Apollo Lake Degradation: Intel macht Fehler bei Atom-SoCs zur Tradition

Michael Günsch 95 Kommentare
Apollo Lake Degradation: Intel macht Fehler bei Atom-SoCs zur Tradition
Bild: Intel

Erneut muss Intel bei Prozessoren der Atom-Familie wegen Problemen nachbessern. Wie Intel mitteilt, nimmt bei Celeron N3350, J3355, J3455 und Pentium N4200 nach mehrjähriger Betriebszeit die Signalqualität einiger Schnittstellen schneller als erwartet ab. Eine Neuauflage der Apollo-Lake-Prozessoren soll das Problem beheben.

Auf die Problematik macht Intel mit einer Product Change Notification (PCN117143-00, PDF) aufmerksam. Darin heißt es: „Intel hat ein Problem mit den Schnittstellen für Low Pin Count (LPC), Real Time Clock (RTC) und SD-Card bei den Prozessoren Celeron N3350, J3355, J3455 und Intel Pentium N4200 festgestellt, das nach mehrjähriger Betriebszeit zu einer Schwächung dieser Signale mit einer Geschwindigkeit, die über Intels Qualitätsansprüchen liegt, führt.

Aus diesem Grund legt Intel die Prozessoren mit Anpassungen auf Chipebene neu auf: Das betroffene B1-Stepping wird eingestellt und durch im neuen F1-Stepping gefertigte Modelle ersetzt, die zunächst mit einem „E“ als Suffix gekennzeichnet werden.

LPC-Problem in dritter Generation

Die Problematik weckt Erinnerungen: Vor rund zweieinhalb Jahren war ein ähnlich beschriebener Fehler bei den Atom C2000 alias Rangeley und Avoton bekannt geworden. Durch den Ausfall des LPC-Bus waren die CPUs letztlich defekt und Firmen wie Cisco mussten viele Systeme neu bestücken. Auch hier lieferte Intel ein neues Stepping als Problemlösung nach. Doch war dies nicht der erste Vorfall dieser Art, denn bereits im Jahr 2014 wurde bei den Atom E3800 ebenfalls ein Problem mit den LPC-Schaltkreisen festgestellt. Dass sich fünf Jahre später diese Fehler wiederholen, wirft kein gutes Licht auf Intels Budget-SoC-Familie.

Weitere Apollo-Lake-SoCs betroffen?

Die Schwestermodelle Celeron N3450 und Pentium J4205 fanden in Intels Hinweis auf das Problem bisher keine Erwähnung, obwohl diese auf gleicher technischer Basis potenziell ebenso betroffen sein sollten.

Apollo Lake für Mobile (N) und Desktop (J)
Modell Kerne /
Threads
Takt /
Turbo
L2-Cache Grafik EUs GPU-Takt LPDDR3/DDR3L
LPDDR4
TDP (SDP) Preis
Mobile
Pentium N4200* 4 / 4 1,1 / 2,5 GHz 2 MB HD 505 18 200 / 750 MHz 1.866 / 2.400 MHz 6 (4) W $161
Celeron N3450 4 / 4 1,1 / 2,2 GHz 2 MB HD 500 12 200 / 700 MHz 1.866 / 2.400 MHz 6 (4) W $107
Celeron N3350* 2 / 2 1,1 / 2,4 GHz 2 MB HD 500 12 200 / 650 MHz 1.866 / 2.400 MHz 6 (4) W $107
Desktop
Pentium J4205 4 / 4 1,5 / 2,6 GHz 2 MB HD 505 18 250 / 800 MHz 1.866 / 2.400 MHz 10 (-) W $161
Celeron J3455* 4 / 4 1,5 / 2,3 GHz 2 MB HD 500 12 250 / 750 MHz 1.866 / 2.400 MHz 10 (-) W $107
Celeron J3355* 2 / 2 2,0 / 2,5 GHz 2 MB HD 500 12 250 / 700 MHz 1.866 / 2.400 MHz 10 (-) W $107
*erhalten als Celeron N3350E, J3355E, J3455E und Pentium N4200E das neue F1-Stepping

Die Apollo-Lake-SoCs finden in Desktop- (J-Modelle) und Mobile-Systemen (N-Modelle) der Einstiegsklasse Verwendung. Von Apollo Lake gibt es außerdem die E3900-Varianten für IoT-Systeme, bei denen die durch den Fehler beschnittene Lebenszeit besonders kritisch wäre, denn diese sind eigentlich auf eine Laufzeit von 15 Jahren ausgelegt.

Update 12.09.2019 15:10 Uhr

Zwischenzeitlich hat Intel die besagte PCN zurückgenommen und heimlich durch eine neue Version ersetzt, in der die ursprüngliche Fehlerbeschreibung nicht mehr vorhanden ist. Darin heißt es nun, dass die besagten Apollo-Lake-SoCs die „Intel-Qualitätsziele für die PC-Nutzung erfüllen“. Nur Kunden, die die auf 15 Jahre Betriebszeit ausgelegte „Intel IOTG Long Life Product Availability“ benötigen, seien auf das fehlerbereinigte F1-Stepping angewiesen.

Mit diesem Vorgehen hat Intel für reichlich Verwirrung gesorgt und sehr überzeugend erscheint diese „Entwarnung“ am Ende auch nicht. Eine am Mittwoch gestellte Anfrage der Redaktion an Intels Presseagentur, ob auch andere Apollo-Lake-Modelle von dem Fehler betroffen sind, blieb bisher unbeantwortet.

Der eigentliche Fehler ist zudem schon viel länger bekannt: Gegenüber Tom's Hardware hat Intel das Problem als Errata APL47 enthüllt, was sich schon in älteren Dokumenten (PDF) mit folgender Beschreibung wiederfindet:

System May Experience Inability to Boot or May Cease Operation or Nonfunctioning of LPC, SD card and RTC Circuitry