil am Gehäuse hat Lenovo zudem von der vierten zur fünften und jetzt auch zur sechsten Generation mitgeschleppt: den Cardreader auf der Rückseite. Er ist schlecht positioniert, lässt sich nur bei geöffnetem Display erreichen und muss obendrein auch noch mit einem SIM-Werkzeug oder fummelig per Fingernagel geöffnet werden. Noch dazu nimmt er nur microSD-Karten auf, sodass Fotografen immer mit Adapter arbeiten müssen. Beim neuen Dell XPS 13 ist der SD-Reader zwar ebenfalls weggefallen, der jetzt für microSD ausgelegte ist aber immerhin noch einfach von rechts zu erreichen.

Nichts zu meckern gibt es hingegen an Lenovos Tastatur, dem Touchpad mit drei Tasten und dem roten TrackPoint. Die Eingabegeräte hinterlassen den Eindruck langlebiger Technik. Zumal sich auf den Tasten auch noch ein sehr gutes Tippgefühl einstellt, das nur wenige Hersteller so gut hinbekommen. Außerdem gibt es hier kein lautes Klappern wie bei den aktuellen MacBook-Tastaturen von Apple. Dank mehrstufiger Tastenbeleuchtung steht auch dem Einsatz bei häufig dunklen Pressekonferenzen nichts im Weg.

Im ThinkPad X1 Carbon steckt eine neue Generation von Intel-Prozessoren, genauer gesagt Kaby Lake R, die erstmals Quad-Core-CPUs in die 15-Watt-Klasse bringen. Gegenüber der letzten Carbon-Generation ist mit einem deutlichen Leistungsplus zu rechnen. Für eine diskrete Grafiklösung hat sich Lenovo zum Glück nicht entschieden, diese hätte in Form der MX110 oder MX150 von Nvidia ohnehin keinen Vorteil gebracht und nur den Energieverbrauch nach oben getrieben. Mit bis zu 15 Stunden Laufzeit kann das ThinkPad X1 Carbon G6 ohnehin nicht mit Konkurrenten wie dem Dell XPS 13 mithalten, allerdings sollte der Akku für einen Tag Nutzung ausreichend sein.

Erstes Fazit

Lenovo will die sechste Generation ThinkPad X1 Carbon im April auf den deutschen Markt bringen, hat aber noch keine Konfigurationen und Preise kommuniziert. Schon jetzt lässt sich allerdings sagen, dass Lenovo die neue Generation bis auf wenige Bereiche wieder sehr gut gelungen ist. Kleinere Anpassungen führen im Großen und Ganzen zu einem spürbar besseren Produkt. Der erneut nervige Kartenleser könnte für manchen Interessenten aber ein K.O.-Kriterium sein, etwa für Fotografen. Batman und Darth Vader würden aber wohl alleine schon aufgrund der neuen Farbgestaltung zugreifen.

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