Montblanc MB 01 im Test: Klang, Telefonie, Latenz und Fazit

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Frank Hüber
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Sehr guter Klang

Der MB 01 wurde vom Hamburger New-Technologies-Team innerhalb von Montblanc entwickelt. Für den Klang hat Montblanc zudem mit dem Audeze-CEO Alex Rosson zusammengearbeitet, der sein Wissen um Akustik und als Toningenieur in die Entstehung der Kopfhörer hat einfließen lassen.

Bei absoluter Stille ist im aktiven Betrieb des Kopfhörers ein leises Rauschen zu hören, auch wenn sämtliche Funktionen wie ANC oder Transparenzmodus deaktiviert sind. Nur auf der linken Seite ist zudem eine hochfrequente Interferenz wahrnehmbar. Dies sollte nicht der Fall sein und es bleibt zu hoffen, dass Montblanc hier mit einem Firmware-Update nachbessern kann. Im passiven Betrieb, wenn der Kopfhörer ausgeschaltet ist, gibt es hingegen kein Grundrauschen, aber Funktionen wie ANC stehen dann auch nicht zur Verfügung. Bei der Musikwiedergabe ist von diesem leisen Rauschen nichts mehr zu hören.

Ansonsten zeigt sich der Montblanc als angenehm warm und weich abgestimmt. Die Bässe sind voll und die Mitten und Höhen differenziert und klar abgegrenzt. Insbesondere die Höhen klingen hervorragend. Stimmen und auch klassische Stücke werden sehr gut wiedergegeben. Die Dynamik überzeugt ebenfalls, ohne die Lautstärke dafür anheben zu müssen. Das Stereoklangbild ist sauber und die Zuordnung der Spuren klar zu erkennen. Einzige Schwäche: Beim tiefen Bass in St. Jude von Florence + The Machine braucht es im aktiven Betrieb mindestens 40 Prozent Lautstärke, damit er hörbar ausgespielt wird.

Montblanc MB 01
Montblanc MB 01

Passiv ist der Klang noch besser als aktiv

Dieser positive Eindruck bleibt auch im passiven Betrieb über das Klinke-USB-C-Kabel uneingeschränkt erhalten und wird sogar noch verbessert. Denn die Montblanc klingen passiv noch detaillierter als aktiv und lassen jede Feinheit in Musikstücken hörbar werden, die bei günstigen Kopfhörern gerne verschluckt werden. Es ist dabei auch möglich, den MB 01 per Kabel analog anzuschließen, ihn aber trotzdem einzuschalten und ANC zu nutzen, was insbesondere im Flugzeug bei der Nutzung des Entertainment-Systems an Bord von Bedeutung ist.

ANC mit hohem Grundrauschen

Die Ernüchterung beim Aktivieren von ANC kommt schnell, denn es rauscht bei Ruhe stark. Damit man dieses Rauschen nicht mehr wahrnimmt, müssen ruhige Lieder mit rund 50 Prozent Lautstärke wiedergegeben werden, um das Rauschen zu übertönen. Bei leisen Passagen oder Podcasts ist es hingegen allgegenwärtig und schmälert den Klang deutlich.

Die aktive Geräuschunterdrückung selbst kann zudem nicht mit den Klassenprimussen Sony WH-100XM3 und Bose Noise Cancelling Headphones 700 (Test) mithalten, auch wenn tiefe Frequenzen deutlich wahrnehmbar gedämpft werden.

Positiv ist, dass sich ANC abseits des Rauschens nicht negativ auf die Klangqualität auswirkt. Dennoch liefert der Montblanc MB 01 den besten Klang bei deaktiviertem ANC, da das Rauschen je nach Genre und Track störend ins Gewicht fällt.

Montblanc MB 01
Montblanc MB 01
Montblanc MB 01
Montblanc MB 01

Live-Mode für Umgebungsgeräusche

Über die ANC-Taste am MB 01 kann zwischen ANC, deaktiviertem ANC und dem Live-Mode umgeschaltet werden. Durch den Live-Mode, häufig Transparenzmodus genannt, werden die Umgebungsgeräusche über die Mikrofone des Kopfhörers eingefangen und an den Träger weitergegeben. In der Praxis funktioniert dies beim Montblanc MB 01 insofern gut, als dass der Träger die Umgebung tatsächlich wahrnimmt. Allerdings werden die Geräusche so verstärkt, dass sie etwas zu scharf und hart klingen. Zudem werden alle Frequenzen gleich stark verstärkt, was beispielsweise vor einem Notebook sitzend dazu führt, dass auch der Lüfter deutlich wahrnehmbar in den Ohren des Trägers säuselt. Die Intensität des Live-Modes kann nicht eingestellt werden. Auch der Live-Mode weist zudem ein in ruhigen Umgebungen störendes Grundrauschen auf.

Sehr gute Telefonie

Für Telefonate oder Videokonferenzen ist der Montblanc MB 01 sehr gut geeignet. Der Träger ist über die Mikrofone des Kopfhörers gut verständlich und klingt natürlich. Auch bei lauterer Umgebung werden die Hintergrundgeräusch gut gefiltert – die eingebundenen Audio-Dateien sind bei Straßenlärm und Vogelgezwitscher aufgenommen. Über eine Bluetooth-Verbindung mit dem PC oder Notebook verbunden, lässt er sich problemlos für Telefonkonferenzen beispielsweise via Skype oder Zoom nutzen, ohne mit einer schlechten Sprachqualität aufzufallen – ganz im Gegenteil. Dass Filter aktiv sind, hört man jedoch durch leichtes Zischen am Beginn und Ende jedes Wortes. Der Beyerdynamic Amiron wireless copper weist dies nicht auf und filtert ebenfalls gut, beim Marshall Monitor II A.N.C. klingt der Träger näher dran, dafür wird weniger Umgebung gefiltert.

Montblanc MB 01 – Mikrofonqualität
Beyerdynamic Amiron wireless copper – Mikrofonqualität
Marshall Monitor II A.N.C. – Mikrofonqualität

Latenz im Vergleich

Da aptX Adaptive noch von keinem Smartphone unterstützt wird, kann die Latenz im Test lediglich mit aptX HD bewertet werden. Der Montblanc MB 01 zeigt dabei die für diesen Standard typische Latenz von 160 bis 180 ms, fällt also nicht negativ aus dem Rahmen. Auch unter iOS und AAC bestätigt sich dieses Bild. Das Aktivieren von ANC hat keine spürbar negative Auswirkung auf die Latenz.

Latenz zwischen Bild und Ton im Vergleich
Kopfhörer Latenz
Montblanc MB 01 160–180 ms (Android, aptX HD) / 160–180 ms (iOS, AAC)
Sennheiser Momentum 3 Wireless 80 ms (Android, aptX LL) / 160–180 ms (iOS, AAC)
Marshall Monitor II A.N.C. 160–180 ms (Android/iOS, SBC)
beyerdynamic amiron wireless copper 160–180 ms (Android, aptX HD) / 160–180 (iOS, AAC)

Fazit

Sehr guter Klang und hochwertige Verarbeitung

Die Montblanc MB 01 sind ein gelungener Einstieg des Hamburger Herstellers in die Welt der drahtlosen Over-Ear-Kopfhörer, der in vielen Bereichen überzeugt. Die Kopfhörer sind ihrem Preis von 590 Euro entsprechend ausgezeichnet verarbeitet, fühlen sich sehr edel und wertig an und sind mit 280 g angenehm leicht zu tragen. Sie sitzen sehr bequem, ohne zu drücken. Der Klang ist sehr gut und kabelgebunden sogar besser als über Bluetooth. Er ist kraftvoll, detailliert und verschluckt auch feine Töne nicht. Sowohl Bässe, Mitten als auch Höhen werden dynamisch, klar und sauber ausgespielt. Einzig der Tiefbass wird bei leisen Tönen nicht ausgespielt. Aber in dieser Hinsicht muss sich Montblanc nicht vor der Konkurrenz verstecken.

Auch Telefonate sind problemlos über die Kopfhörer möglich. Das ANC funktioniert gut und schaltet tiefe, monotone Störgeräusche effektiv aus, bleibt allerdings hinter Bose und Sony zurück, selbst wenn man das Rauschen außer Acht lässt.

Zu hohes Grundrauschen bei ANC und im Live-Modus

Deutliche Kritik muss es aber für eben dieses Rauschen geben, das der Montblanc MB 01 in allen drei aktiven Betriebsmodi aufweist. Im normalen Betrieb ist dieses Rauschen leise und bei der Musikwiedergabe nicht mehr störend, bei aktiviertem ANC ist es bei ruhiger Musik oder leisen Tönen allerdings störend laut. Im Live-Modus wird es noch lauter und störender. An diesem Punkt muss Montblanc versuchen, mit einem Firmware-Update anzusetzen. Ein Kopfhörer dieser Preisklasse darf ein solches Rauschen nicht aufweisen.

Die Konkurrenz läuft länger

Die Akkulaufzeit von rund 11 Stunden mit aktiviertem ANC bleibt zudem hinter den Konkurrenten zurück. Der Sennheiser Momentum 3 Wireless (Test) hält knapp 17 Stunden durch, der Marshall Monitor II A.N.C. (Test) schafft sogar über 30 Stunden, wenn ANC genutzt wird.

Dem Preis unangemessen erscheint die Tragetasche aus Stoff, ein hochwertiges Case würde den MB 01 deutlich besser gerecht werden. Denn das restliche Zubehör wie das Lade- und Audiokabel, die man auch abseits der Kopfhörer gerne nutzt, versprüht einen deutlich wertigeren und hochpreisigeren Eindruck. Auch die Scharniere aus Kunststoff passen da nicht ganz ins Bild.

Die Montblanc MB 01 sind abseits des zu starken Rauschens bei ANC sehr gute Over-Ear-Kopfhörer, die klanglich überzeugen. Ihren rund doppelt so hohen Preis gegenüber Modellen wie Sonys WH-1000XM3 (nur 260 Euro) oder Sennheisers Momentum 3 Wireless (rund 350 Euro) können sie hierdurch aber nicht rechtfertigen. Der Aufpreis lässt sich persönlich deshalb nur durch das edle Design und die Marke Montblanc rechtfertigen, die man sichtbar nach außen präsentieren möchte.

ComputerBase wurde der MB 01 leihweise von Montblanc zum Testen zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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