Prozessorgerücht: Intel widerspricht Einstellung der 10-nm-Fertigung

Aljoscha Reineking 280 Kommentare
Prozessorgerücht: Intel widerspricht Einstellung der 10-nm-Fertigung
Bild: pixabay.com | CC0 1.0

Intels offizielle Planung nennt erste Serienprodukte aus der 10-nm-Fertigung mittlerweile für Ende 2019. Das wäre vier Jahre später als ursprünglich geplant. Doch einem inoffiziellen Bericht zufolge wird es auch dazu nicht mehr kommen: Intel soll nach Jahren der Verspätung die Reißleine gezogen haben, 10 nm kommt nicht mehr.

Das berichtet zumindest Charlie Demerjian von SemiAccurate, der über die vergangenen Jahre wiederholt kritisch über die von Intel vermeldeten Fortschritte bei der Fertigung berichtet und sich dabei auf eigene Quellen im Unternehmen bezogen hatte. Bereits im Juni hatte es über Twitter Gerüchte darüber gegeben, dass Intel mit 10 nm abgeschlossen haben könnte.

Überarbeitete 14-nm-Technologie als Ersatz für 10-nm-Fertigung

Intel hat die Fertigung in der 10-Nanometer-Klasse bereits mehrfach verschoben. Offiziell liegt Intel zwar im Zeitplan bei der Einführung der 10-nm-Technologie, inoffizielle Roadmaps prognostizierten die CPUs allerdings für einen deutlich früheren Zeitpunkt. Darüber hinaus hat Intel die 14-nm-Fertigung deutlich länger fortgeführt als erwartet und bezeichnet diese in dritter Generation als „14-nm++“, was als weiteres Indiz für Probleme bei der 10-nm-Fertigung gesehen wird.

10 nm waren zum Scheitern verurteilt

Nachdem das Unternehmen über Jahre versucht hatte, den ursprünglich geplanten Prozess für die Serienfertigung fit zu machen, soll inzwischen die Einsicht eingekehrt sein, dass das auch mit dem weiteren Einsatz von Zeit und Kapital nicht möglich gewesen wäre. Wie SemiAccurate bereits seit Monaten prognostiziert, hat Intel deshalb nun endgültig die Reißleine gezogen und die 10-nm-Fertigung komplett aufgeben um die kommenden Quartalszahlen nicht unnötig zu belasten. Die Abkehr von der 10-nm-Fertigung könnte sich allerdings negativ auf den Aktienkurs des Unternehmens auswirken, da die Fertigung bereits gegenüber den Investoren als gewinnbringend angekündigt wurde.

Neueinstieg in der „viel einfacheren“ 7-nm-Fertigung

Um aus der Entwicklung der 10-nm-Technologie noch Profit zu schlagen und gleichzeitig die neue Fertigung in der 7-Nanometer-Klasse voranzutreiben, könnte Intel Teile der 10-nm-Technologie auch in den kommenden Prozessoren mit offiziell 7-nm-Strukturbreite einfließen lassen, heißt es. Detaillierte Informationen liegen hierzu aber noch nicht vor.

Ex-CEO Krzanich hatte allerdings bereits im Mai 2018 erklärt, die Verwendung der neuen EUV-Belichtungsmaschinen von ASML ermögliche bei 7 nm vieles, was klassische Scanner vor Probleme stellt und Intels 10-nm-Fertigung immer wieder torpediert hätten. Bei 7 nm, so Intels Versprechen an die Aktionäre, solle dies nicht geschehen und die Fertigung gleichzeitig „viel einfacher“ werden.

Core i3-8121U: Intels erste und einzige 10-nm-CPU

Mit dem Core i3-8121U ist zwar bereits eine in 10 nm gefertigte Cannon-Lake-CPU für den Notebook-Sektor vorgestellt verfügbar, bislang handelt es sich aber um den einzigen Prozessor der Fertigungstechnologie von Intel – dessen GPU darüber hinaus nicht funktionsfähig und deshalb nicht im Einsatz ist. Obwohl Intel eine komplett neue CPU-Generation mit neuer Fertigung mit dem Prozessor einführte, wurde dem Prozessor auch deshalb kaum Aufmerksamkeit gewidmet.

Update 22.10.2018 17:45 Uhr

Sehr schnell hat Intel auf den Report reagiert und eine kurze Stellungnahme via Twitter verbreitet. Darin widerspricht der Hersteller dem Bericht und wiederholt die Aussagen der letzten Wochen.