Mate 20 Pro im Hands-On: Huawei setzt die Messlatte noch ein Stück höher

Nicolas La Rocco 247 Kommentare
Mate 20 Pro im Hands-On: Huawei setzt die Messlatte noch ein Stück höher

tl;dr: Mit dem Mate 20 Pro schickt Huawei das nächste Flaggschiff-Smartphone ins Rennen. Es bietet eine Weiterentwicklung der vom P20 Pro bekannten Triple-Kamera und den zur IFA vorgestellten Kirin 980. Erstmals gibt es einen Fingerabdrucksensor im Display und eine Huawei-Version von Apples Face ID. Der Preis liegt bei 999 Euro.

Neue Triple-Kamera mit Ultraweitwinkel

Huaweis neue Triple-Kamera weist viele Ähnlichkeiten zu der des P20 Pro auf, im Detail verzichtet Huawei nun jedoch auf den seit vielen Jahren verbauten Schwarz-Weiß-Sensor und stattet das Smartphone stattdessen mit einem Ultraweitwinkelobjektiv aus. Die Brennweite von 16 mm Kleinbild-Äquivalent sorgt dafür, dass Anwender bei gleichem Abstand deutlich mehr mit der Kamera einfangen können. Von Huawei zur Präsentation gezeigte Beispielaufnahmen weisen kaum Verzerrungen am Bildrand auf. Hinter der f/2.2-Optik sitzt ein Sensor mit einer Auflösung von 20 Megapixel.

Die Hauptkamera ist hingegen vom P20 Pro (Test) bekannt und bietet 40 Megapixel und eine f/1.8-Optik mit 27 mm Kleinbild-Äquivalent. Die volle Auflösung muss erneut manuell über die Einstellungen abgerufen werden, da Huawei den mit 1/1,7 Zoll ohnehin schon sehr großen Sensor für ein 4:1-Pixel-Binning auf 10 Megapixel nutzt, um noch mehr Licht einzufangen.

Das ist auch der Grund dafür, warum Huawei jetzt auf den Schwarz-Weiß-Sensor verzichtet, der bisher dafür verantwortlich war, ohne Bayer-Matrix für zusätzliches Licht zu sorgen, das als Teil des hybriden Aufbaus der aus bis zu drei Objektiven generierten Aufnahmen genutzt wurde. Der große Hauptsensor mit 4:1-Pixel-Binning übernimmt diese Aufgabe nun alleine.

Wieder mit dabei ist als dritte Optik das Teleobjektiv mit 80 mm Brennweite Kleinbild-Äquivalent, das somit im Vergleich zur Hauptkamera einen dreifachen Zoom bietet. Der dahinter liegende Sensor arbeitet erneut mit 8 Megapixel und wird als einziger der drei von einem optischen Bildstabilisator unterstützt. Ein hybrider Zoom-Modus aus optischem und digitalem Zoom ermöglicht bis zu 135 mm Kleinbild-Äquivalent.

Die bereits vom P20 Pro bekannte automatische AI-Szenenerkennung gibt es auch im Mate 20 Pro, nun soll sie allerdings dank der Unterstützung durch den leistungsfähigeren Kirin 980 und dessen Dual-NPU präziser arbeiten. Und neuerdings lässt sich die künstliche Intelligenz auch für Videos verwenden, hier allerdings rein manuell als Echtzeit-Filter. So lässt sich zum Beispiel nur die Person im Vordergrund in Farbe inszenieren, während das restlich Video in Schwarz/Weiß aufgenommen wird. Darüber hinaus bietet Huawei mehrere Farbfilter, die in Echtzeit angewandt werden können.

Kirin 980 aus 7-nm-Fertigung

Die Leistung für die AI-Berechnungen stellt der Kirin 980 bereit, den das Unternehmen bei TSMC in 7 nm fertigen lässt. Nach dem A12 Bionic im iPhone Xs (Test) ist der Kirin 980 das zweite 7-nm-SoC in einem Smartphone. Die Huawei-Tochter HiSilicon setzt dieses Mal auf einen Big-Middle-Little-CPU-Aufbau aus drei unterschiedlich getakteten Kern-Typen. Zwei Big-Kerne des Typs Cortex-A76 liefern bis zu 2,6 GHz, zwei Middle-Kerne des Typs Cortex-A76 kommen auf bis zu 1,92 GHz und die vier Little-Kerne des Typs Cortex-A55 arbeiten mit bis zu 1,8 GHz.

Durch diesen Aufbau soll die Effizienz gegenüber dem Kirin 970 um 58 Prozent verbessert worden sein, während gleichzeitig eine um bis zu 75 Prozent höhere Leistung geboten wird. Neben der schnelleren CPU hat HiSilicon auch die GPU aufgebohrt, die nun mit der Mali-G76 MP10 ein Plus von 46 Prozent gegenüber der Mali-G72 MP12 bietet. Bei ARMs neuer GPU-Bezeichnung entspricht eine Recheneinheit zwei der vorherigen Generation, die mit MP10 vermeintlich schwächere Bezeichnung täuscht.

Die AI-Fähigkeiten des Chips werden über eine neue Dual-NPU (Neural Processing Unit) mit 120 Prozent höherer Leistung als im Vorjahr abgewickelt. Zum einen soll die Objekterkennung und Segmentierung nun deutlich präziser arbeiten, zum anderen können nun auch Videos in Echtzeit bereits im Sucher der Kamera verändert werden.

Android 9 Pie mit EMUI 9.0

Das Mate 20 Pro ist das erste Huawei-Smartphone mit Android 9 Pie ab Werk. Es wird zudem direkt mit dem Huawei-Aufsatz EMUI 9.0 veröffentlicht, den das Unternehmen zur IFA Anfang September vorgestellt hatte. EMUI 9.0 setzt weniger auf große optische Veränderungen, sondern räumt vor allem die vielen Menüs auf und reduziert dabei die Anzahl der Optionen, um die Übersicht zu verbessern. Huawei verspricht im Vergleich zu EMUI 8.0 eine flüssigere Bedienung und durch die Bank schnellere App-Starts.

Android 9 Pie mit EMUI 9.0 ist neben dem Mate 20 Pro auch für das P20 und P20 Pro, Mate 10 und Mate 10 Pro sowie die Honor-Smartphones 10, View 10 und Play geplant.

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