CrossFire & SLI: Früher meist schnell, heute meist schlecht 2/2

Wolfgang Andermahr 275 Kommentare

Ein genauer Blick auf die Frametimes und Mikroruckler

Die genauen Frametime-Messungen zeigen das Problem noch viel deutlicher als die Percentile-Angaben. Alle Spiele weisen mit CrossFire sehr unregelmäßige Frametimes auf – mal mehr oder weniger, doch durchweg problematisch. Mit am gleichmäßigsten sind die Frametimes in Far Cry 5 und Mittelerde: Schatten des Krieges. Allerdings sind auch bei diesen zwei Titeln gelegentliche Ruckler zu vernehmen – trotz guter Framerate. In Far Cry 5 gerät zudem eine einzelne Grafikkarte kurz „außer Kontrolle“, doch ist das dem Spiel und nicht der Hardware geschuldet. Dies geschieht bei vollen Details unabhängig von dem Beschleuniger.

Am schlimmsten sehen die Frametimes mit zwei Grafikkarten in Kingdom Come: Deliverance und Star Wars: Battlefront 2 aus. Ersteres ist mit zwei Beschleunigern des Typs Radeon RX Vega 64 völlig unspielbar, da die Frameausgabe extrem schwankend und zudem langsam ist. In Battlefront 2 ist die Frameausgabe an sich zwar sehr schnell und auch klar schneller als mit nur einer Grafikkarte, doch gibt es immer wieder deutliche Hänger von 100 ms und mehr. Das ist so nicht spielbar.

Die SLI-HB-Brücke macht in Ultra HD einen Unterschied

Bei SLI zeigt sich genau dieselbe Problematik, die jedoch vor allem beim Einsatz einer SLI-HB-Brücke nicht so enorm ausfällt. So weist Far Cry 5 unabhängig von der Brücke noch mit die besten Frametimes auf, doch lässt sich auch dort gelegentlich ein Ruckler spüren. Dasselbe gilt für Kingdom Come: Deliverance. Hartgesottene können so zwar spielen, mit einer einzelnen GeForce GTX 1080 ist das Spielgefühl aber klar besser.

Star Wars: Battlefront 2 zeigt mit einer normalen SLI-Bridge katastrophale Frametimes und ist unspielbar. Mit einer SLI-HB-Bridge sind diese dagegen deutlich besser und zu einem Großteil der Szene fast auf dem Niveau einer einzelnen Grafikkarte – folglich durchaus spielbar. Auch Mittelerde: Schatten des Krieges hat weniger Ausreißer in der Frameausgabe mit einer SLI-HB-Bridge, bleibt aber grundsätzlich unspielbar.

Viele Spiele laufen nur auf einer GPU oder mit Fehlern

Es war gar nicht so einfach, geeignete Spiele für diesen Artikel zu finden, denn viele können heutzutage schlicht nicht mehr mit CrossFire oder SLI umgehen. Auch solche, von denen man es aufgrund des Entwicklerstudios eigentlich vermuten könnte, nicht. Assassin's Creed Origins und Wolfenstein 2 sind solche Fälle. Viele weitere AAA-Spiele unterstützen mittlerweile kein Multi-GPU mehr.

Noch schlimmer sieht es bei E-Sport-Titeln aus. Fortnite, PUBG und einige andere unterstützen die Technologie nicht. Overwatch ist eine der wenigen Ausnahmen. Auch bei neuen Mainstream-Spielen abseits von AAA und E-Sport sieht es schlecht aus. So haben die meisten neuen Titel wie Jurassic World Evolution noch nie etwas von CrossFire oder SLI gehört.

Mit CrossFire zeigen sich auch Grafikfehler

Und selbst wenn ein Spiel Multi-GPU formal unterstützt, muss es nicht garantiert mit zwei GPUs funktionieren. So ist die Performance von Star Wars: Battlefront 2 mit AMDs CrossFire zwar ordentlich, doch wird Luke Skywalkers Lichtschwert gar nicht erst gerendert. Man sieht die Halterung der Waffe und die Spiegelungen auf diversen Objekten, das eigentliche Lichtschwert aber nicht.

Ähnlich ist das grafische Erlebnis in Kingdom Come: Deliverance mit CrossFire. Dort werden zum Beispiel manche Objekte offenbar nur auf einer GPU gerendert, auf der anderen dagegen nicht. Und da jede GPU abwechselnd ein Bild berechnet, verschwinden manche Objekte andauernd und tauchen dann wieder auf. Da spielt es schon keine Rolle mehr, dass CrossFire nur in 1.920 × 1.080 schneller läuft und bei höheren Auflösungen teils lediglich ein Viertel der Single-GPU-Performance liefert.

Fazit

Man muss es so knallhart sagen: Sowohl CrossFire als auch SLI hinterlassen in modernen Spielen einen schlicht katastrophalen Eindruck. Dass beide Hersteller keinen Fokus mehr auf deren Entwicklung legen, wird offensichtlich. Dass SLI noch etwas besser abschneidet als CrossFire macht da schon fast keinen Unterschied mehr.

CrossFire schafft mit zwei Radeon RX Vega 64 das Kunststück, einzig in einem von fünf Spielen ein besseres Erlebnis zu erzielen als mit einer Grafikkarte. In den vier anderen Titeln läuft ein Single-GPU-System deutlich runder. Die Radeon RX 580 schneidet etwas besser ab und kommt auf immerhin zwei Spiele, die performanter laufen. Abgesehen von Leistungsproblemen zeigen sich auf zwei Radeon-Beschleunigern auch einige durchaus interessante bis lustige Grafikfehler. Die machen den Kohl aber auch nicht mehr fett.

Mit einer SLI-HB-Brücke geht es deutlich besser als mit einer einfachen Brücke

Bei Nvidias SLI muss unterschieden werden: Zwei GeForce GTX 1080 mit einer klassischen SLI-Brücke arbeiten ähnlich schlecht wie AMDs Vega-64-Modelle. Deutlich besser funktioniert der Multi-GPU-Betrieb mit einer rund 20 bis 35 Euro teuren SLI-HB-Brücke (Test), die eine höhere Bandbreite liefert. Sowohl bezüglich der Framerate als auch der Frametimes erzielt SLI so deutlich bessere Ergebnisse. Zumindest drei Spiele funktionieren tatsächlich besser, allerdings ist der Leistungsgewinn gering.

CrossFire und SLI im Vergleich
CrossFire und SLI im Vergleich

Abseits von Triple-A-Titeln – und selbst dann gibt es viele, die mit Multi-GPU nicht umgehen können – steht man mit CrossFire und SLI mittlerweile auf gänzlich verlorenem Posten. Die beliebten E-Sport-Spiele Fortnite und PUBG können zum Beispiel weder mit CrossFire noch mit SLI umgehen. Das ist schlussendlich vielleicht aber auch gut so. Wie die genaue Analyse der Frametimes zeigt, gibt es in vielen Spielen Mikroruckler. Und die will in E-Sport-Titeln nun wahrlich keiner haben.

CrossFire und SLI sind keinesfalls mehr empfehlenswert

Lange Rede, kurzer Sinn: Heutzutage sollten unter keinen Umständen mehr mit zwei Grafikkarten geplant werden, egal ob es sich um CrossFire oder um SLI handelt. Eine einzelne, dafür stärkere Grafikkarte wird schlussendlich immer schneller sein und ein besseres Spielergebnis liefern. Das theoretische Maximum von zwei GPUs wird schließlich selbst im Idealfall nirgendwo auch nur annähernd erreicht, Probleme gibt es dagegen zuhauf. Wer viel spielt und schon zwei Grafikkarten einsetzt, sollte gar überlegen, auf ein einzelnes Modell zurückzukehren.

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