10-nm-CPUs: Intel Ice Lake nimmt mit 28 Watt TDP die 4-GHz-Hürde

Jan-Frederik Timm 163 Kommentare
10-nm-CPUs: Intel Ice Lake nimmt mit 28 Watt TDP die 4-GHz-Hürde

Zwei Monate nach der Vorstellung der neuen Ice-Lake-Architektur ohne konkreten Produktbezug sind jetzt die ersten elf CPUs auf Basis der ersten 10-nm-Plattform offiziell. Auch eine CPU mit über 4,0 GHz Turbo-Takt wird es demnach geben, allerdings nur mit 28 Watt statt 15 Watt TDP. Das war erwartet worden.

Elf CPUs gibt es zum Start Ende 2019

Bereits zur offiziellen Vorstellung der Ice-Lake-Mikroarchitektur, die Intel mit Ausnahme der zum Teil defekten Cannon-Lake-CPU Core i3-8121U erstmals in 10 nm fertigt, kursierten Gerüchte zu den ersten mobilen CPUs auf dieser Basis im Netz. Die jetzt offiziell preisgegebenen Spezifikationen bestätigen, dass Ice Lake im Notebook vorerst deutlich niedriger takten wird als aktuelle Whiskey-Lake-CPUs, auch wenn das Topmodell zum Start doch die Marke von 4,0 GHz Single-Core-Turbo übertrifft. Der Intel Core i7-1068G7 ist allerdings auch mit 28 Watt statt 15 Watt TDP spezifiziert. Bis auf die höhere TDP, die bei Intel als Leistungsaufnahme bei Basistakt in einer spezifischen Last definiert ist, entspricht die CPU dem kleineren Modell Core i7-1065G7.

Modell Kerne/Threads Basistakt Turbotakt
1 Kern/4 Kerne
L3 TDP
Intel Core i7-1068G7 4/8 2,3 GHz 4,1/3,6 GHz 8 MB 28 Watt
Intel Core i7-1065G7 4/8 1,3 GHz 3,9/3,5 GHz 8 MB 15 Watt
Intel Core i5-1035G7 4/8 1,2 GHz 3,7/3,3 GHz 6 MB 15 Watt
Intel Core i5-1035G4 4/8 1,1 GHz 3,7/3,3 GHz 6 MB 15 Watt
Intel Core i5-1035G1 4/8 1,0 GHz 3,7/3,3 GHz 6 MB 15 Watt
Intel Core i3-1005G1 2/4 1,2 GHz 3,4/3,4 GHz 4 MB 15 Watt

Alle 15-Watt-TDP-CPUs lassen sich laut Intel auch mit bis zu 25 Watt TDP betreiben, in entsprechenden Notebooks dürfte der Basistakt dann bei um die 2,0 GHz liegen und der unter Last mögliche Turbo deutlich höher ausfallen. Wie hoch, müssen Tests zeigen. Auch sie werden erst klären können, ob Ice Lake zum Start schneller oder langsamer als Whiskey Lake ist: Auf dem Papier steht im Durchschnitt eine um 18 Prozent höhere Leistung pro Takt (IPC) einem quasi proportional gefallenen Takt gegenüber, denn Whiskey-Lake-U taktet bei 15 Watt mit bis zu 4,8 GHz.

Neue iGPU als G7, G4 und G1

Alle neuen Ice-Lake-CPUs setzen auf eine vollständig neu entwickelte integrierte Grafikeinheit. Über die neue Gen11-Grafik hat Intel bereits im Detail gesprochen und wiederholt zur Vorstellung der ersten Prozessoren den Anspruch, die schnellste iGPU in der Leistungsklasse bieten zu können. Die vorerst größte Lösung bietet 64 Shader-Cluster statt zuvor 24 Shader-Cluster, kenntlich gemacht durch den Namenszusatz G7. Um den Stromverbrauch allerdings nicht noch weiter ansteigen zu lassen, sinkt der maximale Turbo sogar leicht auf 1,1 GHz. Darunter rangiert die „G4“ mit noch 48 Ausführungseinheiten. G7 und G4 werden beide als Intel Iris Plus Graphics vermarktet. Nochmals darunter firmiert die G1 mit 32 Ausführungseinheiten. Weitere Varianten soll es laut Intel vorerst nicht geben.

Namensschema der neuen Ice-Lake-CPUs
Namensschema der neuen Ice-Lake-CPUs (Bild: Intel)

9 Watt statt 5 Watt für Ice-Lake-Y

Neben Modellen für die TDP-Klassen 15 Watt und 28 Watt („U-Serie“) gibt es Ice Lake auch mit 9 Watt TDP („Y-Serie“). Sie ersetzen die zuletzt auf Amber Lake aktualisierten Prozessoren der 5,0-Watt-Klasse. Dass die TDP derart steigt, begründet Intel im Wesentlichen mit der Integration von Thunderbolt 3, bei den größeren Varianten führt der Hersteller hingegen gedanklich keine 4 Watt Mehrverbrauch für diese Schnittstelle bei der Einordnung der TDP an. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die neuen kleinen Ice-Lake-CPUs in der Praxis verhalten werden.

Sollte der Verbrauch unter Last bei Basistakt wirklich um 80 Prozent steigen, käme ein Einsatz in vielen bisher für Amber Lake entworfenen Designs nicht mehr in Frage. Die (hohe) TDP bei einem gleichzeitig sehr niedrigen Basistakt deuten darauf hin, dass Intels 10-nm-Fertigung zwar endlich den Markt erreicht und mit den neuen Sunny-Cove-Kernen auch deutlich effizienter arbeitet, vorläufig aber mit Takt und Verbrauch zu kämpfen hat.

Modell Kerne/Threads Basistakt Turbotakt
1 Kern/4 Kerne
L3 TDP
Intel Core i7-1060G7 4/8 1,0 GHz 3,8/3,4 GHz 8 MB 9 Watt
Intel Core i5-1030G7 4/8 0,8 GHz 3,5/3,2 GHz 6 MB 9 Watt
Intel Core i5-1030G4 4/8 0,7 GHz 3,5/3,2 GHz 6 MB 9 Watt
Intel Core i3-1000G4 2/4 1,1 GHz 3,2/3,2 GHz 4 MB 9 Watt
Intel Core i3-1000G1 2/4 1,1 GHz 3,2/3,2 GHz 4 MB 9 Watt

Preise für die neuen Prozessoren auf Basis von Ice Lake hat Intel auch auf Nachfrage nicht genannt, bei Whiskey Lake war das noch der Fall. Erste Produkte auf Basis der neuen Architektur kündigt der Hersteller für das Weihnachtsgeschäft („Holiday Season“) an. Zur IFA 2019 Anfang September in Berlin dürften viele Hersteller damit ihre Notebooks auf Basis der neuen Prozessoren präsentieren.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird es in der 10. Generation Core allerdings auch 14-nm-CPUs geben, deren Nomenklatur auf das Suffix „Gx“ verzichten wird. Sie sollen in 14 nm gefertigt werden und auf Comet Lake und damit im Kern Skylake basieren.

Keine Aussage zu 10 nm für Desktop-PCs

Bis dahin will Intel gegen Ende August auch auf Ice Lake basierende mobile Prozessoren für professionelle Notebooks, also aller Voraussicht nach Modelle mit vPro, präsentieren. Wann 10 nm im Desktop kommt, dazu war dem Hersteller aber auch weiterhin keine Aussage zu entlocken. So stellt Intel für die nächsten 12 Monate zu Anfang der Ice-Lake-Präsentation zwar neue CPUs in jedem Produktsegment in Aussicht, bezieht sich dabei auf Nachfrage aber ausdrücklich nicht explizit auf Ice Lake in 10 nm.

Ice Lake startet als Core i7, i5 und i3 mit und ohne Iris Plus
Ice Lake startet als Core i7, i5 und i3 mit und ohne Iris Plus (Bild: Intel)

ComputerBase hat Informationen zu diesem Artikel von Intel unter NDA erhalten. Die einzige Vorgabe war der frühstmögliche Veröffentlichungszeitpunkt. Eine Einflussnahme auf den Artikel gab es nicht.