iPhone 12: Broadcom erwartet späteren Start im vierten Quartal

Nicolas La Rocco 23 Kommentare
iPhone 12: Broadcom erwartet späteren Start im vierten Quartal

Apple-Zulieferer Broadcom geht nicht davon aus, dass das iPhone 12 planmäßig im September auf den Markt kommen wird. Im Gespräch mit Analysten nach Bekanntgabe der Quartalszahlen warnte CEO Hock Tan davor, dass sich der Umsatz mit Apple erst im vierten statt üblicherweise dritten Geschäftsquartal von Broadcom widerspiegeln wird.

Im Anschluss der gestrigen Bekanntgabe der Quartalszahlen des zweiten Geschäftsquartals 2020 sagte Hock Tan, dass eine signifikante Verschiebung bei der Abnahme von Produkten bei einem großen nordamerikanischen Mobilfunkhersteller bevorstehe. Wie Bloomberg berichtet, habe Tan diese Bezeichnung für Apple in der Vergangenheit des Öfteren genutzt. „Wir sind drin“, sagte Tan in Bezug auf den Einsatz von Broadcom-Komponenten im iPhone 12, aber es sei „eine Frage des Timings“.

Der CEO geht nicht davon aus, dass sich Apples Zukauf von Broadcom-Bauteilen im angelaufenen dritten Quartal widerspiegeln wird, das bis Anfang August läuft. Tan erwartet deshalb einen rückläufigen Umsatz im Vergleich zum dritten Quartal 2019, das Apples Einkauf von Komponenten für das iPhone 11 abbildete. Der Umsatzsprung bei Broadcom soll diesmal im vierten Quartal erfolgen, das bis November läuft.

Den verspäteten Einkauf von Bauteilen für das iPhone 12 und damit auch den späteren Produktions- und Verkaufsstart führt Bloomberg auf die COVID-19-Pandemie zurück. Apples Ingenieure hätten nicht planmäßig ihre Reisen nach China durchführen können, um die Geräte zu finalisieren. Die verantwortlichen Mitarbeiter mussten vor allem Anfang 2020 viele Wochen vom Home-Office aus arbeiten.

Broadcom ist stark abhängig von Apple

Für Broadcom ist Apple einer der wichtigsten Umsatztreiber. Wie aus einem Anfang 2020 bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC eingereichten Dokument hervorgeht, will das Unternehmen bis Mitte 2023 Komponenten im Bereich kabelloser Konnektivität, also etwa Mobilfunk und Wi-Fi, im Wert von 15 Milliarden US-Dollar an Apple liefern. Wie Broadcom im Dezember 2019 mitteilte, war Apple im letzten Jahr für 20 Prozent des Umsatzes des Unternehmens verantwortlich, 2018 waren es sogar 25 Prozent.

Im iPhone 11 Pro (Max) stammte zum Beispiel das für LTE im Mid- und High-Band genutzte RF-Front-End von Broadcom, wie ein Teardown von TechInsights verrät. Das von Murata stammende Wi-Fi-6- und Bluetooth-Modul dürfte ebenfalls auf einer Lösung von Broadcom basieren. Im iPhone 12 dürfte Broadcom erneut ein wichtiger Zulieferer in den Bereichen Mobilfunk und WLAN sein. Qualcomm wird allerdings größter Profiteur der Unterstützung des neuen Mobilfunkstandards 5G im iPhone 12 sein, nachdem im April letzten Jahres ein 5G-Modem-Deal über mindestens sechs Jahre abgeschlossen wurde. Der Abschluss mit Qualcomm bedeutete gleichzeitig das Ende von Intels 5G-Bemühungen. Das zeigt, wie fatal die Abhängigkeit zu Apple für Zulieferer enden kann.

Vier iPhone 12 mit OLED und 5G erwartet

Bisherigen Gerüchten zufolge wird Apple im September zwei iPhone 12 und zwei iPhone 12 Pro vorstellen. Alle Varianten sollen mit OLED-Display ausgestattet sein und 5G unterstützen. Das Design mit Rahmen aus Aluminium soll an das iPhone 4 erinnern.