E-Book-Markt: Verkäufe steigen, Umsätze sinken

Michael Schäfer 48 Kommentare
E-Book-Markt: Verkäufe steigen, Umsätze sinken
Bild: haderer17 | CC0 1.0

Entgegen aller Unkenrufen kann sich das digitale Lesen weiterhin auf dem deutschen Verbrauchermarkt behaupten. Doch trotz steigender Absatzzahlen müssen Händler ein deutliches Minus in ihren Kassen hinnehmen. Dies liegt nicht zuletzt am geänderten Nutzerverhalten der Leser.

Dies geht aus einer aktuellen Studie hervor, welche der Börsenverein gemeinsam mit GfK Consumer Panel Media Scope Buch durchgeführt hat. Dieser zufolge stieg der Verkauf von digitalen Bücher am Publikumsmarkt 2017 gemessen zum Vorjahr um 3,9 Prozent, was 29,1 Millionen abgesetzte E-Books bedeutet – eine Million mehr als noch 2016.

Leser investieren mehr in Bücher

Gleichzeitig sank aber der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Prozent sowie die Käuferzahl um 7,7 Prozent von rund 3,5 Millionen auf 3,3 Millionen, was einen Bevölkerungsanteil von 5,2 Prozent (2016: 5,5 Prozent) ausmacht. Dagegen gaben Käufer im Durchschnitt mit 53,13 Euro wieder mehr Geld für ihre digitale Lektüre aus.

Ausgaben pro Buch fallen aber

Die Gründe für den Umsatzrückgang dürften vielfältiger Natur sein: Unter anderem griffen immer mehr Leser zu günstigeren Büchern, was zu einem durchschnittlichen Preis pro Buch von 6,38 Euro und damit zu einem Rückgang von 5,1 Prozent führte. Laut Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, gewinnt das E-Book in Deutschland dennoch weiterhin an Bedeutung, „allerdings macht der Wettbewerb um Zeit und Aufmerksamkeit der Menschen auch vor dieser Editionsform nicht Halt‟.

Verlagerung des Fokus

Die Schlussfolgerung, das E-Book abzuschreiben, wäre auch in anderer Hinsicht ein großer Irrtum: Den erhobenen Zahlen der Studie liegen in den meisten Fällen nur Verkäufe von Büchern des Verlagshandel zugrunde – Titel von selbstverlegenden Autoren, welche ihre Bücher auf Plattformen wie Kindle Direct Publishing (KDP) von Amazon, Tolino Media oder Books on Demand (BoD) veröffentlichen, fließen nur wenig bis überhaupt nicht in die Zahlen ein. Dabei erfreut sich diese Publikationsform in den letzten Jahren aufgrund der anhaltenden Professionalisierung und der damit stetig gestiegenen Qualität einer immer größerer Beliebtheit. Der Rückgang der Preise, welche die Käufer bereit sind für ein Buch zu zahlen, könnte ein weiteres Indiz für die Entwicklung darstellen, denn in den meisten Fällen fallen die Preise für Selfpublishing-Titel deutlich günstiger aus.

Verleih als weiterer Grund

Darüber hinaus haben aber auch Verleihdienste ihren Teil zur Entwicklung beigetragen: Neben der Onleihe, auf welche über die öffentlichen Büchereien und Bibliotheken zugegriffen werden kann, gibt es mittlerweile zahlreiche weitere Möglichkeiten für neue Inhalte: Alleine Amazon führt aktuell mit Kindle Unlimited, Kindle Prime Reading und der Kindle Leihbücherei gleich drei verschieden ausgelegte Angebote ins Feld, Tolino hat im Oktober des letzten Jahres mit einer kuratierten E-Book-Flatrate nachgezogen.