Medion Erazer X67099 im Test: Ungebremster OEM-Gaming-PC ohne OEM-Hardware

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Jan-Frederik Timm 166 Kommentare

Aufrüstbarkeit und Übertaktbarkeit

Der Medion Erazer X67099 lässt sich genauso optimieren oder aufrüsten, wie es die Summe der Komponenten erwarten ließ. Ohne das Mainboard zu tauschen, wäre beispielsweise später der Einsatz eines Acht-Kern-Prozessors vom Typ Core i9-9900K möglich. Zwei weitere RAM-Bänke stehen ebenfalls noch frei.

Mit dem 750 Watt starken Netzteil mit zwei 6+2-Pin-PCIe-Steckern könnte parallel auch noch die Grafikkarte deutlich stärker ausfallen, ohne dass Probleme zu erwarten sind.

Auch das Nachrüsten von Massenspeicher ist kein Problem: Das Gehäuse bietet noch einen freien 3,5-Zoll-Schacht unter dem Deckel und zwei freie 2,5-Zoll-Einbaurahmen hinter dem Mainboard-Tray. Die erforderlichen drei SATA-Kabel und ein zusätzlicher Strang für das modulare Netzteil sowie Kabelbinder liegen im Lieferumfang bei. Wer lieber noch eine M.2-SSD nachrüsten will, der findet so einen Steckplatz ebenfalls auf der Platine.

Die CPU ist nicht übertaktbar

Auch wenn der ungebremste Core i7-8700 einem Core i7-8700K ab Werk in der Leistung kaum nachsteht, fehlt ihm doch eine Eigenschaft: der freie Multiplikator. Übertakten lässt sich der Prozessor im System damit nicht.

Der Speicher macht auch DDR4-2666 (wie von Intel vorgesehen) mit
Der Speicher macht auch DDR4-2666 (wie von Intel vorgesehen) mit

Das gilt nicht für den RAM. Der ist zwar nur mit DDR4-2400 spezifiziert, läuft aber auch mit DDR4-2666 und damit den Coffee-Lake-Vorgaben von Intel. Übertakten lässt sich auch die Grafikkarte, beispielsweise über den MSI Afterburner. Weil sie in der Regel im Power-Limit agiert, bedarf es dafür dessen Anhebung: Plus 14 Prozent sind gegenüber dem Standard von 175 Watt möglich.

Garantie

Medion gibt auf das System zwei Jahre Garantie. Das entspricht dem Standard. Nur im Vertrieb über den Discounter Aldi gibt es auf Systeme von Medion traditionell drei Jahre Garantie.

Fazit

Wenn der OEM, dem der zweifelhafte Ruf „OEM-PC-Hersteller“ in Deutschland vielleicht sogar am stärksten anhaftet, bei hochpreisigen Gaming-PCs auf einmal komplett gegensätzlich vorgeht, lässt das aufhorchen.

Umso besser, wenn das erste System dieser neuen Ära in Summe auch im Test überzeugt. Das trifft nicht nur auf den Preis von 1.799 Euro im Vergleich zu den zum Bestpreis versandkostenfrei bestellten Einzelkomponenten zu, sondern auch auf die Hardware als solche. Ohne von OEMs sonst bekannte Einschränkungen ist der Rechner so schnell, wie PC-Bastler es erwarten, und kann genauso einfach aufgerüstet oder optimiert werden. Alle Kabel von Netzteil und Mainboard, die nicht ab Werk verbaut wurden, liegen dem Rechner bei. Die bereits von Medion eingesetzten Kabel sind sauber verlegt, auch hinter dem Mainboard-Tray, und das aktuelle Windows 10 Version 1809 ab Werk installiert. Bloatware beschränkt sich auf eine Anti-Viren-Suite von McAfee.

Schwarze Hardware und sauber verlegte Kabel
Schwarze Hardware und sauber verlegte Kabel

Auch die Lautstärke des Rechners geht in Anbetracht der Leistung in Ordnung, wenn auch mit einer kleinen Einschränkung: Zumindest beim Testsystem verhindern die deutlich auf das Gehäuse übertragenen Vibrationen der HDD einen noch besseren Eindruck im Leerlauf.

Käufern, die die RGB-Fähigkeiten des Systems mit dem optional beigelegten Glasseitenteil nutzen möchten, könnte allerdings aufstoßen, dass Medion nicht das In Win 101C gewählt hat. Das bietet nicht nur einen USB-Typ-C-Anschluss am Deckel, sondern auch eine konfigurierbare RGB-LED an der Front. Mit dem In Win 101 leuchtet der Medion Erazer X67099 unabhängig der für Mainboard, Grafikkarte und Gehäuselüfter eingestellten Farbe an dieser Stelle immer in Rot.

Ein Fragezeichen steht am Ende hinter der Erweiterbarkeit des Wasserkühlerkreislaufes. Die Alphacool Eisbaer LT360 ist zwar modular aufgebaut, doch dass das System auch die GPU noch mit kühlen könnte, ist in Anbetracht der relativ hohen CPU-Temperaturen zu bezweifeln. Die AiO ist im Erazer in erster Linie Blickfang.

Abschließend sind das aber Kritikpunkte auf hohem Niveau. Wird neben der Hardware der Preis von 1.799 Euro inklusive zwei Jahren Garantie in Betracht gezogen, sprechen bei Interesse an der Konfiguration keine handfesten Argumente gegen das System.

Mehr Systeme sollen folgen

Abzuwarten bleibt, wie es bei Medion mit der neuen Serie oberhalb der bekannten OEM-(Gaming-)Systeme weitergeht. Der Erazer X67099 ist das erste der breiten Masse angebotene System der zur Gamescom 2018 vorgestellten neuen Ära, andere Rechner oder Konfigurationen gibt es bisher nicht. Das soll sich allerdings bald ändern und auch über konfigurierbare Systeme denkt Medion bereits nach. Ob die ohne OEM-Komponenten dann auch so aggressiv im Preis angeboten werden können, bleibt abzuwarten.

ComputerBase hat den Erazer X67099 leihweise von Medion zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme seitens des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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