E3

Minecraft Earth ausprobiert: AR-Klötzchenwelt in Lebensgröße und überall

Fabian Vecellio del Monego 38 Kommentare
Minecraft Earth ausprobiert: AR-Klötzchenwelt in Lebensgröße und überall
Bild: Microsoft

Microsoft erweitert die Minecraft-IP nicht nur um einen Dungeon-Crawler, sondern auch um eine Augmented-Reality-Adaption, mit der der Publisher mutmaßlich an Pokémon Go anknüpfen möchte. Erscheinen soll Minecraft Earth zwar erst im Frühling 2020, aber auf der E3 2019 gab es bereits ein Hands-On.

Minecraft Earth soll alle Inhalte des klassischen Spiels bieten

Minecraft Earth soll laut Microsoft möglichst zugänglich sein. Das bedeutet zum einen, dass es sich um das klassische Minecraft handelt: Die AR-Version basiert ebenso wie die ehemals Pocket Edition genannte Mobile-App und die Windows-10-App auf der Bedrock-Engine. Entsprechend versprechen die Entwickler, dass sämtliche bekannten Konzepte im fertigen Spiel wie gewohnt funktionieren, seien es die Verhaltensweise der Mobs oder aber die Redstone-Schaltkreise. Des Weiteren wird Minecraft Earth sowohl für Android- als auch für iOS-Endgeräte verfügbar sein und Cross Play unterstützen. Geräte mit iOS 13 respektive iPadOS 13 werden jedoch zumindest zum Start exklusive AR-Funktionen optischer Natur besitzen, die Apple bereits zur WWDC Anfang Juni vorgestellt hat.

Grundsätzlich teilt sich das Gameplay des AR-Minecrafts auf vier Konzepte auf, die im Grunde genommen in aufsteigender Reihenfolge an Komplexität und benötigter Zeit zunehmen. So bilden „Tappables“ die Grundlage: Einfache Gegenstände, die binnen kurzer Zeit unterwegs gesammelt werden. Das können Äpfel sein, die unter Bäumen am Straßenrand gefunden werden können, oder tatsächliche Blöcke, die abgebaut werden können. Eine Stufe höher befinden sich anschließend die „Adventures“: Spieler können im Alltag auf Mobs treffen und interagieren oder aber am heimischen Gartenteich angeln. Alternativ lassen sich auf Grünflächen virtuelle Beete anlegen, die anschließen bestellt, gepflegt und geerntet werden können.

Kleine Kreationen wachsen auf Knopfdruck in Lebensgröße

Mit den gesammelten Ressourcen lassen sich anschließend auf einer selbst definierten „Build Plate“ – beispielsweise dem eigenen Küchentisch – Minecraft-Werke errichten und in kleinem Format von jeder Seite betrachten. Geschlossene Räume werden betreten, indem die Spieler mit der Kamera ihres Endgerätes näher an die Kreation herangehen. Alternativ lassen sich so erstellte Bauwerke auf Lebensgröße hochskalieren, sofern der nötige Platz besteht. Dann können die Spieler selbst durch die Blöcke navigieren und beispielsweise Türen per Tippen öffnen und Monster per Schwert oder Bögen bekämpfen.

Die ganze Welt als virtuellen Spielplatz

Die Multiplayer-Erfahrung soll dabei so ausfallen, als ob die Spieler selbst erst sieben und auf einem Spielplatz seien. Bisher hat Microsoft den Mehrspieler-Modus mit 40 Personen innerhalb eines Bauwerks getestet, tatsächlich möglich seien aber zumindest theoretisch unbegrenzt viele Teilnehmer, die der virtuellen Klötzchenwelt nahtlos beitreten oder sie verlassen können. Erstellte Bauwerke lassen sich zudem Teilen und somit Freunden zeigen, die anschließend eingeladen werden können.

Erste Eindrücke

Beim Anspielen im Rahmen des E3-Hands-On stellte sich das gemeinsame Bauen an einem Turm in der Mitte eines Tisches tatsächlich als sehr unterhaltsam heraus, auch das anschließende Erkunden in Lebensgröße bereitete Freude und schuf eine gelungene Immersion, als sich die Spieler hinter schnell errichteten Block-Wänden versteckten, um vor den Pfeilen angreifender Skelette Schutz zu finden. Zwar geht das Bauen insbesondere in dieser Perspektive noch verhältnismäßig schwerlich von der Hand, dafür macht das gemeinsame Erleben umso mehr Spaß – zumindest über den kurzen Zeitraum von zwölf Minuten in einer von Microsoft kurierten Welt.

Allerdings wurden die dazu zur Verfügung gestellten iPhone Xs sehr warm: Die benötigte Rechenleistung scheint recht hoch zu sein, weil auch die Kamera permanent beansprucht wird. Beim Spielen in offener Umgebung kommt potentiell noch dazu, dass bei direkter Sonneneinstrahlung die volle Display-Helligkeit abgerufen werden muss; beides trägt weiter zu hohen Temperaturen bei.

Damit einhergehend stellt sich die Frage nach dem Stromverbrauch: Der Akku des von Microsoft bereitgestellten iPhone Xs büßte während der rund zwölf Minuten, die Minecraft Earth gespielt werden durfte, rund sieben Prozentpunkte an Batterieladung ein. Dieses Problem dürfte vielen Nutzern bereits von Pokémon Go bekannt sein; andererseits muss darauf hingewiesen werden, dass das Spiel erst im Mai 2020 erscheinen soll.