Resident Evil 3 im Test: Ein gutes Remake mit mehr Action statt Horror

Wolfgang Andermahr et al.
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Resident Evil 3 im Test: Ein gutes Remake mit mehr Action statt Horror

tl;dr: Nach dem überraschend erfolgreichen, beliebten und schlicht guten Remake von Resident Evil 2 erscheint am Freitag das Remake zu Resident Evil 3. Das Spiel basiert auf der gleichen Technik und läuft auch vergleichbar gut, wie Benchmarks der Redaktion zeigen. Dabei sieht der neue Titel trotzdem etwas besser aus.

Update 03.04.2020 09:43 Uhr

ComputerBase hat sieben verschiedene Prozessoren bis hinauf zum Core i-9900K beziehungsweise Ryzen 9 3900X in Resident Evil 3 getestet. Es zeigt sich, dass zwar auch die CPU einen Einfluss auf die Performance des Spiels hat, sie entscheidet aber nicht zwischen spielbar und unspielbar.

Das Remake zu Resident Evil 2 (Test) war Anfang 2019 definitiv eine Überraschung. Entwickler Capcom hatte richtig viel Arbeit investiert, sodass das Spiel auf der einen Seite kaum noch wiederzuerkennen war, schlussendlich aber immer noch Resident Evil 2 blieb. Mit dem Remake zu Resident Evil 3 will der Hersteller daran anknüpfen. Die technische Basis ist zwar in diesem Fall ein gutes Stück neuer, das Endergebnis der Frischzellenkur kann aber erneut beeindrucken.

Denn während Remakes in den meisten Fällen eine etwas aufgehübschte Version des Originals sind, gehen die zwei Resident-Evil-Remakes deutlich weiter. Mit moderner Technik sehen die Spiele völlig anders aus und obwohl selbst die Kameraperspektive wechselt, geht die Atmosphäre der Originale dennoch nicht verloren. Wie beim Remake von Teil 2 setzt Capcom die hauseigene RE-Engine ein.

Resident Evil 3 ist vom grafischen Stil zwar absolut identisch zum Remake von Resident Evil 2, sieht schlussendlich aber noch einmal leicht besser aus. So haben sich die Leveldesigner etwas mehr austoben dürfen, die Levels sind großflächiger und detaillierter gestaltet. Die Grafikqualität ist zwar weit von AAA-Standards entfernt, allerdings passt der Stil zum Spiel. Da Animationen und Beleuchtung überzeugen, fängt die Grafik die klamme Atmosphäre des Titels gut ein.

Mit AMD, Nvidia und DirectX 12 „inside“

Wie schon bei Resident Evil 2 steht bei Resident Evil 3 (gemeint sind ab sofort jeweils die Remakes) neben DirectX 11 auch die Low-Level-API DirectX 12 inklusive Async Compute zur Auswahl. Im Spiel selbst haben sich zudem Techniken von AMD und Nvidia eingefunden, die auf allen modernen Grafikkarten unabhängig vom Hersteller funktionieren. So bietet der Titel Nvidias Umgebungsverdeckung HBAO+ sowie AMDs Schärfefilter FidelityFX an.

Ein gutes, umfangreiches Grafikmenü

Die PC-Version von Resident Evil 3 hat nicht nur ein umfangreiches Grafikmenü mit vielen Einstellmöglichkeiten, sondern auch ein komfortables. So sind die einzelnen Optionen schnell geändert, ein Neustart ist nicht notwendig. Darüber hinaus gibt es zu den einzelnen Punkten einen Beispiel-Screenshot sowie eine kurze Erklärung.

Das Spiel bietet spielinternes Up- sowie Downsampling (von 50 Prozent bis hin zu 200 Prozent der eingestellten Auflösung in 10-Prozent-Schritten), darüber hinaus gibt es einen FPS-Limiter, der sich jedoch nur auf 30 FPS, 60 FPS oder „Aus“ einstellen lässt. Darüber hinaus ist eine Anzeige zur VRAM-Auslastung vorhanden. Wie schon im Remake zu Resident Evil 2 zeigt sie jedoch nur schwer nachvollziehbare Werte an. So sollen hohe Texturdetails, die noch lange nicht das Maximum sind, bereits eine Grafikkarte mit einem 11 GB großen Speicher überlasten – und das ist definitiv nicht der Fall. Dennoch benötigt das Remake viel Speicher.

Vier Grafik-Presets mit teils geringen Unterschieden

Resident Evil 3 bietet mit „Maximum“, „Grafik priorisieren“, „Ausgeglichen“ und „Leistung priorisieren“ vier verschiedene Grafik-Presets. Die optischen Unterschiede zwischen „Maximum“ und „Grafik priorisieren“ sind subtil, aber vorhanden. So wartet „Maximum“ zum Beispiel mit einer besseren Schattendarstellung auf. Auch davon abgesehen gibt es Unterschiede, die aber in die Kategorie „anders“ und nicht „besser“ oder „schlechter“ fallen.

Wer auf „Ausgeglichen“ zurückschaltet, verliert auf Screenshots zwar kaum Details, in Bewegung dafür aber deutlich mehr. Denn mit der Einstellung arbeitet das LOD sehr aggressiv, sodass immer wieder Objekte im Bild auftauchen oder verschwinden, je nachdem wie weit man von diesen entfernt ist. Das ist zwar störend, Resident Evil 3 wird dadurch aber nicht unansehnlich.

Das passiert erst mit den niedrigsten Details, denn dann gibt es keine Screenspace-Reflexionen mehr. Texturen verlieren massiv an Details, manche Objekte werfen keine Schatten mehr und auch die Umgebungsverdeckung leidet. Von dem Preset „Leistung priorisieren“ sollte abgesehen werden.

Grafik-Presets – 2.560 × 1.440
  • AMD Radeon RX 5700 XT:
    • Leistung-priorisieren-Preset
      168,0
    • Ausgeglichen-Preset
      113,2
    • Grafik-priorisieren-Preset
      105,1
    • Maximum-Preset
      95,1
  • Nvidia GeForce RTX 2070 Super:
    • Leistung-priorisieren-Preset
      189,1
    • Ausgeglichen-Preset
      127,5
    • Grafik-priorisieren-Preset
      118,8
    • Maximum-Preset
      108,3

AMD- und Nvidia-Grafikkarten reagieren fast identisch auf unterschiedliche Grafikoptionen. Wer von den maximalen Details auf das Grafik-priorisieren-Preset zurückschaltet, erhält ein FPS-Plus von 10 Prozent auf der GeForce RTX 2070 Super, während die Radeon RX 5700 XT um 11 Prozent zulegt. Das Ausgeglichen-Preset bringt dann ein weiteres Plus von 7 (Nvidia) respektive 8 Prozent (AMD). Das zeigt, dass das Tuning-Potenzial in Resident Evil 3 gering ist, solange man nicht deutlich auf Grafikqualität verzichten will. Mehr als knapp 20 Prozent zusätzliche Performance sind sonst nicht möglich. Nur wer mit „Leistung priorisieren“ leben kann, bekommt einen Schub: Radeon- und GeForce-Karten legen dann um 48 Prozent im Vergleich zu „Ausgeglichen“ zu.

Kantenglättung und FidelityFX

Als Antialiasing stehen in dem Spiel FXAA, TAA, SMAA sowie die Kombination aus FXAA und TAA bereit. Letztere ist die Kantenglättung der Wahl, denn nur diese bietet eine gute Glättung über das gesamte Bild hinweg. Allerdings gibt es auch einen Haken: Vor allem in niedrigen Auflösungen legt sich eine ziemlich intensive Unschärfe über das Bild, die in höheren Auflösungen geringer wird, aber nie gänzlich verschwindet. Wer das nicht möchte, kann zum Beispiel SMAA nutzen. Dies bietet ein scharfes Bild, allerdings flimmern dann zahlreiche Objekte selbst in Ultra HD noch deutlich.

Zumindest etwas Linderung bringt das Aktivieren von FidelityFX. Dabei kommt AMDs „Radeon Image Sharpening“ zum Einsatz, das Bild wird also effektiv nachgeschärft, ohne Unruhe hineinzubringen. FidelityFX bewirkt in dem Spiel zwar keine Wunder, hilft aber etwas bei der Unschärfe. Der Schärfefilter kostet kaum Performance und läuft nicht nur auf AMD-, sondern auch auf Nvidia-Grafikkarten.

Der Speicherhunger ist groß

Resident Evil 3 benötigt viel Grafikkartenspeicher. Nicht am oberen Ende der Skala, denn mit 8 GB haben sich auch in 3.840 × 2.160 keine Probleme gezeigt. Bereits mit 6 GB sieht es jedoch anders aus. Schon in 1.920 × 1.080 lassen bei vollen Texturdetails die Frametimes nach, Ruckler gibt es aber noch nicht. Das ändert sich dann in 2.560 × 1.440, wo die Texturdetails reduziert werden müssen. Hat die Grafikkarte nur 4 GB, ist das auch in 1.920 × 1.080 vonnöten, da das Spiel immer wieder kurz hakt.

Zwangsweise stellt sich die Frage, warum Resident Evil 3 so verhältnismäßig viel Grafikkartenspeicher benötigt, denn die Qualität der Texturen zeigt keinen Grund dafür. Die Oberflächen bieten eher wenig Details und sind verwaschen. Das stört beim Spielen nicht, da Resident Evil 3 quasi durchweg dunkel ist, doch erklärt das eben nicht den Speicherbedarf.

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