Fortnite Battle Royale: Pro7 setzt auf Killerspiel-Panikmache

Max Doll 275 Kommentare
Fortnite Battle Royale: Pro7 setzt auf Killerspiel-Panikmache
Bild: Epic Games

Fortnite erreicht mittlerweile mehr als 20 Millionen Spieler. Der Massenerfolg bringt dem Spiel auch die Aufmerksamkeit von Pro7 ein. Das Urteil des rund zweiminütigen Beitrages der Newstime-Sendung ist vorhersehbar: Der Sender setzt auf Killerspiel-Panikmache und Sensationalismus.

In dem Beitrag (ab 9:12), dessen Transkript am Ende der Meldung zu finden ist, wird zu dem üblichen Instrumentarium reißerischer Boulevard-Artikel gegriffen. So wird etwa behauptet, der Titel sei der „Renner auf deutschen Schulhöfen“. Belastbare Zahlen zum durchschnittlichen Alter der Spieler allerdings gibt es nicht, dass sich das Spiel mit Comic-Grafik und einfacheren Mechaniken tendenziell attraktiver für jüngere Spieler wird, kann nur ein Indiz für seine Popularität in dieser Altersklasse sein.

Zahlen stammen nicht von Epic Games

Dass „Millionen Jugendliche“ sich für die Smartphone-Version des Shooters angemeldet hätten, ist kaum mehr als Wunschdenken: Weder hat Epic Games Anmeldezahlen für die Version noch Angaben zur Alterszusammensetzung veröffentlicht – und lediglich eine Bewerbungsphase für einen geschlossene Beta-Test mit begrenzter Teilnehmerzahl angekündigt. Dass in Kürze Millionen (weiterer) Kinder ein brutales Gewaltspiel auf ihrem Handy spielen, ist ein Bild, das mit der Wirklichkeit wenig zu tun hat.

Dazu kommt eine suggestive Wortwahl. „Nur wer andere abknallt überlebt, zumindest online“ heißt es, das Spiel wird im Folgenden als „wildes Gemetzel“ bezeichnet und bereite „vielen Eltern Sorgen“, formuliert Pro7 in bestem Sensationalismus. Zumindest die letzte Aussage lässt sich aber rudimentär in der Wirklichkeit verankern: Auf Reddit gibt es eine Auswahl von Threads, in der die Eignung des Spiels für Kinder diskutiert wird. Von Sorge ist dort allerdings nichts zu sehen – sofern nicht Beiträge anderer Boulevard-Medien ähnlicher Aufmachung gemeint sind, die solche Sorgen bei uninformierten Zuschauern erzeugen. Dann allerdings würde dem Beitrag eine Art Zirkelschluss zu Grunde liegen.

Entstellte Aussagen

Außerdem behauptet Pro7, Battle Royale sei gewalttätiger als Fortnite und durch die Lücken des Jugendschutzgesetzes gerutscht, weil sich dieses im Internet nicht durchsetzen lasse. Um den zweiten Punkt zu belegen, wird die USK zitiert, die sich allerdings nur zur Durchsetzung des Jugendschutzrechtes allgemein äußert, für ersteren Aspekt eine Expertin der Initiative Spieleratgeber NRW. Diese erklärt allerdings nur, das Spiel könne zu „Stress“ und „Ärger“ führen, wenn man kurz vor dem Sieg von einem anderen Spieler getötet werde. Diese letztlich banale, weil universelle Beobachtung hat nicht nur nichts mit den vermeintlichen Äußerungen von Jugendschützern zu tun, sondern wird von Frau Scholz zurückgewiesen.

In einer Stellungnahme des Spieleratgebers NRW wird klargestellt, dass ein „längeres Interview“ mit Pro7 geführt wurde, und „aus dem umfangreichen Material ein Satz herausgerissen und [...] in einen von uns nicht beabsichtigten Kontext gestellt“ wurde. Battle Royale „orientiert sich in der Darstellung der gewalthaltigen Inhalte an dem Hauptspiel“, das durch die USK „als unbedenklich eingestuft“ wurde.

Verwiesen wird auch auf die eigene Einschätzung, laut der ein fiktives Setting, die detailarme Darstellung von Gewalt und den Cartoon-Stil eine Altersempfehlung von 14 Jahren angemessen vergeben wurde. „Aus diesem Grund distanzieren wir uns an dieser Stelle von dem Kontext des Berichts 'Eltern warnen zu wollen' oder 'Alarm zu schlagen'“, schreibt der Spieleratgeber NRW.

Tendenziöse Panikmache

Die Berichterstattung kann in Anbetracht dieser Vorgehensweise schwerlich auf seriöse Auseinandersetzung gezielt haben. Der Cartoon-Look und die vermeintliche Zielgruppe allerdings haben das Potential zur Skandalisierung bei weniger technik- und spieleaffinen Konsumenten, weil sich durch den Bezug zu schützenswerten Kindern ein Bedrohungsszenario erzeugen lässt. Dieses kann Pro7 allerdings nicht einmal durch die kurzzeitig eingeblendeten Spielszenen ernsthaft vermitteln. Qualitativ steht der Beitrag so in bester Tradition alter Killerspiel-Berichte, in denen schon einmal behauptet wurde, man könne in Counter Strike auf Schulmädchen schießen.

Moderatorin: Millionen Jugendliche üben sich derzeit im Überlebenskampf. Nur wer andere abknallt überlebt, zumindest online. Das Computerspiel Fortnite Battle Royale ist der Renner auf deutschen Schulhöfen. Weltweit gibt es mehr als 20 Millionen Nutzer und jetzt schlagen Jugendschützer Alarm.

Off-Stimme: Direkt nach dem Absprung beginnt der Überlebenskampf, 100 Spieler, jeder gegen jeden, bis Einer übrig bleibt. Fortnite Battle Royale als wildes Gemetzel, das die Jugend im Sturm erobert. Allein 2 Millionen Spieler sind in den letzten 2 Wochen weltweit dazugekommen.

Spieler 1: Für mich ist das einfach geil, weil einfach mal andere Kinder, andere Altersgruppen mal spielen können, weil das eine etwas kindlicher gehaltene Grafik ist.

Spieler 2: Gegeneinander kämpfen und nur einer überlebt, das ist schon eine gewisse Herausforderung und das macht schon Spaß.

Off-Stimme: Spaß am Tötungsszenario, das vielen Eltern Sorgen bereitet. Die Grundversion ist ab Zwölf Jahren im Handel zu kaufen, der wesentlich brutalere Online-Ableger aber kann frei online gespielt werden. Jugendschützer schlagen Alarm.

Linda Scholz (Initiative Spieleratgeber NRW): Alleine dieser Modus an sich „Ich muss jetzt alle eliminieren“, das kann zu Stress führen, das kann zu Ärger führen, wenn ich vielleicht der Vorletzte nur noch war und dann kurz vorm Sieg von jemandem quasi digital ermordet wurde.

Off-Stimme: Über das geprüfte Basisspiel werden viele Kinder und Jugendliche zur heftigen online-Variante gelockt, ohne Alterskontrolle wie im Ladenverkauf.

Uwe Engelhard (USK): Im Internet ist das nicht der Fall. Das ist natürlich keine leichte Aufgabe, weil das Internet ist global, Zeit, räumlich nicht getrennt, nationale Gesetze sind hier auch schwer umzusetzen.

Off-Stimme: Heißt: Der Jugendschutz ist hier Sache der Eltern. Sperrsoftware und offene Gespräche können helfen. In wenigen Tagen kann das Spiel auch kostenlos auf Smartphones gespielt werden. Millionen Jugendliche haben sich schon jetzt dafür angemeldet.

Pro7 Newstime