Nano Memory Card: Huaweis NM Card hat es als neuer Standard nicht leicht

Nicolas La Rocco 73 Kommentare
Nano Memory Card: Huaweis NM Card hat es als neuer Standard nicht leicht

Zur Ankündigung des Mate 20 und Mate 20 Pro hat Huawei diesen Dienstag auch das eigene Speicherkartenformat NM Card vorgestellt. Es ist kleiner als eine microSD-Karte und lässt sich im Schacht einer Nano-SIM-Karte unterbringen. Die für neue Standards zuständige SD Association setzt vorerst aber weiter auf SD Express und SDUC.

Nano Memory Card oder kurz NM Card nennt Huawei sein eigens entwickeltes Format für kleinere Speicherkarten, die die seit gut 15 Jahren verwendeten microSD-Karten ablösen sollen. NanoSD Card dürfen die Karten nicht heißen, da sie kein offizieller Standard der SD Association sind. NM Cards sind 45 Prozent kleiner als microSD-Karten und setzen keinen angepassten SIM-Schacht mehr voraus, der unterschiedlich große Speicher- und SIM-Karten aufnehmen muss. Da die NM Card das Nano-SIM-Format hat, lässt sie sich in einem doppelstöckigen Nano-Schacht unterbringen.

NM Card schafft 70 MB/s und 80 MB/s

Huawei bietet die NM Card mit Kapazitäten von 64 GB, 128 GB und 256 GB an, offizielle Preisangaben gibt es nicht, der freie Handel nimmt für das Modell mit 128 GB derzeit zwischen 48 und 65 Euro. Huawei gibt für die Karte eine maximale Leserate von 90 MB/s, in einem kurzerhand durchgeführten Test der 128-GB-NM-Card in einem Mate 20 Pro erreicht die Karte eine Leserate von 70 MB/s und eine Schreibrate von 80 MB/s.

Toshiba soll an Entwicklung beteiligt sein

Geht es nach Huawei, soll sich die NM Card als neuer Standard etablieren und langfristig gesehen die microSD-Karte ersetzen. Wer neben Huawei noch hinter der NM Card steht, ist von offizieller Seite bisher nicht bekannt gegeben worden, die Seite GSM Arena berichtet, dass Toshiba an der Entwicklung beteiligt gewesen sein soll. Wer die Speicherkarten für Huawei produziert, ist nicht bekannt, auf einer ComputerBase vorliegenden Verpackung wird Taiwan als Produktionsland genannt.

NM Card ist kein Standard der SD Association

Für neue Speicherkarten-Standards ist die SD Association zuständig, dessen leitendes Gremium an der Spitze Firmen wie Canon, Kingston, Micron, Panasonic, Phison, Samsung, SanDisk, Sony und auch Toshiba bilden. Zu den eine Stufe tiefer angesiedelten Vorstandsmitgliedern zählen unter anderem Casio, Fujifilm, Hitachi, Intel, Microsoft, Nvidia und Huawei. Das Unternehmen hat somit durchaus Möglichkeiten, die NM Card als neuen Standard gegenüber der SD Association vorzuschlagen.

Ein Sprecher der SD Association sagte ComputerBase auf Nachfrage, dass der Verband derzeit nicht die Arbeiten an einem neuen Standard bestätigen könne. Die SD Association werde sich zu neuen Standards erst äußern, wenn deren Spezifikationen festgelegt seien. Den Fokus legt der Verband derzeit auf SD Express mit deutlich schnellerer PCI-Express-Anbindung und NVMe-Protokoll. Mit SD Ultra Capacity (SDUC) gibt es zudem eine Aufstockung der maximalen Kapazität von derzeit 2 TB auf 128 TB.

Keine NM Cards von anderen Herstellern

Abseits von Huawei gibt es von namhaften Speicherkarten-Herstellern wie Adata, Lexar, Kingston, Samsung oder SanDisk derzeit noch keine NM Cards, selbst das angeblich in die Entwicklung involvierte Unternehmen Toshiba setzt noch nicht selbst auf das neue Format. Die Seite AndroidPIT zitiert einen Sprecher von SanDisk und Western Digital mit der Aussage: „Die Nano Memory Card ist aktuell kein offizieller Standard der SD Association. Als Gründungsmitglied der SDA beobachten wir natürlich alle Formate am Markt und unterstützen Innovation und Weiterentwicklungen im Bereich der Speicherkarten. Bevor jedoch ein offizieller Standard verabschiedet ist, werden wir unser weiteres Vorgehen nicht final entscheiden." Huawei ist global gesehen zwar der zweitgrößte Smartphone-Hersteller, mit der Etablierung eines neuen Standards für besonders kompakte Speicherkarten wird es Huawei nach aktuellem Stand dennoch nicht einfach haben.