Resident Evil 3 im Test: Spielkritik und das Fazit

 3/3
Wolfgang Andermahr et al.
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Mit dem Remake von Resident Evil 2 hat Capcom schon im vergangenen Jahr bewiesen, dass man im Unternehmen weiß, wie Klassiker in die Moderne geholt werden. Mit Teil 3 gelingt zwar erneut ein gutes Spiel, ganz an die Qualität des Vorgängers reicht dieses Werk jedoch nicht heran. Das liegt weniger an der Arbeit selbst und mehr an der Grundlage.

Wie gut ist Resident Evil 3?

Schnelle Flucht aus dem mit Zombies verseuchten Raccoon City heißt die Devise in Resident Evil 3, aber auch „Feuer frei“. Beides gilt parallel, denn das Entkommen gelingt hier in der Haut von „Supercop“ Jill Valentine nach rund sieben Stunden schneller als vor einem Jahr und gelingt durch großzügigeren Einsatz von Waffengewalt. Damit fällt dieser Text ähnlich mit der Tür ins Haus wie das Spiel mit seinen Zombies: Es ist elegant konstruiert, lässt aber die feine Subtilität echten Horrors vermissen. Raccoon City erweckt selten den Eindruck, überlaufen zu sein – man kommt schon zurecht. Noch gibt es alles, was das Herz begehrt, wenn es mit einem Minimum an Augenmaß genutzt wird – zumindest an Waffen und Munition; Klopapier und Mehl machen sich auch virtuell rar.

Im Ergebnis kommt nur schwer das Gefühl auf, permanent unter Druck zu stehen. Schwierig ist die Situation auf dem Bildschirm vielleicht, jedoch stets auch beherrschbar. Beherrschbarkeit aber gibt dem Spieler das Heft in die Hand, was zeigt, dass die Abmischung von Resident Evil 3 eine andere als noch im Vorgänger ist. Wie schon im Original wird ein erster Schritt in Richtung Action getan. Wie dieser Wechsel beurteilt werden muss, wäre eine andere Frage. Der frühere Horror geht zwar, es bleibt jedoch spannend.

Zu gruseln schafft Resident Evil 3 nur sehr punktuell, zu packen aber dauerhaft. Wenn Zombies bedrohlich stöhnen, unvermittelt aufstehen oder Spinnen in dunklen Gängen lauern, kleben die Hände an den Eingabegeräten. Dazu kommen Mechaniken, die serientypisch sind, ihren Platz aber längst nicht mehr im Mainstream haben: Lebenspunkte zeigt die Körperhaltung an, die Umgebung will beachtet werden, Hilfestellungen gibt es kaum. Punkten kann Capcoms neues Werk zudem mit dem Design der Umgebungen. Sie sind hübsch und – aus spielerischer Sicht noch besser – schlau entworfen, indem sie sich erst sukzessiv eröffnen, kleine Puzzles beinhalten und an Schlüsselstellen das Backtracking, also das Zurücklaufen in bereits erforschte Gebiete, durch kleine Überraschungen interessant halten.

Das will auch der Nachfolger von Mr. X. Der ebenfalls unzerstörbare Nemesis lässt sich aber wie jeder andere Gegner händeln. Entgegen seinem selbstsicheren Auftritt und der penetranten Hartnäckigkeit klebt er nur geskriptet an den Versen. Dass seine Rolle nicht mehr die des ultimativen Todesfürsten sein soll, verrät sein Loot: Wer ihn in die Knie zwingt, erhält Waffen-Upgrades, was wiederum den kampflastigeren Ansatz unterstreicht. Selbst hier hilft aber das Vorgehen mit Köpfchen, denn ein Doom wird Resident Evil noch lange nicht. Wer statt Hirn nur den Ballerfinger bedient, endet schließlich doch als Zombiefutter.

Ist Resident Evil 3 unterm Strich also anders als Resident Evil 2? Sicherlich. Ist es deshalb schlechter? Das hängt von den Erwartungen ab. Horror gibt es weniger, dafür mehr Action, packend bleibt es. Ist es auch ein gutes Remake? Das können nur die beantworten, die das Original gespielt haben. Kenner auf Metacritic befinden, dass der Neuauflage Aspekte des Originals fehlen, andere Teile gestrafft wurden. Ersteres wird für schlecht befunden, letzteres vorsichtig positiv aufgenommen. Lange Rede, kurzer Sinn: Ist es nun also einen Kauf wert? Ja, als knackiges Einzelspieler-Actionspiel nach alter Schule.

Fazit

Das Remake zu Resident Evil 3 kommt inhaltlich nicht an die Qualität des Pendants zu Resident Evil 2 heran, was jedoch weniger am Remake an sich, sondern vielmehr am Spiel selbst liegt – für Horror-Fans ist Resident Evil 2 schlicht das bessere Spiel, während Resident Evil 3 eindeutig Richtung Action tendiert.

Die Umsetzung selbst ist dagegen wieder gut gelungen. Im Vergleich zum Original ist die Grafik nicht mehr wiederzuerkennen, auch der Perspektivwechsel ist wieder inklusive. Im Vergleich zum heutigen Standard ist die Optik höchstens durchschnittlich, in Anbetracht des Alters von Resident Evil 3 aber durchaus bemerkenswert.

Resident Evil 3 im Technik-Test

Der Speicherhunger ist unbegründet

Die Performance des Spiels ist dabei gelungen, einen High-End-Rechner braucht es auch in hohen Auflösungen nicht. Zwei Kritikpunkte gibt es bei der PC-Version aber. So läuft DirectX 12 zwar deutlich besser als beim Vorgänger, trotzdem bleibt DirectX 11 eigentlich durchweg die bessere API. Und es stellt sich die Frage, warum die Texturen so einen Speicherhunger aufweisen. Hat die Grafikkarte nur 4 GB oder auch 6 GB, können die höchsten Texturdetails gleich ignoriert werden, ohne dass es dafür einen nachvollziehbaren Grund gibt. Das können andere Spiele deutlich besser.

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