Iron Harvest: Strategiespiel im „1920+“-Universum auf Kickstarter

Max Doll 38 Kommentare
Iron Harvest: Strategiespiel im „1920+“-Universum auf Kickstarter
Bild: KING Art Games

Echtzeit-Strategiespiele sind fast zu einem Nischengenre verkommen. Für Nachschub will das in Bremen ansässige Studio King Art Games mit Hilfe von Kickstarter sorgen. Iron Harvest soll, wie andere Crowdfunding-Spiele, vor allem die Bedürfnisse von Genrefans und nicht unbedingt die eines Massenpublikums bedienen.

Vorlage für das Spiel ist das schon im Brettspiel Scythe genutzte „1920+“-Universum des polnischen Künstlers Jakub Różalski, das den polnisch-sowjetischen Krieg (1919-1921) als Inspiration nimmt. Das Setting stellt einer ländlichen Agrargesellschaft rasche technische Innovation unter anderem in Form von Mechs gegenüber, die in das tägliche Leben der Bewohner einfließen und als Überreste auf den Schlachtfeldern zu finden sind. Der Erste Weltkrieg hat hier allerdings eine andere politische Landschaft erzeugt.

Einzelspieler-Kampagne für drei Fraktionen

Neben der polnischen Republik existiert das tsaristische Russland weiterhin, während sich in Deutschland das Königreich Sachsen als unabhängiges Reich etabliert hat. Diese drei Fraktionen sollen von „geheimen Kräften“ in einen neuen großen Krieg getrieben werden, was Spieler in drei, sich über 20 Stunden Spielzeit erstreckenden Kampagnen verhindern sollen. Die drei Parteien kommen insgesamt auf mehr als 40 Einheiten und schicken neun Helden ins Gefecht. Diese Heldenfiguren verstehen die Entwickler als taktische Werkzeuge, nicht als übermächtige Super-Einheiten.

Feste Säule des Spielprinzips soll es sein, ein taktisches Spiel zu schaffen, das das Entwickeln und Umsetzen einer Strategie und weniger eine hohe Klickfrequenz belohnt. Der Start einer Partie wird, erklären die Entwickler, deshalb zunächst aus dem Aufbau einer Basis und Planungen bestehen. Auf den Schlachtfeldern wird es zudem ein Deckungssystem geben, das an Company of Heroes erinnert, sowie eine nahezu vollständig zerstörbare Umgebung. Nutzlose oder übermächtige Einheiten, kündigen die Entwickler an, wird es nicht geben; einfache Soldaten können sich auf dem Schlachtfeld etwa Waffen aneignen, um Spezialfertigkeiten und Feuerkraft zu gewinnen.

Kickstarter sichert Entwicklung nicht

Während das Konzept überzeugend klingt, hat das Finanzierungsmodell einen Haken. Die bei Kickstarter angefragten 450.000 US-Dollar sollen lediglich die Finanzierung der Kampagne sichern. Skirmish-, Challenge- und Mehrspieler-Modus sind lediglich Zusatzziele bis hinauf zu einer Million US-Dollar, eine DLC-Kampagne wird für 1,5 Millionen US-Dollar versprochen. Die Zusatzmissionen sollen etwa den Umfang der „Tiger-Ass“-Kampagne aus Company of Heroes: Tales of Valor haben und erst nach Veröffentlichung des Hauptspiels entwickelt werden.

King Art Games gibt an, bereits rund eine Million US-Dollar aus eigenen Mitteln, die aus drei vorhergehenden Kickstarter-Kampagnen für Battle Worlds: Kronos, The Book of Unwritten Tales 2 und Die Zwerge entstammen, investiert zu haben. Laut den Beschreibungen des Teams konnte damit die Pre-Production-Phase abgeschlossen und eine spielbare Demo erstellt werden. Die Gesamtkosten für das Projekt werden allerdings auf 5,2 Millionen US-Dollar geschätzt. Für die nach der Kickstarter-Phase fehlende Summe soll ein Publisher aufkommen, allerdings zu den Bedingungen des Teams. Ein solcher muss jedoch noch gefunden werden.

Kosten: 45 US-Dollar

Das fertige Spiel erhalten Unterstützer der Kampagne ab einem Beitrag von 45 US-Dollar. Das den Planungen zufolge erst im letzten Quartal 2019 fertige Spiel soll für Windows-10-PCs, die Xbox One und die PlayStation 4 erscheinen, die im Kaufpreis inbegriffene Beta-Phase aber nur auf dem Rechner angeboten werden. Die Entwickler betonen, dass, sollten plattformspezifische Anpassungen am Gameplay nötig sein, nicht der kleinste gemeinsame Nenner gesucht wird – in diesem Fall erhalten Spieler auf Konsolen eine andere Version des Titels. Eine Portierung auf Linux und Mac soll zu einem späteren Zeitpunkt evaluiert werden.

Update 15.03.2018 14:11 Uhr

Das anvisierte Finanzierungsziel ist rund 36 Stunden nach Beginn der Finanzierungsrunde erreicht worden. Auch den New-Game-Plus-Modus haben Unterstützer bereits freigeschaltet. In einem Update äußern sich die Entwickler zudem zu häufig gestellten Fragen. Erläutert wird, dass Iron Harvest wie bisherige Builds sehr wahrscheinlich unter Windows 7 und 8.1 lauffähig sein werde, diese Betriebssysteme bis zur Veröffentlichung aber nicht mehr offiziell von Microsoft oder den Anbietern von genutzter Middleware unterstützt werden.

Außerdem betonen die Entwickler, dass unabhängig vom Erreichen der Zusatzziele das gesamte Spiel inklusive Multiplayer-Modus veröffentlicht werden soll. Die zusätzlichen Spielmodi seien von Publishern in ersten Gesprächen im vergangenen Jahr gefordert worden. Es gehe nur darum zu bestimmen „wer für sie [die Modi] zahlt und wer bestimmt, wie sie implementiert werden“.