Mikrotransaktionen: Live-Service lukrativer als Spieleverkäufe

Max Doll 141 Kommentare
Mikrotransaktionen: Live-Service lukrativer als Spieleverkäufe
Bild: Dareedevokl

Gemäß den Marktforschern von DFC sind Live-Service-Angebote die wichtigste Einnahmequelle von Spielepublishern und für Investoren attraktiv. Einnahmen aus dem Verkauf der eigentlichen Spiele sind demgegenüber auf dem Weg in die Nachrangigkeit.

Dies zeigt DFC am Beispiel von Electronic Arts auf. Der Publisher habe für das Fiskaljahr 2019 lediglich sieben traditionell vertriebene Spiele angekündigt. Dabei handelt es sich um solche, die zum Vollpreis im Laden, also in einer Box verpackt verkauft werden. Angekündigt sind für den Vertrieb in dieser Form FIFA, Madden, NHL, NBA, Battlefield V, Anthem und Sea of Solitude.

Live-Service macht den Gewinn

Die Reduzierung liegt in der Fokussierung auf Spiele begründet, die sich als Live-Service betreiben lassen. Warum sich EA auf diese Art Spiel versteift, zeigen die mit digital vertriebenen Gütern erzielten Umsätze. Der Umsatz aus dem Verkauf der Spiele selbst stagniert, der Umsatz aus Live-Service-Angeboten, also gewinnträchtigen Mikrotransaktionen, boomt hingegen und konnte gegenüber dem letzten Fiskaljahr um rund 31 Prozent gesteigert werden, schreibt DFC. Der Retail-Verkauf sei hingegen um 17 Prozent gesunken und mache nur noch ein Drittel des Umsatzes aus. Das hartnäckige Festhalten an Beuteboxen erklärt sich aus Unternehmenssicht damit von selbst.

Dadurch hat sich das Interesse der Investoren und der Wert der Unternehmen gesteigert. Aktienkurse der Publisher seien nun weniger abhängig von der Tagesform, die sich in den Verkaufszahlen der letzten großen Veröffentlichung zeige. Wichtiger seien nun Live-Service-Pläne, auf die Fragen von Investoren zunehmend abzielen würden. So habe sich der Marktwert von EA von vier Milliarden US-Dollar im Jahr 2012 auf 30 Milliarden US-Dollar steigern können, bei Activision könne ein Anstieg von 10 auf 60 Milliarden US-Dollar vermerkt werden. Dieses Wachstum spiegele das langfristige Potential des Dienstleistungsmodells wieder.

DFC lässt keinen Zweifel daran, dass gerade bei EA noch Raum für Wachstum bleibt. Ein Umsatz von zwei Milliarden US-Dollar durch die Mikrotransaktionen in Dienstleistungsspielen klinge beeindruckend, bilanziert das Unternehmen, sei aber im Vergleich mit Lineage von NCSoft nicht viel – die Serie erziele alleine bereits ähnliche Umsätze wie das gesamte Live-Service-Portfolio von Electronic Arts. Besser schneide Activision ab.

Activision als Vorbild für Umsatz

Obwohl dort 2017 keine neuen Produkte veröffentlicht wurden, hätten gute Umsätze erzielt werden können; „der echte Wert liegt in kontinuierlichen Umsätzen, die eine Marke generieren kann“, urteilt DFC. Dies zeigt sich in jedem Quartalsbericht von Activision erneut, wo Mikrotransaktionen kontinuierlich an Umfang und Bedeutung zunehmen. Als Königsweg sehen die Marktforscher dabei die Verbindung klassischer Spiele mit dem Live-Service-Modell – also Titel, die für 60 Euro verkauft und anschließend stark monetarisiert werden.