Telekom Smart Speaker im Test: Klangqualität und Fazit

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Frank Hüber 103 Kommentare

Klangqualität: Telekom Smart Speaker gegen Amazon Echo Plus

Für den Klangvergleich bei der Musikwiedergabe, wofür derartige Lautsprecher am häufigsten genutzt werden, muss sich der Smart Speaker der Deutschen Telekom dem mit ebenfalls 150 Euro gleich teuren Amazon Echo Plus stellen.

Die Unterschiede sind dabei offensichtlicher und eindeutiger, als anfangs erwartet. Der Echo Plus geht bei den Bässen und den Mitten als unzweifelhafter Sieger vom Platz, die beim Smart Speaker sehr dumpf klingen. Bei „No Good“ von Kaleo beispielsweise ist das Gerät der Telekom bei den Bässen maßlos überfordert und alles verschwimmt im Brei. Der Track zeigt aber auch, dass die Höhen die Stärken des Smart Speaker sind und er diese besser als der Amazon Echo Plus wiedergibt. Dies zeigt sich etwa auch beim Einsatz eines Klaviers, das bei der Telekom besser als bei Amazon klingt. Im Direktvergleich von „Das Beste“ von Silbermond ist es gerade dieses, das beim Smart Speaker besser zur Geltung kommt, bis die Stimme der Frontfrau Stefanie Kloß einsetzt und man wieder zum Echo Plus von Amazon greifen möchte, der hier den besseren Klang bietet.

In Summe kann die Musikwiedergabe auf dem Smart Speaker nicht überzeugen und das bessere Gesamtbild für Musik bietet der Amazon Echo Plus.

Fazit

Wie bei fast jeder derartigen Neuentwicklung gibt es wenig Gründe, zu den ersten Käufern des neuen, 150 Euro teuren Smart-Speakers der Deutschen Telekom zu gehören, der zum Start zum Einführungspreis von 100 Euro verkauft wird. Gerade digitale Sprachassistenten werden im Laufe der Zeit besser und beherrschen sukzessive mehr Funktionen. Dies gilt ebenso für Hallo Magenta der Telekom, auch wenn der Dienst im Test mit der Spracherkennung an sich keine Schwierigkeiten hatte. Bei der Aussprache und Qualität der Antworten kann der europäische Assistent allerdings derzeit noch nicht mit der amerikanischen Konkurrenz um Amazon Alexa, Apple Siri und Google Assistant mithalten – was wiederum dafür spricht, doch sofort zum Telekom Smart Speaker zu greifen, denn nur durch möglichst viele Nutzer wird er schnell besser.

Ein manueller Wechsel von „Hallo Magenta“ zu einem anderen Aktivierungswort wäre wünschenswert, denn auch wenn zwei Wörter effektiv eine versehentliche Aktivierung verhindern, ist dies bei einer intensiven Nutzung sperrig – vom Begriff selbst einmal ganz abgesehen.

Die eigenen Dienste machen den Unterschied

Einen echten Mehrwert kann die Telekom durch die Verzahnung der eigenen Angebote mit dem Smart Speaker bieten. Das SmartHome des Unternehmens lässt sich zwar ebenso gut über Amazon Echo steuern, die Sprachkontrolle über MagentaTV erhält man aber nur mit dem hauseigenen Lautsprecher. Auch ein DECT-Mobilteil bieten die Echos von Amazon nicht, mit dem Gigaset Smart Speaker L800HX (Test) gibt es jedoch bereits einen smarten Lautsprecher, der Alexa und DECT vereint.

Ohne Alexa geht es noch nicht – vielleicht nie

Die weiteren Partner zum Start des Angebots sind überschaubar. Wer andere Smart-Home-Systeme als das der Telekom nutzt, kann diese anders als bei Amazons Alexa derzeit nicht über Hallo Magenta steuern – und ist nicht nur in diesem Bereich auf die Aktivierung von Alexa auf dem Telekom Smart Speaker angewiesen. Denn quasi jeder Hersteller bietet in irgendeiner Form eine Unterstützung für Amazons Plattform an, weshalb auch die Deutsche Telekom nicht ohne sie auskommen kann. Wer abseits der oben genannten Funktionen mehr als das Abrufen des Wetters und das Stellen eines Timers mit seinem Telekom Smart Speaker anstellen möchte, kann derzeit auf Alexa nicht verzichten. Dies wird gleichsam dazu führen, dass es für die Telekom sehr schwierig wird, Partner dafür zu gewinnen, Dienste explizit und nativ für Hallo Magenta zu entwickeln.

Der Ton ist nicht der beste auf dem Markt

Auch wenn die Deutsche Telekom mit einer Kooperation mit Fraunhofer für die Tonqualität wirbt, ist diese bei der Wiedergabe von Musik nicht führend am Markt. Der Amazon Echo Plus der zweiten Generation, der ebenfalls rund 150 Euro kostet, ist in diesem Punkt überlegen.

DSGVO gilt nicht nur für die Telekom, aber sie hat gelernt

Ob das Gütesiegel, mit dem die Telekom in Bezug auf den Datenschutz wirbt, mehr als die Anpassungen und Zugeständnisse der Konkurrenz wert ist, ist auch eine Glaubensfrage, denn auch für die Mitbewerber gilt der Datenschutz etwa in Form der DSGVO. Dass ein europäischer Assistent per se einen besseren Datenschutz bietet, nur weil er in Europa angesiedelt ist, ist somit zunächst ein Trugschluss. Die rechtlichen Problematiken zwischen EU- und US-Recht sind bislang nicht gelöst. Schlussendlich kommt es auf die konkrete Umsetzung und den tatsächlichen Umgang mit den persönlichen Daten an – ein Bereich, in den der Nutzer quasi keinen Einblick hat. Was die Deutsche Telekom nach den Berichten der vergangenen Monate jedoch richtig macht und andere Unternehmen erst lernen mussten: Der offene Umgang mit diesem Thema informiert nicht nur, sondern schafft Vertrauen.

Nutzer sollten sich trotzdem darüber im Klaren sein, dass auch ein europäischer Sprachassistent die Aufnahmen bis zu zwei Jahre speichert und Mitarbeiter sich einzelne Anfragen anhören und abtippen, um das System zu trainieren und zu verbessern. In der Hallo-Magenta-App kann der Anwender seine Anfragen löschen und der manuellen Auswertung widersprechen, nach der Einrichtung ist diese jedoch standardmäßig aktiv. Auch die Tatsache, dass die Einstellung hierfür am Ende der Datenschutzbestimmung platziert ist, die bekanntlich niemand liest, spricht dafür, dass man zwar offen mit dem Thema umgehen und Möglichkeiten anbieten möchte, das System aber auch nur dann gut funktioniert, wenn sich ihm nicht jeder verweigert.

ComputerBase hat den Smart Speaker leihweise von der Deutschen Telekom zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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