Telekom Smart Speaker im Test: Die europäische Antwort auf Alexa, Siri und Google

Frank Hüber 103 Kommentare
Telekom Smart Speaker im Test: Die europäische Antwort auf Alexa, Siri und Google

tl;dr: Der Smart Speaker der Deutschen Telekom hat einen eigenen Sprachassistenten und wirbt mit europäischem Datenschutz als Alternative zu Alexa, Siri und Google. Im Test hat der Sprachassistent jedoch noch Startschwierigkeiten und der Klang des Lautsprechers überzeugt gerade bei Musik nicht.

Ein eigener Sprachassistent als europäische Alternative

Bereits Ende 2017 hat die Telekom einen smarten Lautsprecher mit deutschem Datenschutz in Aussicht gestellt, der sich jedoch verzögerte. An den schon damals angekündigten Funktionen hat sich zum nun erfolgten Start allerdings nichts mehr verändert – weder in positiver noch negativer Hinsicht.

Der schlicht „Smart Speaker“ genannte Lautsprecher mit Sprachassistent setzt nicht nur auf den eigenen digitalen Sprachassistenten der Telekom, sondern es lässt sich optional durch den Benutzer auch Amazon Alexa aktivieren, wobei auf die tausenden Skills für Alexa zurückgegriffen werden kann – an Funktionsumfang mangelt es allein hierdurch somit nicht. Auch die Steuerung des Telekom SmartHome und des Fernsehdienstes MagentaTV sowie die Telefonie über den Lautsprecher als DECT-Mobilteil sind erhalten geblieben.

Der amerikanischen Dominanz etwas entgegenstellen

Die Telekom möchte mit dem eigenen Smart Speaker den Bereich der Sprachsteuerung erschließen, da dieser immer wichtiger und akzeptierter bei den Kunden wird. Zudem will man in Zusammenarbeit mit dem Entwicklungspartner Orange „dem amerikanisch dominierten Markt für Sprachinterfaces ein sicheres europäisches Angebot entgegenstellen“. Selbstredend muss und möchte die Telekom dabei den europäischen Datenschutzstandard gewährleisten, der nicht zuletzt durch die DSGVO ein aussichtsreiches Zugpferd für das Marketing geworden ist – auch, weil die Sprachassistenten von Amazon, Apple und Google immer wieder beim Thema Datenschutz in die Kritik geraten.

Durch die europäische Kooperation mit Orange reduziert die Deutsche Telekom nicht nur die Kosten für eine rein deutsche Entwicklung, sondern stärkt mit einer rascheren Verbreitung zudem die Fähigkeiten des Sprachassistenten, da dieser so schneller lernt.

Die Verknüpfung der eigenen Dienste und der europäische Datenschutz sind nach Ansicht der Telekom die Argumente, dir für den eigenen Smart Speaker und gegen die Konkurrenz sprechen. Ganz kann man auf diese zum Start aber nicht verzichten, wie die Integration von Alexa zeigt, denn das Ökosystem und die Möglichkeiten, die Amazon schon mit Alexa geschaffen hat und anderen bereitstellt, sind dafür zu groß und die Telekom-eigenen Dienste zum Start zu klein – und ohnehin nur für Nutzer interessant, die sie ebenfalls einsetzen.

Was ein digitaler Sprachassistent „Made in Europe“ gegen die allmächtige Konkurrenz von Amazon, Apple und Google im Stande zu leisten ist, muss der Telekom Smart Speaker somit ebenso unter Beweis stellen wie die eigenen Qualitäten in Sachen Hardware und Software – keine leichte Aufgabe, denn die Ansprüche an einen Sprachassistenten sind inzwischen weitaus höher als zum Start von Alexa, Siri und des Google Assistant.

Einrichtung und Inbetriebnahme

Wie bei anderen smarten Lautsprechern auch, erfolgt die Ersteinrichtung des Telekom Smart Speaker über eine App über das Smartphone. Bei der Deutschen Telekom ist es die Hallo-Magenta-App, über die der Lautsprecher konfiguriert werden muss. Zusätzlich muss der Nutzer sein Telekom-Login und die WLAN-Zugangsdaten bereithalten. Sofern ersteres noch nicht besteht, kann es im Einrichtungsprozess erstellt werden. Nach dem Anschließen des Probanden meldet sich dieser zu Wort und sagt dem Nutzer, dass er die App zur Einrichtung herunterladen muss.

Per Chatverlauf durch die Ersteinrichtung

Die App führt in einer Art Chat durch die Einrichtung des Lautsprechers und fragt dabei der Reihe nach das Telekom-Login ab, sucht nach dem Lautsprecher, verbindet diesen zunächst per Bluetooth, möchte die Postleitzahl für ortsbasierte Anfragen wissen sowie Benachrichtigungen aktivieren und fordert erst im letzten Schritt die WLAN-Zugangsdaten ein. Daraufhin startet die Einrichtung des Smart Speaker, die laut Anzeige in der App bis zu 60 Minuten dauern kann. Und tatsächlich genehmigt sich das Telekom-Gerät im Test eine Auszeit von 18 Minuten für die Einrichtung im Hintergrund, was wahrscheinlich auf ein Software-Update zurückzuführen ist – und das bei einer sehr schnellen Internetverbindung mit 400 Mbit/s. Im Laufe des Einrichtungsprozesses, der ungewöhnlich lang ausfällt und den wartenden Nutzer, der seinen neuen Smart Speaker ausprobieren möchte, vor eine harte Probe stellt, schaltet sich der Lautsprecher mehrfach aus und der rotierende Lichtring färbt sich von Blau zu Magenta. Nach Abschluss der Einrichtung sagt der Sprachassistent den erfolgreichen Abschluss an. Die Hallo-Magenta-App benötigte im Test jedoch noch weitere 4 Minuten, bis auch sie den Abschluss bemerkt hatte.

Hallo-Magenta-App der Deutschen Telekom

Wie bei den Amazon Echo muss für einen Wechsel des WLANs der Smart Speaker per Reset auf Werkseinstellungen zurückgesetzt werden, wodurch alle Einstellungen verloren gehen und wiederholt vorgenommen werden müssen – ärgerlich. Die erneute Einrichtung geht jedoch deutlich schneller als die erste.

Im nächsten Schritt kann der Nutzer die zusätzlichen Telekom-Funktionen aktivieren, die sich ergeben, wenn man einen Festnetzanschluss der Deutschen Telekom für die Telefonie nutzt, MagentaTV einsetzt oder das Magenta-SmartHome-System besitzt.

Auch Alexa lässt sich auf Wunsch aktivieren

Im Anschluss wird der Nutzer gefragt, ob er Amazon Alexa als zweiten Sprachassistenten aktivieren möchte, um Musik abzuspielen und Alexa-Skills zu nutzen. Der Anwender wird dabei darauf hingewiesen, dass seine Daten bei der Nutzung von Alexa von Amazon und nicht mehr von der Telekom verarbeitet werden. Für die Aktivierung ist im Folgenden ein Login mit dem Amazon-Konto notwendig, um es mit dem Speaker zu verknüpfen.

Nur wenige Partner bzw. Skills zum Start

Danach wird der Käufer an die Sprachsteuerung herangeführt, indem ihm Beispiele für Fragen vorgegeben werden, was die Einrichtung des Telekom Smart Speaker abschließt. Neben allgemeinen Anfragen kann man über den Lautsprecher derzeit das Wetter abfragen, To-do- und Einkaufslisten erstellen, Timer stellen, das Fernsehprogramm abrufen und sich Bundesliga-Ergebnisse anzeigen, Wörter ins Englische übersetzen oder die Tagesschau in 100 Sekunden ansagen lassen.

Die Auswahl an Partnern, was bei Alexa Skills entsprechen würde, ist derzeit somit noch sehr begrenzt.

Bedienung und technische Daten des Telekom Smart Speaker

Der Telekom Smart Speaker wird, wie für einen solchen Lautsprecher und digitalen Assistenten üblich, per Sprache bedient. Das Aktivierungswort hört bei der Telekom auf den etwas befremdlich wirkenden Ausdruck „Hallo Magenta“ und kann derzeit nicht geändert werden. Wie bei der Konkurrenz kann der Sprachassistent aber auch über eine Aktionstaste aktiviert werden, so dass das Aktivierungswort nicht ausgesprochen werden muss. Bei dem Telekom Smart Speaker ist dieser Knopf als Schaltfläche im Touchpad an der Oberseite des Lautsprechers ausgelegt. Eine Berührung in der Mitte der Geräte-Oberseite genügt, um den Assistenten zu aktivieren. Über den Rand des Touchpads wird hingegen durch ein Wischen im oder gegen den Uhrzeigersinn die Lautstärke gesteuert.

Touch-Oberfläche reagiert je nach Inhalt

An die Bedienung über die Touch-Oberfläche muss man sich zunächst gewöhnen, denn für die Lautstärke gibt es keinen Nullpunkt, sondern die Einstellung wird immer von dort, wo man den Finger auflegt, geregelt. Dies wird durch entsprechend viele, weiß leuchtende LEDs am Leuchtring visualisiert. Wird gerade Musik wiedergegeben, aktiviert ein Druck in der Mitte jedoch nicht den Assistenten, sondern pausiert zunächst die Musik, ohne auf eine weitere Anfrage zu warten. Ein Doppelklick deaktiviert die jeweilige Anwendung oder lehnt einen Anruf ab. Möchte man in diesem Fall eine Anfrage starten, muss man die Fläche in der Mitte länger gedrückt halten, bis der Leuchtring magenta leuchtet.

Leuchtring färbt sich je nach Assistent

Direkt neben der Kante des Touchpads ist nämlich ein LED-Leuchtring positioniert, der leuchtet, wenn der Smart Speaker zuhört oder einen Befehl ausführt. Für den Sprachassistenten der Deutschen Telekom leuchtet er magenta. Sobald Alexa aktiviert und aufgerufen wird, leuchtet er blau, wie man es von den Amazon Echo kennt – eine sehr gute Umsetzung, die dem Nutzer sofort zeigt, welcher Sprachassistent gerade aktiv genutzt wird. Allerdings reagiert der Smart Speaker auf das Schlagwort Alexa auch bei Deaktivierung des Dienstes, leuchtet dann jedoch rot.

Leuchtet der Ring rot, ist das Mikrofon deaktiviert. Grün zeigt eingehende Anrufe an und Orange deutet auf einen Fehler hin. Gelb signalisiert hingegen Benachrichtigungen von Amazon.

An der Rückseite befindet sich die Taste zum Deaktivieren des Mikrofons, damit der Lautsprecher jegliches Mithören unterlässt. Das Mikrofon kann auch per Sprache deaktiviert werden. Zudem hat die Telekom eine kleine Leuchtanzeige im unteren Bereich positioniert, die die Stromzufuhr kennzeichnet. Unter einer Gummiabdeckung sitzt ein 3,5-mm-Audioausgang. Der Stromanschluss und die Reset-Taste sind an der Unterseite des Lautsprechers platziert.

Technische Daten des Telekom Smart Speaker
Telekom Smart Speaker
Lautsprecher 2 42-mm-Treiber (max. 25 Watt), 2 Passiv-Resonatoren
Mikrofone 4 Mikrofone mit Beamforming
WLAN 802.11 b/g/n/ac (2,4 & 5 GHz)
DECT Ja
Bluetooth 4.1
Audioausgang 3,5 mm, analog/digital
Maße 110 × 100 mm (Durchmesser × Höhe)
Gewicht 570 Gramm
Netzteil 36 Watt, extern
Preis (UVP) 149,99 Euro

Leistungsaufnahme

Die Leistungsaufnahme des Telekom Smart Speaker im Standby ohne aktiviertes DECT liegt bei 2,9 Watt. Das ist vergleichsweise viel, wenn man bedenkt, dass ein Amazon Echo Show 5 (Test) mit Display einen etwas niedrigeren Verbrauch bei aktiviertem Bildschirm aufweist und bei ausgeschaltetem nur 1,1 Watt verbraucht. Auch die Lenovo Smart Clock (Test) mit Display liegt unter dem Wert des Smart Speaker der Telekom. Der Gigaset Smart Speaker L800HX (Test) mit aktiviertem DECT-Mobilteil ist ungefähr auf dem Niveau des Telekom Smart Speaker.

Bei mittlerer Lautstärke während der Musikwiedergabe via Spotify liegt die Leistungsaufnahme des Telekom Smart Speaker zwischen 3,7 und 4,5 Watt.

Spotify nur über die App – oder Alexa

Wer Musik auf dem Smart Speaker der Telekom hören will, kann per Sprachbefehl einen Radiosender starten, sich per Bluetooth mit dem Lautsprecher verbinden („Hallo Magenta, verbinde dich mit Bluetooth“) oder aber über das Smartphone Musik per Spotify Connect an den Lautsprecher streamen. Das bedeutet auch, dass immer das Smartphone bemüht werden muss, um die Musikwiedergabe zu starten oder die Playlist zu wechseln. Über „Hallo Magenta“ ist dies nicht möglich, denn der Assistent kann lediglich die Wiedergabe pausieren bzw. fortsetzen oder die Lautstärke anpassen.

Die Sprachalternative derzeit: Die Musikwiedergabe wird über Alexa gesteuert, denn ist die Alexa-App mit Spotify gekoppelt, ist die Sprachsteuerung von Spotify auch über den Lautsprecher der Telekom per Alexa kein Problem. Die Wiedergabesteuerung selbst ist dann wiederum über „Hallo Magenta“ möglich, solange man nicht die Playlist wechseln möchte oder die Wiedergabe pausiert, denn fortgesetzt werden kann sie dann wiederum nur über Alexa.

Die Sprache ist noch zu unnatürlich

Die Sprachausgabe des Magenta-Assistenten wirkt fast immer unnatürlich und künstlich, da viele Betonungen falsch sind. Dies lässt auf ein simples Text-to-Speech schließen, wie man es häufig auch noch bei Google Maps antrifft, wenn unbekannte Straßen- und Ortsnamen falsch betont werden, da der Assistent auf das geschriebene Wort zurückgreifen muss.

Bei allgemeinen Anfragen, etwa zur Geschichte oder zu Personen, greift die Telekom für Antworten auf Wikipedia zurück, was jedoch häufig dazu führt, dass selbige sehr lang ausfallen. Am Ende einer Anfrage gibt der Magenta-Assistent seine Quelle vorbildlich an.

Stellt man Anfragen, während Musik beispielsweise mit Lautstärke 2 nur leise wiedergegeben wird, ist die Sprachausgabe im Verhältnis zur Musik zu leise, da letztere im Hintergrund weiterläuft, die Antwort aber immer mit der zuletzt eingestellten Lautstärke ausgegeben wird.

Antworten von Alexa und Hallo Magenta im direkten Vergleich

Da der Smart Speaker der Deutschen Telekom nicht nur die Nutzung des eigenen Hallo-Magenta-Assistenten, sondern auch von Amazon Alexa ermöglicht, ist ein direkter Vergleich auf demselben Lautsprecher möglich. Er zeigt, dass der digitale Assistent des deutschen Unternehmes noch deutlich unnatürlicher klingt, zu lange Antworten gibt und keine Anschlussfragen zu einem Thema ermöglicht.

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