Mikrotransaktionen: Fallout 76 lotet weiter die Pay-to-Win-Grenze aus

Max Doll 97 Kommentare
Mikrotransaktionen: Fallout 76 lotet weiter die Pay-to-Win-Grenze aus
Bild: Bethesda

„Pay to Win“ werde es in Fallout 76 nicht geben, hatte Bethesda versprochen und behauptet es werde im Spiel nur kosmetische Gegenstände zu kaufen geben. Diese Aussage hinderte und hindert den Publisher indes nicht daran, die von Spielern noch akzeptierte Grenze zu kaufbaren spielerischen Vorteilen möglichst genau auszuloten.

Schon der Verkauf von Reparatur-Kits im April hatte Befürchtungen geweckt, Bethesda wolle spielerische Vorteile, und seien die Auswirkungen noch so klein, verkaufen und habe so einen Präzedenzfall geschaffen. Diese bewahrheiten sich nun: Bethesda scheint die negativen Nebenwirkungen der Kits günstig zu beurteilen und führt deshalb weitere Gegenstände mit spielerischem Mehrwert im Fallout-Shop ein.

Nach dem jüngsten Patch kann im Echtgeld-Shop ein Kühlschrank für 700 Atome, die umgerechnet etwa 7 Euro entsprechen, erworben werden. Dieser erhöht die Haltbarkeit von Nahrungsmitteln um 50 Prozent. Außerdem wird eine Roboter-Basisstation für 500 Atome, etwa 5 Euro, angeboten, die Schrott und „andere einfache Gegenstände“ im Umkreis des Basislagers automatisch einsammelt, wodurch in beiden Fällen der Survival-Aspekt des Online-Rollenspiels vereinfacht wird. Im Spiel direkt verdienen lassen sich derzeit weder der Kühlschrank noch die Sammelstation, Atome können allerdings, wenngleich in zunehmend geringer Zahl, auch durch Aktivitäten verdient werden.

Bethesda macht, was Spieler wollen

Die Einführung von Reparatur-Kits hatte Bethesda verteidigt. Das Unternehmen sehe sie nicht als Pay to Win, weil sie keinen kompetitiven Vorteil versprächen; indirekte Vorteile zählt Bethesda offenbar nicht als Pay to Win. Zudem habe man lediglich einen populären Wunsch der Community aufgegriffen, argumentierte das Unternehmen; diese Begründung wird erneut hervorgeholt. Nutzbare Kühlschränke standen zwar ebenfalls auf der Wunschliste der Fans, allerdings als allgemeines Feature des Spiels und nicht notwendigerweise als Zusatzkauf. Wenn sich Bethesda auf die Nachfrage bezieht, meint dies potentiell lediglich die Verkaufszahlen der Reparaturkits.

Schon im April hatten Spieler vermutet, dass eine solche Einführung bevorstehen würde, da Bethesda zum gleichen Zeitpunkt die Haltbarkeit von Lebensmitteln reduziert hatte. Dies wurde als Mittel zur Erzeugung von künstlichem Bedarf an einem solchen Kühlschrank interpretiert – eine Sichtweise, die jüngst an Plausibilität gewonnen hat. Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass die alten Zusicherungen keinen Wert haben, was Spieler unter andrem auf Reddit anprangern. Kritik ruft außerdem die Preisstruktur hervor: 7 Euro für einen Kühlschrank müssen im Vergleich mit zehn Euro teuren DLCs für Fallout 4 absurd erscheinen.