Apple MacBook Pro 16 Zoll im Test: Zurück in die Zukunft

Nicolas La Rocco 202 Kommentare
Apple MacBook Pro 16 Zoll im Test: Zurück in die Zukunft

tl;dr: Indem Apple beim MacBook Pro 16 Zoll vermeintliche Rückschritte in puncto Größe und Gewicht macht, kann das Notebook von einer besseren Tastatur, guter Kühlung für dauerhaft hohe Leistung und längeren Laufzeiten profitieren. Am MacBook Pro 16 Zoll gibt es viel Positives festzuhalten und kaum etwas zu meckern.

Das MacBook Pro 16 Zoll ist nicht einfach nur die Ablöse des MacBook Pro mit 15,4 Zoll, es soll auch wieder mehr den Anforderungen von professionellen Anwendern gerecht werden, die ein zuverlässiges Notebook mit dauerhaft hoher Leistung verlangen. Dafür hat Apple zum Beispiel die mit dem MacBook eingeführte Butterfly-Tastatur nach Jahren der Probleme rausgeschmissen und durch einen klassischen Scherenmechanismus ersetzt, wie es ihn in der Zeit vor den Problemen gab. Außerdem ist die Kühlung überarbeitet worden, damit es bei Intels Core-i7- und Core-i9-Prozessoren nicht erneut zu vergleichsweise niedrigen Turbo-Taktraten kommt.

Apple verdoppelt SSD-Speicher ohne Aufpreis

Im Zuge der Überarbeitung hat Apple erstaunlicherweise nicht an der Preisschraube gedreht. Genau genommen ist das Gegenteil der Fall, denn mit dem MacBook Pro 16 Zoll sind die SSDs beider Basismodelle standardmäßig doppelt so groß. Außerdem sind durch die Bank etwas schnellerer RAM und performantere Grafikkarten aus dem Hause AMD verbaut.

Wie bei der letzten Generation liegt der Startpreis bei 2.699 Euro mit Core i7-9750H, 16 GB RAM, jetzt 512 GB statt 256 GB großer SSD und AMD Radeon Pro 5300M. ComputerBase hat hingegen das zweite Basismodell mit Core i9-9880H, 16 GB RAM, jetzt 1-TB- statt 512-GB-SSD und kleiner AMD Radeon Pro 5500M getestet, das bei 3.199 Euro liegt. Beide Basisvarianten lassen sich mit Vollausstattung bestehend aus Core i9-9980HK, 64 GB RAM, 8-TB-SSD und großer AMD Radeon Pro 5500M auf bis zu 7.139 Euro bringen.

Diese Konfigurationen des MacBook Pro 16 Zoll gibt es

Basismodell 1 Basismodell 2*
Grundausstattung Optionen Grundausstattung Optionen
CPU Intel Core i7-9750H
6 Kerne, 12 Threads
2,60–4,50 GHz, 12 MB L3 Cache
Intel Core i9-9980HK
8 Kerne, 16 Threads
2,40–5,00 GHz, 16 MB L3 Cache
(+ 360 €)
Intel Core i9-9880H
8 Kerne, 16 Threads
2,30–4,80 GHz, 16 MB L3 Cache
Intel Core i9-9980HK
8 Kerne, 16 Threads
2,40–5,00 GHz, 16 MB L3 Cache
(+ 220 €)
iGPU Intel UHD Graphics 630
0,35–1,15 GHz
Intel UHD Graphics 630
0,35–1,25 GHz
Intel UHD Graphics 630
0,35–1,20 GHz
Intel UHD Graphics 630
0,35–1,25 GHz
dGPU AMD Radeon Pro 5300M, 4 GB GDDR6 AMD Radeon Pro 5500M, 4 GB GDDR6
(+ 120 €)
AMD Radeon Pro 5500M, 8 GB GDDR6
(+ 240 €)
AMD Radeon Pro 5500M, 4 GB GDDR6 AMD Radeon Pro 5500M, 8 GB GDDR6
(+ 120 €)
RAM 16 GB DDR4 2.666 MHz 32 GB DDR4 2.666 MHz
(+ 480 €)
64 GB DDR4 2.666 MHz
(+ 960 €)
16 GB DDR4 2.666 MHz 32 GB DDR4 2.666 MHz
(+ 480 €)
64 GB DDR4 2.666 MHz
(+ 960 €)
SSD 512 GB 1 TB
(+ 240 €)
2 TB
(+ 720 €)
4 TB
(+ 1.440 €)
8 TB
(+ 2.880 €)
1 TB 2 TB
(+ 480 €)
4 TB
(+ 1.200 €)
8 TB
(+ 2.640 €)
Display 16,0 Zoll, IPS, 3.072 × 1.920, P3-Farbraum, True Tone
Akku 100 Wh
Anschlüsse 4 × Thunderbolt 3, 1 × Kopfhörerbuchse
Konnektivität WLAN 802.11ac, Bluetooth 5.0
Webcam 720p FaceTime HD Kamera
Abmessungen
(B × T × H)
357,9 × 245,9 × 16,2 mm
Gewicht 2,00 kg
Farbe Silber, Space-Grau
Betriebssystem macOS
Preis 2.699 € bis zu 7.139 € 3.199 € bis zu 7.139 €
*Testgerät

16 Zoll geschickt auf 2 kg verschleiert

Ob man das ältere MacBook Pro 15,4 Zoll oder das neue MacBook Pro 16 Zoll vor sich stehen hat, ist im geschlossenen Zustand nicht einfach zu erkennen. Genau genommen ist es ohne Direktvergleich überhaupt nicht zu erkennen, denn die beiden Notebooks trennen gerade einmal 8,6 × 5,2 mm in der Fläche und winzige 0,7 mm in der Höhe. Hebt man das Notebook hingegen an, machen sich die 170 g Mehrgewicht des größeren Modells in feinfühligen Händen doch bemerkbar.

Lautsprecher mit Kinoambitionen

Netter Nebeneffekt des größeren Gehäuses sind die sehr guten Lautsprecher, von denen es insgesamt sechs zu gleichen Anteilen auf der linken und rechten Seite verteilt gibt – davon zwei Tieftöner, die ihre auf das Gehäuse wirkenden Vibrationen gegenseitig ausgleichen können, um ein Mitschwingen zu verhindern. Das klappt in der Praxis gut, denn selbst bei höchster Lautstärke wird das MacBook Pro nicht zur scheppernden Boombox, sondern bleibt präzise. Und bei höchster Lautstärke wird beim MacBook Pro ein kleiner Büroraum durchaus intensiv bespielt. Insbesondere vor dem Notebook wird der Klang räumlich solide aufgeteilt, sodass Töne gut den unterschiedlichen Kanälen zugeordnet werden können. Apple nennt im Datenblatt die Unterstützung für die Dolby-Atmos-Wiedergabe. Entsprechendem Demomaterial lässt sich tatsächlich ein gewisser Surround-Effekt entlocken, wenngleich man sich noch nicht wie ins Kino versetzt fühlt. Dennoch handelt es sich um ausgezeichnete Notebook-Lautsprecher, die am Markt derzeit ihresgleichen suchen.

Passend dazu hat Apple drei neue Mikrofone verbaut, die in FaceTime, Skype oder auch Podcasts für eine bessere Audioqualität sorgen. Im Direktvergleich mit einem iPhone 11 Pro Max (Test) sind geringeres Rauschen und weniger Hall festzustellen.

MacBook Pro 16 Zoll Mikrofon
iPhone 11 Pro Max Mikrofon

Für 16 Zoll hat Apple ein elegantes Notebook auf die Beine gestellt, das Größe und Gewicht gelungen verschleiert. 2 kg sind zwar klar mehr als bei einem der beliebten 13-Zoll-Begleiter, die häufig weit unter 1,5 kg liegen. Gemessen an der zur Verfügung stehenden, größeren Bildschirmdiagonale geht das Gewicht aber in Ordnung.

Hochwertiges Chassis aus Aluminium

Abgesehen von den neuen Dimensionen ist das MacBook Pro äußerlich nicht von seinem Vorgänger zu unterscheiden. Nach wie vor stehen die Farben Silber und Space-Grau (Testgerät) zur Verfügung und weiterhin liegen Haptik, Materialwahl und Verarbeitung auf höchstem Niveau. Nur manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass man bei zu viel Druck beim Anheben eine Stelle an der Unterseite fasst, bei der die Außenhaut auf die Hardware trifft, sodass ein Geräusch ähnlich einem leisen Knacken erklingt. Wer einen Blick auf die Technik werfen möchte, muss dafür mindestens die sechs sichtbaren Pentalob-Schrauben entfernen. Selbst austauschen lässt sich aber beinahe keine der meist verlöteten Komponenten, wie iFixit im Teardown meldet.

Die neue Tastatur ist ein Segen

Da wendet man sich als Anwender lieber den sichtbaren Bauteilen zu, etwa der neuen Tastatur. Oder sollte es eher „alte“ Tastatur heißen? Genau genommen geht Apple mit der Rückkehr zum Scherenmechanismus einen Schritt zurück, macht dabei aber dennoch zwei Schritte nach vorne. Nach Jahren der fehlerbehafteten Butterfly-Tastaturen, die schon beim kleinsten Krümel ausfallen konnten und zudem für ihr lautes Klackern beim Tippen bekannt waren, kehrt der Konzern zum zuvor genutzten Scherendesign mit rund 50 Prozent längerem Tastenhub zurück (1,0 mm vs. 0,7 mm). Das MacBook Pro 16 Zoll ist das erste Apple-Notebook, das nicht mehr am Serviceprogramm für Tastaturen des MacBook, MacBook Air und MacBook Pro teilnimmt. 16 seit 2015 vorgestellte Notebooks, davon vier aus diesem Jahr, sind von den Problemen betroffen.

Die Rückkehr zum Scherenmechanismus ist so simpel wie effektiv: Auf dem neuen MacBook Pro tippt es sich absolut fantastisch und zuverlässig. Bisher konnten sich keine Krümel in den Mechanismus der Tasten vorkämpfen und für Ausfälle sorgen. Hoffentlich bleibt es auch in absehbarer Zeit dabei.

Die Tastatur hat aber mehr zu bieten als einen neuen alten Mechanismus unter den übrigens marginal kleineren Tastenkappen, darunter wieder eine physische Esc-Taste, anstatt diese in die „Touch Bar“ zu integrieren, und ein Layout in umgedrehter T-Anordnung für die Pfeiltasten, anstatt die Tasten für links und rechts in voller Höhe die Lücken zur Shift-Taste schließen zu lassen. Das mag zwar weniger in Apples Welt der perfekten Symmetrie passen, trennt die Tasten aber besser voneinander. Und auch die Power-Taste mit integriertem Touch-ID-Scanner ist nun leicht abgesetzt von der „Touch Bar“. Der Fingerabdrucksensor arbeitet absolut zuverlässig und steht damit im krassen Kontrast zu der zuletzt wenig überzeugenden Umsetzung im Dell XPS 13 2-in-1 (7390) (Test). Für die Erstanmeldung nach dem Hochfahren und manche administrative Bestätigungen verlangt macOS – wie Windows 10 – das Nutzerpasswort.

Das Trackpad hat keine Konkurrenz

Wenige Millimeter unterhalb der Tastatur beginnt das gigantische Force-Touch-Trackpad, das mit 16 × 10 cm die Abmessungen aus dem MacBook Pro 15,4 Zoll übernommen hat. Zum Vergleich: Das Exemplar im MacBook Pro 13,3 Zoll bietet 13,5 × 8,3 cm, in noch älteren Geräten ohne das Force-Touch-Feature, wie etwa dem Ende 2013 bis Mitte 2017 gefertigten MacBook Pro A1502, sind es nur 10,5 × 7,5 cm.

Apples Trackpads sind weiterhin das Maß der Dinge hinsichtlich Zeigerpräzision und Multi‑Touch-Gestensteuerung. Seit der Umstellung auf die Force-Touch-Trackpads gibt es zudem druckempfindliche Funktionen wie Force-Klicks, die bei festem Drücken sekundäre Funktionen auslösen können. Apples Trackpads haben zudem den Vorteil, dass sie nicht wie eine Wippe oben an einem Scharnier aufgehängt sind und deshalb an beliebiger Stelle bedient werden können. In der Windows-Welt bietet kein einziger Hersteller eine ähnlich gute Umsetzung. Dichtester Verfolger von Apple sind hier im besten Fall noch Microsoft mit dem Surface Laptop und Dell mit dem XPS 15.

16-Zoll-Display entspricht genau Apples Angaben

Namensgebendes Merkmal des MacBook Pro ist der von 15,4 Zoll auf 16 Zoll vergrößerte Bildschirm. 0,6 Zoll mehr Diagonale resultieren dank dünnerer Display-Ränder in einem nur wenige Millimeter größeren Gehäuse. Um die bisherige Pixeldichte von 226 ppi zu erhalten, hat Apple die Auflösung von 2.880 × 1.800 Pixel auf 3.072 × 1.920 Pixel erhöht. Das im Alltag aufgrund des zusätzlichen Platzes in der Höhe praktische Seitenverhältnis von 16:10 ist beibehalten worden. Beim Dell XPS 13 2-in-1 ist dieses Format zuletzt ebenso positiv in Erscheinung getreten. Auch Microsofts 3:2-Bildschirme bei den Surface-Geräten sind den 16:9-Sehschlitzen vieler Notebooks klar überlegen. Das Panel deckt zudem nach wie vor den erweiterten P3-Farbraum ab.

Display-Homogenität des MacBook Pro 16 Zoll
Display-Homogenität des MacBook Pro 16 Zoll

Apple bewirbt den Bildschirm des MacBook Pro 16 Zoll mit einer maximalen Helligkeit von 500 cd/m², was sich im Test als praxisnahe Angabe herausgestellt hat. Genau genommen übertrifft Apple diese Angabe im zentralen Bereich des Displays mit bis zu 512 cd/m² sogar leicht. In neun Bereichen gemessen erreicht der Bildschirm eine durchschnittliche Maximalhelligkeit von sehr guten 493 cd/m². Die Homogenität des Panels fällt dabei ausgezeichnet aus und liegt mit 96 Prozent auf Augenhöhe zum bisher besten Notebook, dem Lenovo ThinkPad X1 Carbon G7 (Test).

Die hohe Maximalhelligkeit sorgt auch dafür, dass Apple die teils auftretenden Reflexionen des mit Glas abgedeckten Bildschirms ausgleichen kann. Anwender müssen sich aber darüber im Klaren sein, dass beim MacBook Pro tendenziell mit einer höheren Helligkeit als bei einem Notebook mit mattem Bildschirm gearbeitet werden muss, um trotz Antireflexionsschicht die gleiche Ablesbarkeit zu erreichen. Auf der anderen Seite hat ein Bildschirm mit Glasabdeckung unter guten Lichtbedingungen stets einen gewissen Brillanzvorteil gegenüber matten Panels, der für sattere Farben und einen subjektiv wahrgenommen besseren Kontrast sorgt. Der wiederum liegt mit gemessenen 1.450:1 im gehobenen Mittelfeld, stellt aber keine neuen Rekorde auf. Dennoch sorgen die ermittelten Schwarzwerte zwischen 0,326 cd/m² und 0,349 cd/m² für ein tiefes Schwarz, das nicht nach Grau aussieht.

Wie Apples Smartphones und Tablets unterstützt auch das MacBook Pro „True Tone“, um den Weißpunkt des Displays an das Umgebungslicht anzupassen. Außerdem kann dieser mittels „Night Shift“ weiter abgesenkt werden, was sich für die Zeit von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang festlegen lässt. Ohne diese Funktionen liegt der Weißpunkt bei leicht kühleren 6.900 Kelvin und damit etwas höher als bei den zuletzt getesteten iPhones. Deren OLED-Panels sind Apples derzeit beste Displays.

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