Withings Steel HR Sport im Test: Neu eingekleidet, aber nicht topfit

Jan Lehmann 31 Kommentare
Withings Steel HR Sport im Test: Neu eingekleidet, aber nicht topfit
Bild: Withings

tl;dr: Kurzzeitig von der Bildfläche verschwunden und von Nokia aufgekauft, kehrt Withings mit der Steel HR Sport auf den Markt zurück. Deren Optik, die genaueren Vitalwerte und die Verbesserungen am Ladesystem gefallen zwar, doch die als große Neuerung beworbene Standorterkennung enttäuscht.

Smartwatch im Detail

Die neue Withings Steel HR Sport kann optisch nicht leugnen, aus welcher Familie sie stammt, denn Withings bleibt der Linie treu. Das Ziffernblatt misst weiterhin 40 mm im Durchmesser und das Uhrengehäuse aus Edelstahl ist 13 mm hoch. Auch der Aufbau wird beibehalten. Auf zwölf Uhr besitzt die Steel HR Sport ein kleines, monochromes Display, das über die wichtigsten Parameter und jüngst auch über eine Vielzahl von Benachrichtigungen informiert. Auf sechs Uhr findet der Träger die Aktivitätsanzeige, die die täglichen Fortschritte in Prozent veranschaulicht.

Optische Anpassungen und hervorragendes Armband

Withings Steel HR: Zu langes Armband
Withings Steel HR: Zu langes Armband

Direkt sichtbare Veränderungen erfährt die Steel HR Sport mit einigen roten Akzenten. Hier gefällt vor allem die farbliche Hervorhebung der Zeiger, wenngleich im Dunkeln eine Flu­o­res­zenz wünschenswert wäre. Die Lünette der Uhr fällt breiter aus und besitzt jetzt Minutenindizes.

Des Weiteren wurde das Armband wesentlich verbessert. Das Silikonarmband der Steel HR war wenig atmungsaktiv und neigte schnell dazu, mit Salzablagerungen zu verschmutzen. Hier setzt Withings bei der Steel HR Sport auf ein perforiertes Kunststoffband mit einer Breite von 20 mm, das zudem leicht elastisch ist. Das Armband ist im Hinblick auf den Tragekomfort das beste, das bislang einer getesteten Smartwatch beilag. Es riecht nicht unangenehm nach Kunststoff, verschmutzt kaum und hat ausreichend Löcher für die Dornschließe. Schade nur, dass Withings kein Bandstück für kleinere Handgelenke beilegt. Das mitgelieferte Band ist bei einem durchschnittlichen Handgelenk mit einem Umfang von rund 19 cm gut 5 cm zu lang.

Die Withings Steel HR Sport ist bereits erhältlich. Als Preis werden seitens des Herstellers rund 200 Euro ausgerufen. Der freie Handel lehnt sich dieser Empfehlung an – hier ist die Uhr ab rund 195 Euro zu erstehen.

Gute Sensoren und ein riesiges Manko

Bei der Analyse der Vitalwerte macht die Steel HR Sport eine gute Figur und kann sich gegenüber dem Vorgänger Steel HR absetzen. Der Hersteller sagt nicht, ob eine neue Sensorik oder lediglich ein überarbeiteter Auswertungs-Algorithmus zum Einsatz kommt – wahrscheinlich ist eine neue Softwarerevision.

Vor allem bei der Herzfrequenz legt die Steel HR Sport an Genauigkeit zu. Hatte die Steel HR hier noch Probleme und leistete sich beim und nach dem Sport grobe Abweichungen, kann die Steel HR Sport mit der Konkurrenz mitziehen. Kleinere Abweichungen zeigen sich lediglich direkt während einer Sporteinheit. Hier gab die Uhr einen Pulswert von 135 Schlägen an, während der als Referenz genutzte Brustgurt Polar H7 133 Schläge ermittelte. Bei der Schrittanalyse kann die Steel HR Sport den vorgelegten guten Wert halten und registriert bei 1.000 abgezählten Schritten insgesamt 1.003.

Ein komplett anderes Bild zeigt sich indes bei der neuen Funktion zur Messung des Fitnesslevels. Anhand verschiedener Daten wie etwa Gewicht, Alter und Herzfrequenz errechnet die zugehörige Health-Mate-App die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) des Körpers und gibt sie in einer verständlichen Levelbeschreibung wieder. Grundlegender Bestandteil hierfür ist jedoch die GPS-Ortung. Und exakt hier liegt das größte Manko der Withings Steel HR Sport.

Ortungsfunktion ruiniert das Gesamtbild

Withings Health-Mate-App: Training ohne Smartphone
Withings Health-Mate-App: Training ohne Smartphone

Im Vorfeld groß als erste hybride Smartwatch mit Standorterkennung angepriesen, geht dieses Versprechen in der Realität nicht auf. In der Tat spricht Withings nur von „Connected GPS“, auf der deutschen Verpackung steht „Verbundenes GPS“. Und dahinter verbirgt sich, dass die Steel HR Sport kein eigenes Ortungsmodul besitzt, sondern lediglich auf die GPS-Ortung des gekoppelten Smartphones zugreifen kann – bzw. die App das tut.

Als Novum angekündigt, handelt es sich somit um keine Neuheit der eigentlichen Smartwatch, sondern der App. Weitergesponnen bedeutet dieser Aspekt auch, dass sowohl die GPS-Analyse als auch die neue Berechnung zur Sauerstoffaufnahme, die die Trainingsdaten aus der Ortungsanalyse bezieht, auch mit der wesentlich älteren Steel HR möglich wären – sofern die App hierfür angepasst wird. Doch damit nicht genug, patzte die Ortungsfunktion im Test gleich mehrfach und brach nach nur wenigen Schritten die Verbindung ab.

Sehr gute App mit Unterstützungsfunktionen

Wie bei der Steel HR setzt auch die Steel HR Sport zur Analyse auf die Health-Mate-App. Die Anwendung überzeugt dabei weiterhin auf ganzer Linie. Sie ist übersichtlich und besitzt eine intuitive Menüführung. Als weiteren großen Pluspunkt bietet die App zudem verschiedenste Coaching-Programme, mit denen man beispielsweise einen besseren Schlafrhythmus oder eine bessere Herzgesundheit trainieren kann.

Bei den unterstützten Sportarten bietet die Steel HR Sport ein reichhaltiges Re­per­toire aus beispielsweise Wandern, Klettern, Joggen, Gewichtheben oder Radfahren. Doch gerade hier wird die Steel HR Sport ihrem Namen nicht gerecht. Von den insgesamt 30 Sportarten können nur bis zu 5 als Schnellauswahl der Uhr hinzugefügt werden. Jene können dann direkt ausgewählt und gestartet werden. Die verbleibenden Sportarten muss der Nutzer über das Smartphone respektive über die App starten. Hinzu kommt, dass die Sportaufzeichnung nicht automatisch beginnt, sobald etwa mit dem Joggen angefangen wird. Sofern eine Schnellauswahl getroffen wurde, muss diese mit einem langen Drücken des rechten Knopfes gestartet werden.

Weiterhin geniale Laufzeit

Gleiche Technik, gleiche Größe und Neuerungen, die lediglich in der App vorliegen, bringen im Vergleich zur Steel HR nahezu identische Laufzeiten hervor. Mit vereinzelten Sporteinheiten, dem Lesen der eingehenden Benachrichtigungen und dem regelmäßigen, halbstündlichen Messen der Herzfrequenz schafft die Steel HR Sport rund 30 Tage, ehe sie auf die Ladestation muss. Bei intensiverem Training hält die Uhr etwa 14 Tage durch. Beides sind sehr gute Werte. Im Trainingsmodus, also bei kontinuierlicher Vitalmessung, sollen laut Withings noch bis zu fünf Tage Nutzung möglich sein. Getestet wurde das nicht.

Bei Betrachtung der Messwerte muss jedoch auch der Funktionsumfang einer hybriden Smartwatch im Vergleich zur vollwertigen Smartwatch bedacht werden. Letztere bietet zwar in der Regel nur eine Laufzeit von wenigen Tag, dafür aber eine Vielzahl von Sensoren und ein eigenes GPS.

Withings Steel HR Sport verbesserter Lademechanismus
Withings Steel HR Sport verbesserter Lademechanismus
Withings Steel HR Sport verbesserter Lademechanismus
Withings Steel HR Sport verbesserter Lademechanismus

Apropos Ladestation: Dieser wurde sich bei der Steel HR Sport vollständig angenommen. Der kleine Ladesockel der Steel HR brauchte seinerzeit etwas Übung und Vorsicht beim Auflegen der Uhr, da die magnetische Halterung zu schwach war. Mittlerweile setzt Withings auf eine gewölbte Ladeschale, die das Auflegen der Uhr nur noch aus einer Richtung ermöglicht. So wird die Uhr zuverlässig ohne großes Herumfummeln geladen.

Fazit

Die Withings Steel HR Sport entpuppt sich im Test nicht als das Produkt, das sie vorgibt zu sein, denn insbesondere in Hinblick auf das Aufzeichnen von Sportaktivitäten überzeugt sie nicht. Die relevanten Verbesserungen gegenüber der herkömmlichen Steel HR sind, mit Ausnahme des neuen Ladesockels, damit lediglich äußerer Natur. Die farblichen Akzente, das sehr gute Armband und die breitere Lünette stehen der Uhr her­vor­ra­gend.

Withings Steel HR Sport
Withings Steel HR Sport (Bild: Withings)

Das Hauptaugenmerk legt die Steel HR Sport zwar auf sportliche Aktivitäten, die beiden neuen Hauptfunktionen (GPS und das Tracking von Sportaktivitäten) sind dabei aber nur hinsichtlich der App neu und könnten damit wohl ohne Weiteres auch von der wesentlich älteren Steel HR genutzt werden, sofern die App entsprechend angepasst würde. Hinzu kommen mehrfache Verbindungsabbrüche während der Ortung über das GPS des Smartphones. Im Sportsektor bleiben der Steel HR Sport daher einzig die verbesserten Vitalwerte, die aber ebenfalls auf neuer Software beruhen dürften.

Zusammengefasst ist die Steel HR Sport damit keine Smartwatch für Sportler. Zwar ist die lange Laufzeit von bis zu 30 Tagen stark hervorzuheben, doch bietet die Uhr zu wenig Mehrwert gegenüber der Steel HR in diesem Bereich. Vielmehr als eine optische Frischzellenkur erlaubt die Uhr damit derzeit nicht.

ComputerBase wurde die Steel HR Sport für den Test von Withings zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme seitens des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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