Übernahme: Nvidia kauft Mellanox für knapp 7 Mrd. US-Dollar

Volker Rißka 93 Kommentare
Übernahme: Nvidia kauft Mellanox für knapp 7 Mrd. US-Dollar
Bild: Nvidia

Vor rund sechs Wochen tauchten erstmals Gerüchte auf, dass der israelische Halbleiterspezialist Mellanox vor einer Übernahme stehe. Seinerzeit wurde Intel als wahrscheinlichster Kandidat genannt, doch am Wochenende kam ein anderer Name auf: Nvidia.

Das israelische Wirtschaftsblatt Calcalistech hatte den Grundstein für die Meldungen gelegt, die von der Nachrichtenagentur Reuters aufgenommen und verbreitet und vom amerikanischen News-Portal CNBC ergänzt wurden. CNBC hatte bereits Ende des vergangenen Jahres als eines der ersten Magazine berichtet, dass Mellanox vor dem Verkauf stehe, damals wurden aber nicht Intel oder Nvidia, sondern Xilinx genannt. Der Kurs von Mellanox ist seitdem gestiegen, zuletzt war der Konzern an der Börse 5,9 Milliarden US-Dollar wert – und damit auch Intels vermeintliches Angebot zu niedrig.

Alle Quellen sind sich einig, dass Nvidia ein Gebot von über 7 Milliarden US-Dollar für Mellanox abgegeben hat, respektive abgeben wird. Dies liegt noch einmal deutlich über dem bisher vermuteten Preis von 6 Milliarden US-Dollar, den Intel bereit war zu zahlen.

Es wäre die größte Übernahme, die Nvidia jemals gestemmt hat. Unter CEO Huang hatte sich der Konzern in den letzten Jahren versucht besser im professionellen Umfeld aufzustellen, im Datacenter-Bereich zum größten Teil über klassische, wenn auch leicht angepasste Grafiklösungen. Die Automotive-Lösungen sind nach wie vor nur ein kleiner Teil des Geschäfts, den größten Umsatz macht Nvidia weiterhin mit Spielern. Mit Mellanox könnte Nvidia versuchen, vor allem im chinesischen Markt der Datenzentren weiter Fuß zu fassen. Denn zu den großen Kunden von Mellanox gehört unter anderem Alibaba.

Wer ist Mellanox?

Das InfiniBand- und Ethernet-Portfolio von Karten, Kabeln bis hin zu Switches und den dahinterstehenden ASICs ist Mellanox' größtes und bekanntestes Portfolio. Aktuelle Lösungen arbeiten mit bis zu 200 Gigabit pro Sekunde und unterstützen dabei sowohl InfiniBand als auch Ethernet mit geringen Latenzen und dauerhaft hoher Leistung. Das Einsatzgebiet ist deshalb primär der Server- und HPC-Bereich, auch in vielen Supercomputern wird auf InfiniBand und Lösungen von Mellanox zurückgegriffen. 2.700 Mitarbeiter beschäftigt der 1999 von ehemaligen, hochrangigen Intel-Angestellten gegründete Konzern, der größte Standort ist Yokneam Illit in Israel. Die meisten Angestellten arbeiten dort, den eigentlichen Hauptsitz hat das Unternehmen aber in den USA, wo die Firma an der Börse geführt wird.

Update 11.03.2019 12:23 Uhr

Nvidia hat den Kauf am Montagmittag offiziell bestätigt. Für 6,9 Milliarden US-Dollar und damit etwas weniger als erwartet wird Mellanox fortan zu Nvidia gehören. Sollte es keine rechtlichen Bedenken geben, soll das Geschäft Ende 2019 abgeschlossen sein.